Kommentar

Nach Anschlag in Berlin Demokratie durch Haltung schützen

Stand: 20.12.2016 15:10 Uhr

Weihnachten gehört zur Identität von Millionen Menschen. Das Fest wie jedes Jahr zu feiern, ist die stärkste Antwort an die, die uns schaden wollen. Denn das bedeutet, Haltung zu zeigen.

Ein Kommentar von Christian Nitsche, Zweiter Chefredakteur ARD-aktuell

Es ist richtig, dass die Innenminister von Bund und Ländern entschieden haben, die Weihnachtsmärkte in Deutschland grundsätzlich nicht zu schließen. Vor einem Terrorakt darf eine Gesellschaft nicht kapitulieren. Wir trauern und suchen nach Sicherheit. Wichtig ist dabei: Wir müssen lernen, nicht in ständiger Angst zu leben. Diesen Sieg sollten wir keinem Terroristen gönnen.

Mit Sicherheit kostet es Überwindung, vorbei an Beamten mit Maschinengewehren auf einen Weihnachtsmarkt zu gehen. Was aber wäre die Konsequenz, wenn wir unsere Freiheit in immer mehr Lebensbereichen aus Angst selbst einschränken? Wir kapselten uns ein und dennoch hätten wir letztlich nicht mehr Sicherheit. Wir gäben Terroristen die Möglichkeit, uns immer tiefer in eine Angstspirale zu drücken.

Deutschland wird Ziel von Terroristen bleiben

Anschläge sollen Gesellschaften destabilisieren, sie sind ein Mittel der Kriegsführung. Dies muss man sich immer bewusst machen. Deutschland ist schon seit Jahren Ziel von Terroristen und wird es wahrscheinlich auch bleiben. Was also tun? Lasst uns trauern! Unser Mitgefühl gehört jetzt den Angehörigen und Freunden der Opfer. Diese schreckliche Tat verstört und erschüttert.

Sich von Terroristen die Freiheit nicht rauben zu lassen, kann nicht heißen, die eigenen Gefühle, die Wut wegzuschieben. Es heißt aber, auch wieder aufzustehen. So wie die restlichen Redakteure von Charlie Hebdo in Paris, die ihre Arbeit nach dem schrecklichen Terrorangriff auf ihre Redaktion vor knapp zwei Jahren aus Trotz und Überzeugung wieder aufgenommen haben.

Demokratie lebt von Debatten

Eine Demokratie verteidigt sich nicht nur durch Polizisten und Richter. Natürlich läuft die politische Debatte um die Innere Sicherheit bereits, wie sollte es anders sein. Auch die Flüchtlingsthematik wird erneut angeheizt. Eine Demokratie lebt von Debatten, diese müssen offen geführt werden.

Entscheidend ist aber auch, wie jeder Einzelne mit einem Terrorakt umgeht. Ein Land schützt sich auch durch Haltung. Wenn Terroristen die Adventszeit zerstören wollen, dann lasst uns - so schwer dies im Moment erscheint - am 24. Dezember so wie jedes Jahr Weihnachten feiern. Für unsere Kinder. Für unsere Demokratie, die auch emotional wehrhaft sein muss. Dieses christliche Fest gehört zur Identität von Millionen. Dies wäre die stärkste Antwort an diejenigen, die uns schaden wollen.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Dezember 2016 um 16:00 Uhr.

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