Kommentar

Kommentar zum Armutsbericht Mit Vorsicht zu genießen

Stand: 02.03.2017 18:31 Uhr

Der Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbands enthält erschreckende Zahlen, allerdings sind diese mit Vorsicht zu genießen. Denn die Armutsdebatte ist hierzulande vor allem eine politische Debatte.

Ein Kommentar von Jens Wiening, ARD-Hauptstadtstudio

Es stehen erschreckende Zahlen im Armutsbericht, aber: Sie müssen mit Vorsicht gelesen werden. Wer als Single 942 Euro netto oder weniger zur Verfügung hat, gilt laut Studie als arm - unabhängig vom Wohnort. Dabei geht im Monat das meiste Geld für die Miete drauf - und in den Ballungszentren muss man leicht mal Doppelte für die Wohnung auf den Tisch legen.

Der Paritätische Gesamtverband sagt außerdem, 15,7 Prozent der Bevölkerung seien arm. Dabei beruft sich der Verband auf Zahlen des statistischen Bundesamtes. Die Behörde selbst nennt die Menschen aber nicht arm, sondern "armutsgefährdet" und spricht von "Armutsrisiko". Ein feiner, aber wichtiger Unterscheid. Und der zeigt: Die Armutsdebatte ist vor allem eine politische Debatte. Jeder interpretiert die Zahlen so, wie er sie braucht.

Politik ist gefragt

Was wirklich erschreckend an dem Bericht ist: Armut verfestigt sich. Immer weniger schaffen den Weg aus ärmlichen Verhältnissen. Wer einmal unten ist, bleibt meist auch dort. Wer arm geboren wird, findet immer seltener den Weg nach oben.

Hier ist die Politik gefragt, um über gute Bildung und Förderung in den Schulen wieder für mehr Durchlässigkeit und Aufstiegschancen zu sorgen. Sonst bekommen wir bald die Kaste einer dauerhaften Armutsschicht. Jeden und alles alimentieren, wie der Paritätische Gesamtverband fordert, ist genauso wenig klug, wie auf der anderen Seite das Problem der Armut zu verleugnen. Fordern und Fördern muss der Weg sein. Das ist allemal wichtiger, als Statistiken für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren.

Kommentar: Armutsbericht mit Vorsicht genießen
J. Wiening, ARD Berlin
02.03.2017 18:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. März 2017 um 15:00 Uhr.

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