Kommentar

Flugzeug von Air Berlin | Bildquelle: dpa

Insolvenz Air Berlin ist nicht zu retten

Stand: 15.08.2017 21:25 Uhr

Der Kredit der Regierung rettet Urlaubsflüge, aber nicht Air Berlin. Die Fluggesellschaft wird verschwinden. Davon will die Lufthansa im Kampf gegen die Billiganbieter profitieren - doch sie hat ein entscheidendes Problem.

Ein Kommentar von Jens Brommann, NDR

Das war's dann wohl mit Air Berlin. Deutschlands zweitgrößte Airline wird nur dank eines Überbrückungskredits mit Bundesbürgschaft einige Monate noch planmäßig fliegen können. Die 150 Millionen Euro werden Urlaubsflüge von Hundertausenden jetzt im Hochsommer retten: Air Berlin werden sie nicht retten. Die Fluggesellschaft ist nicht mehr zu retten.

Kein ernst zu nehmender Investor wird einer seit Jahrzehnten verlustreichen Linie mit einer Milliarden schweren Schuldenlast neues Leben einhauchen können. Großaktionär Etihad hat es sechs Jahre lang mit kräftigen Finanzspritzen versucht - und jetzt den Geldhahn zugedreht.

Aus und vorbei für Air Berlin

Der Flugmarkt boomt, weltweit - doch Air Berlin schafft es einfach nicht, sich aus dem Abwärtsstrudel zu befreien. Als deutscher Ferienflieger gestartet, wollte Air Berlin weltweit in der Topliga mitfliegen. Die Spitzenmanager wechselten häufig und mit ihnen die Strategien und geschlossenen Flugallianzen.

Was blieb, waren die angehäuften Schulden und die zunehmende Ratlosigkeit, was denn noch helfen könnte. Das Ausleihen von Maschinen mit der gesamten Crew und Wartung, etwa an die Lufthansa-Tochter Eurowings, gehört dazu. Air Berlin hat kein eigenes Marken-Image: Andere waren und sind günstiger im Preis, freundlicher im Service, engmaschiger im Streckennetz, verlässlicher im Flugplan.

Vom Regen in die Traufe

Wer als mittelmäßiger Anbieter Milliarden Verluste einfliegt, hat auf einem boomenden Markt nichts mehr zu suchen. Air Berlin wird verschwinden und in anderen Fluggesellschaften aufgehen. Die Verhandlungen mit Lufthansa laufen bereits seit Monaten. Und vieles spricht dafür, dass Lufthansa sich bei Air Berlin - noch mehr als bisher - bedienen wird: bei Maschinen, Personal und vor allem bei den wichtigen Start- und Landerechten an den Flughäfen.

Ob dann alles besser wird, darf bezweifelt werden. Denn auch das Markenprofil der Lufthansa-Billigtochter Eurowings ist unscharf. Auch für Eurowings gilt: Andere sind günstiger. Angefacht durch die irische Ryanair tobt unter den Billigfliegern derzeit ein harter Verdrängungswettbewerb. Dass ausgerechnet die Lufthansa, mit ihren vergleichsweise hohen Kosten, dem gewachsen sein wird, ist völlig offen. Mit alten Air-Berlin-Strecken die eigene Eurowings wettbewerbsfähiger machen, diese Strategie kann auch nach hinten losgehen. Ryanair, Easyjet und Co. warten nur darauf, die Schwächen der anderen zu ihrem Vorteil auszunutzen.

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 15. August 2017 um 22:15 Uhr.

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