Kommentar

Die CDU und ihre Parteichefin Kramp-Karrenbauer wird zum Problem

Stand: 28.05.2019 10:36 Uhr

Annegret Kramp-Karrenbauer funktioniert nicht gut im Krisenmodus. Das hat sie mit ihrer unsouveränen Reaktion auf die YouTube-Kritik von Rezo gezeigt. Eine solche Vorsitzende wird für die CDU zu einem Problem.

Ein Kommentar von Evi Seibert, ARD-Hauptstadtstudio

Was ist eigentlich mit Annegret Kramp-Karrenbauer los? Es fing doch ganz gut an: Klug hat sie die enttäuschten Anhänger von Friedrich Merz wieder eingesammelt, um die Partei zu versöhnen. Dazu hat sie ein paar sehr wertkonservative Positionen vertreten und die Flüchtlingspolitik Merkels parteiintern noch mal zur Debatte gestellt.

Soweit so gut. Dann ist sie davon aber nicht mehr runtergekommen - sodass sich diejenigen, die "AKK" eigentlich als ihre Kandidatin der Mitte gewählt hatten, fragten: Wann hört sie denn damit mal wieder auf? Soviel zum Kopfschütteln innerhalb der CDU.

Völlig unbeholfenes Agieren

Kurz vor der Wahl zeigte sich dann aber einer breiten Öffentlichkeit, dass Kramp-Karrenbauer offenbar auch nicht gut im Krisenmodus funktioniert. Auf die YouTube-Kritik von Rezo reagierte sie völlig unbeholfen. Erst gar nicht, dann viel zu spät mit einer 11-seitigen pdf-Datei. Das fand selbst die Junge Union peinlich.

Am Wahlabend reagierte die Parteichefin auf die Ergebnisse mit den Worten: "Wir haben unsere Wahlziele erreicht." Die Antwort auf eine historische Wahlschlappe der eigenen Partei. Das fanden viele zumindest sehr merkwürdig.

Jetzt hat sie in der YouTube-Sache nochmal nachgetreten. Was wohl gewesen wäre, wenn 70 Zeitungsredakteure dasselbe getan und vor der Wahl einen Aufruf gegen die CDU gestartet hätten? Die jungen Influencer, die genau das getan haben, hätten mit ihrem Video vor der Wahl Meinungsmache verbreitet, beschwert sich die CDU-Chefin.

Ja, das stimmt. Diese ist in Deutschland aber nicht verboten. Meinungsmache ist im Gegenteil sogar vom Grundgesetz geschützt. Und wenn junge Leute die CDU doof finden und das auch sagen, dann ist das ihr gutes Recht. Es hindert ja niemand die CDU daran, das Gegenteil zu behaupten.

YouTuber sind keine Journalisten

YouTuber sind keine Journalisten, sondern einfach Leute, die ihre Meinung online stellen. Über Shampoos genauso wie über Parteien. Dass das in diesem Fall der CDU-Chefin nicht gefällt, ist logisch. Dass sie aber so beleidigt reagiert und fordert, Meinungen im Internet zu regeln und zu kontrollieren, ist erschreckend unsouverän.

Gestern hat ein Politikberater im Fernsehen prophezeit, die CDU werde ein "AKK"-Problem bekommen. Das stimmt nicht ganz. Das Problem ist nämlich schon da.

Kommentar: Das Problem Kramp-Karrenbauer
Evi Seibert, ARD Berlin
28.05.2019 09:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Mai 2019 um 11:00 Uhr.

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