Kommentar

In Morsleben lagern die Fässer in 500 Meter Tiefe | Bildquelle: dpa

Klage der Atomkonzerne Dreister geht's kaum

Stand: 15.03.2016 18:09 Uhr

Schuldbewusstsein, Bescheidenheit und Dankbarkeit - wer das von den großen Stromkonzernen E.on, RWE und Vattenfall erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen fordern sie Milliarden für den Atomausstieg.

Ein Kommentar von Jürgen Döschner, WDR

Ließe sich aus Dreistigkeit Strom erzeugen - E.on, RWE und Vattenfall hätten eine goldene Zukunft vor sich, und die Menschheit - nebenbei - ein Problem weniger.

Schon der Umgang der Stromkonzerne mit dem ersten Atomausstieg von 2002 war an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Kaum war die Tinte unter dem von ihnen selbst mit ausgehandelten Vertrag trocken, fingen die Konzernstrategen an, ihn zu torpedieren. Teil eins des Vertrages - nämlich die Legalisierung der Zwischenlagerung von Atommüll auf dem Kraftwerksgelände als "Entsorgungsnachweis" - hat man zwar gerne angenommen. Aber der im Gegenzug vereinbarte Atomausstieg sollte möglichst schnell wieder gekippt werden. Vertragstreue hin, Primat der Politik her. Ende 2010, mit den passenden Politikern auf der anderen Seite, glückte schließlich der dreiste Coup.

Atomkonzerne klagen auf Schadensersatz für Atomausstieg
nachtmagazin 00:15 Uhr, 16.03.2016, Kolja Schwartz, SWR

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Millionen Euro aus Atomkraft

Zwölf weitere Jahre lang eine Million Euro pro Atomkraftwerk pro Tag - die Sektkorken knallten! Wer braucht bei solchen Profiten Solar- und Windkraft? Das sei was für Leute, die auch Ananas in Alaska züchten, spottete der damalige RWE-Chef Jürgen Großmann.

Aber die Party endete mit dem großen Knall in Fukushima. Der Ausstieg aus dem Ausstieg wurde unter dem Druck der Ereignisse zurückgenommen. Es begann der zweite Teil des dreisten Dramas: Das Wehklagen!

Chefs der Stromkonzerne als Rächer der Rentner

"Die Energiewende macht uns kaputt", lamentierten E.on, RWE und Vattenfall seit 2011 im Dauerchor und leiteten so Teil drei der impertinenten Inszenierung ein: Mit einer Flut von Klagen stellen sie sich nun als Opfer dar, fordern vor dem Verfassungsgericht "Gerechtigkeit", "Fairness" und - nicht zu vergessen: Entschädigung. Unterm Strich mehr als 20 Milliarden Euro. Das sei man doch schon allein den vielen Kleinanlegern schuldig, die ihre Rente in E.on-Aktien angelegt haben, sagte E.on-Chef Teyssen in Karlsruhe. Die Chefs der Stromkonzerne als Rächer jener Rentner, denen sie zuvor jahrelang den letzten Cent mit überhöhten Strompreisen aus der Tasche gezogen haben? Dreister geht's kaum.

Schuldbewusstsein, Bescheidenheit und Dankbarkeit - das wären eigentlich die Reaktionen, die man von den Konzernchefs nach Fukushima erwartet hätte. Dankbarkeit zum Beispiel dafür, dass sie überhaupt einige ihrer Atomkraftwerke noch am Netz lassen dürfen. Schon der fehlende Entsorgungsnachweis wäre Grund genug, alle AKW sofort abzuschalten.

Bescheidenheit? Schuldbewusstsein? Fehlanzeige!

Bescheidenheit wäre angesagt - angesichts der immensen Risiken und Folgekosten, die sie mit Atommüll und Altreaktoren den nachfolgenden Generationen überlassen. Schuldbewusstsein mit Blick auf die verpassten und verschlafenen Chancen der Energiewende und den eigenen Anteil an dem Niedergang der einst so großen Konzerne.

Aber das Auftreten von E.on, RWE und Vattenfall in Karlsruhe und die Klagen selbst sprechen leider eine andere Sprache.

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