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Kommentar
Parteitag in Hannover
Merkels CDU - Politik ohne Erregungsrisiko
Von Dietmar Riemer, NDR, ARD-Hauptstadtstudio
"Keine Experimente - auf den Kanzler kommt es an!" Dieser tiefe Griff ins Parteiarchiv fördert die aktuelle Zeitansage der CDU an die Oberfläche zurück. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel ist vollständig hinter der Kanzlerin verschwunden. Als kämpferische, inspirierende Antreiberin ist sie auf diesem Parteitag jedenfalls nicht in Erscheinung getreten. Ihre Rede war eine solide, trocken gehaltene Ansprache an die Partei, in die sich - wie aus Versehen - ein kleiner Scherz über die FDP verirrt hatte. Sonst keine besonderen Vorkommnisse.
Eine Partei für alle
Die CDU ist für alle da, heißt die Botschaft, die fast leidenschaftslos von ihrer Vorsitzenden vorgetragen wurde. Angela Merkel muss sich keine Mühe mehr geben, um die Herzen der Delegierten zu kämpfen. Es ist alles das "ihre", so dass bekannte Selbstverständlichkeiten über die Tagespolitik vollständig ausreichten, um nachher fast acht Minuten Applaus einzufahren. Wer Visionen hat, ist hier nicht richtig. Der soll zum Arzt gehen oder gleich zur SPD - einem bekannten Wort Helmut Schmidts folgend.
Die Chefin der erfolgreichsten Bundesregierung seit 1990, wie sie sich selber sieht, hat erkennbar kein Interesse daran, dass Politik in ihrer Partei über Zimmerlautstärke hinaus geht. Das, was Angela Merkel heute mit ihrer Partei praktiziert, ist erfolgreich angewandte, pragmatische Politik unterhalb jedes Erregungsrisikos. Und das, obwohl sie ihrer CDU nicht wenig abverlangt hat: zum Beispiel die Wehrpflicht gestrichen und die Notabschaltung der Atomkraft bis hin zu einer fast sozialdemokratischen Sozialpolitik.
Kommentar zum CDU-Parteitag in Hannover
D. Riemer, ARD Berlin
04.12.2012 19:32 Uhr
Merkels Betriebsgeheimnis: Vertrauen
Das Betriebsgeheimnis der CDU-Vorsitzenden Merkel ist das große Vertrauen, auf das sie in der Partei bauen kann. Fast 98 Prozent, das bei weitem beste Ergebnis ihrer eigenen Parteigeschichte als Vorsitzende - diese Zahlen rühren aus dem persönlichen Vertrauenskapital. Das gilt, mit Einschränkungen, auch für das gesamte Wählermilieu der CDU außerhalb der Partei.
Eingerahmt von zwei Stellvertreterinnen und drei Stellvertretern, von denen niemand die Kraft oder gar das Zeug hätte, eigene Pläne auf Kosten der Chefin zu machen, hat Merkel nun eine engere Führung nach eigenen Vorstellungen. Dass die ehrgeizigste unter ihren Vizes, Ursula von der Leyen, vergleichsweise kärglich mit 69 Prozent abgeschnitten hat, dürfte die Chefin mit zusätzlicher Befriedigung zur Kenntnis genommen haben.
Stand: 04.12.2012 18:09 Uhr
