Kommentar

Der stellvertretende saudische Kronprinz und Verteidigungsminister Mohammad bin Salman Al Saud | Bildquelle: dpa

Allianz gegen Terror unter saudischer Führung Wer im Glashaus sitzt

Stand: 15.12.2015 17:57 Uhr

Unter saudischer Führung haben sich 34 Staaten in einer Allianz gegen den Terror zusammengeschlossen, um den IS und andere Islamisten zu bekämpfen. Das ist nicht unproblematisch: Denn Saudi-Arabien ist ebenso Teil der Lösung wie Teil des Problems.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Hörfunkstudio Kairo

Bei der neuen Allianz gegen den Terror soll es sich hauptsächlich um ein Militärbündnis handeln. Die treibende Kraft hinter dem Bündnis ist offenbar Saudi-Arabien.

Da drängen sich mir zwei Fragen auf: Ist es richtig, Militäraktionen ins Zentrum des Kampfes gegen den islamistischen Terror zu stellen? Und: Macht sich Saudi-Arabien nicht vom Bock zum Gärtner, wenn ausgerechnet das religiös-fundamentalistisch ausgerichtete Königreich militante Islamisten bekämpfen will?

Seit Jahrzehnten wird Terrorismus vor allem mit militärischen Mitteln bekämpft. Die USA haben einzelne Terrorcamps und ganze Länder bombardiert. Für das Regime von Abdel Fattah al-Sisi in Ägypten sind Extremisten vor allem ein militärisches Ziel. In Syrien und im Irak greifen die Kampfjets einer multinationalen Koalition die Terrormiliz vom so genannten "Islamischen Staat" an. Im Jemen bekämpft eine Militärallianz unter Führung Saudi-Arabiens die Huthi-Rebellen, bei denen es sich nach saudi-arabischer Lesart um vom Iran unterstützte Terroristen handelt.

Kommentar: Saudi-Arabien und das islamische Militärbündnis gegen Terror
J. Stryjak, ARD Kairo
15.12.2015 17:39 Uhr

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Extremisten profitieren von Antiterror-Kriegen

Mal abgesehen davon, dass etliche dieser Antiterror-Kriege offensichtlich machtpolitischen Zielen dienten und dienen - sie haben den Terrorismus nicht eingedämmt, sondern zusätzlich entfacht. Nie zuvor konnten Extremisten so gut Kämpfer rekrutieren wie auf den Trümmern, die diese Kriege hinterlassen. Von den gesellschaftspolitischen Ursachen für Extremismus reden die selbst ernannten Antiterror-Krieger hingegen selten.

Es sieht also nicht so aus, als mangelte es bislang lediglich an Militärbündnissen. In Saudi-Arabien scheint man das aber zu glauben. Oder glauben zu wollen. Denn alle anderen Strategien würden das Selbstverständnis des Königreiches berühren.

Seine Machthaber herrschen nicht nur nach innen repressiv, sie unterstützen auch im Ausland diktatorische Regime wie zum Beispiel das in Ägypten. Dass Unterdrückung Extremismus produziert, ist eine Binsenweisheit.

Saudi-Arabien gründet Allianz gegen islamistischen Terror
tagesthemen 21:20 Uhr, 15.12.2015, Alexander Stenzel, ARD Kairo

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Überschneidungen mit der Ideologie des IS

Hinzu kommt, dass die in Saudi-Arabien herrschende Staatsdoktrin des Wahhabismus über weite Strecken der Ideologie des IS ähnelt. Im Königreich werden Andersdenkende ausgepeitscht und zum Tode Verurteilte öffentlich enthauptet. Die Deutungshoheit haben ultrakonservative Religionsgelehrte, und ihr Weltbild ähnelt dem der IS-Dschihadisten in vielen Punkten. Mit Milliardensummen haben Geldgeber aus Saudi-Arabien dafür gesorgt, dass dieses fundamentalistische Weltbild jeden muslimischen Winkel auf der Erde erreicht.

Beim Kampf gegen Terroristen mag Saudi-Arabien tatsächlich der Teil der Lösung sein, für den es sich hält. Aber das Königreich ist gleichzeitig auch ein Teil des Problems. Das wird so lange so bleiben, so lange es mit seinem mittelalterlichen Religionsansatz die Extremisten inspiriert, die es militärisch bekämpfen will.

Saudi-Arabiens neue Allianz gegen Terror

Saudi-Arabien bezeichnet seine Allianz gegen Terror als "islamische Koalition". Insgesamt gehören dem Bündnis außer dem Königreich 33 Mitglieder an: Bahrain, Katar, Jordanien, Kuwait, Vereinigte Arabische Emirate, der Jemen, Libanon, Libyen, Tunesien, Ägypten, Marokko, Mauretanien, Palästina, Türkei, Pakistan, Bangladesch, Benin, Tschad, Togo, Dschibuti, Senegal, Sudan, Sierra Leone, Somalia, Gabun, Guinea, die Komoren, Elfenbeinküste, Malediven, Mali, Malaysia, Niger und Nigeria.

Die meisten Länder haben eine muslimische Mehrheit, nicht jedoch die afrikanischen Staaten Benin, Togo, Gabun und der Elfenbeinküste. Wichtige islamische Länder wie der Iran, der Irak oder Indonesien sind kein Mitglied der Koalition. Indonesien und neun weitere Staaten hätten dem Bündnis aber zugestimmt, hieß es aus Saudi-Arabien.

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Jürgen Stryjak, SWR

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