Kommentar

Kandidaten für CDU-Vorsitz Über einen jubeln SPD und Grüne

Stand: 25.02.2020 21:09 Uhr

Röttgen, Laschet, Merz und Spahn - zwei von ihnen haben sich cleverer präsentiert als gedacht. Einer ist seinem Ruf als "Muttis Klügster" gerecht geworden. Der Vierte aber sorgt wohl vor allem beim politischen Gegner für Jubel.

Ein Kommentar von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

An diesem Tag haben wir viel gelernt: Armin Laschet ist viel schlauer als gedacht, Friedrich Merz steht für Erneuerung und Aufbruch und Norbert Röttgen sucht eine Frau.

Aber der Reihe nach: Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen - und schon deshalb prädestiniert als CDU-Chef - hat sich dann jetzt doch endlich aus der Deckung gewagt und erklärt: Ich mache es, ich kandidiere. Aber, Überraschung, nicht allein. Er will Jens Spahn, den jungen konservativeren Konkurrenten, zu seinem Kompagnon machen.

Wie genial ist das denn? Für beide. Laschet zeigt damit, dass er ein Teamplayer ist, dass er Leute einbinden kann und will, und er setzt natürlich darauf, dass die Spahn-Anhänger auf dem Parteitag nun ihn wählen werden. Spahn seinerseits kann in Laschets Windschatten aufgebaut werden - Mann der Zukunft hinter Väterchen Armin. Könnte so schön werden, wenn da nicht noch ernsthafte Konkurrenz wäre.

Gekonnter Angriff aus dem Hinterhalt

Gemeint ist Norbert Röttgen. Er ist seinem Ruf als "Muttis Klügster" heute wieder gerecht geworden. Mitten in den One-and-a-Half-Kandidaten-Presseauftritt hinein, twittert Röttgen: "Die zweite Person in meinem Team wird eine Frau sein." Fehlte nur noch das "Ätschi-Bätsch" oder die "lieben Grüße" an die Frauenunion.

Es war jedenfalls ein gekonnter Aufmerksamkeitsangriff aus dem Hinterhalt. Aber klar: Raffinesse macht Röttgen noch nicht zu einem besseren Parteichef als Laschet. Aber Röttgen hat einiges, was Laschet nicht hat: natürliche Autorität, Erfahrung in der Außenpolitik und großes rhetorisches Talent - für einen Politiker, der hoch hinaus will, wichtigstes Handwerkszeug.

Schon einmal ist einer grandios gescheitert auf einem Parteitag, weil er eine schlechte Rede gehalten hat: Friedrich Merz. Der Mann, der für Erneuerung und Aufbruch steht. Das sagt er selbst von sich. Danke für den Hinweis, sonst wäre man auch nicht darauf gekommen.

Die Strickjacken-CDU

Friedrich Merz nämlich will die CDU in die Ära vor Merkel zurückführen. Die Älteren unter uns erinnern sich: Es war die Strickjacken- und Ärmelschoner-CDU. Also, nach vorn in die Vergangenheit mit Friedrich Merz. Was für ein Wahlkampfschlager! Und Achtung: Der selbsternannte CDU-Erneuerer will - wenn nötig - Grenzen schließen - auch, um Rechtsextremismus zu bekämpfen. Muss man sich mal vorstellen. Die Idee könnte von der AfD sein.

SPD und Grüne stellen jedenfalls schon mal den Champagner kalt, für den Fall, dass Merz die CDU nach rechts und damit die moderaten CDU-Wähler in ihre Arme treibt. Auf Grün-Rot-Rot. Cheerio! Und Merz sei Dank.

Aber die CDU-Delegierten werden schlau genug sein und sich anders entscheiden. Für das Team Laschet-Spahn und andere, die noch dazu kommen sollen - oder eben für Röttgen und seine bis dahin hoffentlich gefundene Frau.

 

Kommentar: Röttgen, Laschet oder grün-rot-rot
Sabine Henkel (WDR, ARD Berlin)
25.02.2020 16:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. Februar 2020 um 13:25 Uhr.

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