Kommentar

Eliteeinheit KSK Entgiftung eingeleitet

Stand: 01.07.2020 18:35 Uhr

Dass Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer die Eliteeinheit KSK umbaut, ist gut so. Hoffnung macht, dass der Rechtsextremismus aus der Truppe selbst heraus angeprangert wurde.

Ein Kommentar von Alfred Schmit, ARD-Hauptstadtstudio

Die Ministerin will aufräumen. Aber es bleiben offene Fragen und noch genügend Raum für scharfe Kritik: Wie kann es sein, dass kiloweise Sprengstoff, Munition und Waffen der Bundeswehr einfach verschwinden? Nur ein Teil davon ist offenbar beim Fund eines Waffenlagers im Mai aufgetaucht. Wie konnten Führungsstrukturen entstehen, bei denen sich solche krassen Sicherheitslücken auftun? Wer garantiert, dass dieses Material nicht in die Hände von Terroristen gelangt?

Verteidigungsministerium hätte früher handeln müssen

Weitere Kritikpunkte bei der Bewertung der Regierungsarbeit in Sachen KSK: Die führenden Köpfe im Verteidigungsministerium hätten schon früher so handeln können, wie es die jetzige Ministerin tut. Und sie hätten diese Sondereinheit von Anfang an besser aufstellen müssen.

Eine kleine Truppe mit wenig Personalwechsel in einer entlegenen Kaserne im Schwarzwald - das allein muss noch nicht zu Rechtsextremismus führen. Aber diese Truppe hätte politische Schulungen und Führung verdient, wie sie bei der Polizei-Sondereinheit GSG-9 üblich sind. Von dort hört man nichts über rechtsextreme Tendenzen.

Bestürzend, dass erst Menschen sterben mussten

Beim KSK dagegen wurde Rechtsextremismus offenbar nicht nur geduldet, sondern auch gefeiert. Und übrigens auch vertuscht, und zwar seit Jahren. Annegret Kramp-Karrenbauer hat als Verteidigungsministerin klar gesagt, dass sie auch angesichts eines Klimas zunehmender rechtsextremer Gewalt in Deutschland handle.

Sie nannte ausdrücklich die tödlichen Anschläge von Hanau und den Mord an Walter Lübcke als Anzeichen für ein solches Klima. Es ist eigentlich bestürzend, dass erst Menschen sterben müssen, um einen Effekt des Aufrüttelns in der Politik zu bewirken.

Interner Brandbrief lässt hoffen

Hoffnung gibt immerhin der Umstand, dass aus der Truppe selbst immer wieder Hinweise kamen, die rechtsextreme Vorgänge anprangerten und gegen sie protestierten. Zuletzt ein Brandbrief an die Ministerin selbst. Hoffnung geben auch zwei Schlüssel-Begriffe aus dem Bericht über die Vorgänge beim KSK: "Vergiftete Führungsstrukturen" und "Selbstheilung".

Die Ministerin hat die Entgiftung eingeleitet, für die Selbstheilung hat die Sondereinheit nun vier Monate Zeit.

Kommentar: Vergiftete Führung beim KSK - Kann die Selbstheilung gelingen?
Alfred Schmit, ARD Berlin
01.07.2020 17:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Juli 2020 um 17:00 Uhr.

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