Kommentar

Petrys Rückschläge Kein Rütteln am rechten Markenkern

Stand: 22.04.2017 20:22 Uhr

AfD-Chefin Petry hatte sich ihr Tauschgeschäft so schön ausgemalt: Weg vom rechten Spektrum und dafür rein ins Wählerhoch. Doch die Partei zieht bei der Linie nicht mit - zu stark bleibt der rechte Flügel.

Ein Kommentar von Jens Wiening, ARD-Hauptstadtstudio

Der AfD ist ihrer Parteichefin Frauke Petry aus den Händen geglitten. Die Mitglieder verstehen ihre Bundesvorsitzende nicht mehr, weil Petry nicht mehr das will, was sie wollen. Alle umständlichen Versuche, sie zu halten, sind gescheitert, weil Petry freiwillig den Markenkern verlassen hat.

Deshalb wird sie - wenn sie überhaupt noch solange durchhält - wohl spätestens nach der Bundestagswahl abserviert. Dann wählt die AfD einen neuen Bundesvorstand mit neuen Vorsitzenden.

Petry hatte eine Kehrtwende vollzogen und wollte den rechten Flügel abstoßen. Der hatte - in ihren Augen - seine Schuldigkeit getan, indem er die Partei weit über die Fünf-Prozent-Hürde gehoben hatte. Petry wollte in Zukunft einen verlorenen Wähler aus dem rechten Spektrum gegen zwei Wähler der bürgerlichen Mitte eintauschen.

Applaus gab's für die rechten Töne

Doch der rechte Flügel ist ein elementarer Teil der Partei. Das wurde wieder mal deutlich, als der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen für seine völkisch geprägte Rede frenetisch gefeiert wurde. Das wurde auch deutlich, als der Antrag vorgestellt wurde, das Parteiausschlussverfahren gegen das rechte Gesicht der Partei, Björn Höcke, zurückzunehmen. Es wurde kräftig applaudiert.

Dass, passend zum Bundesparteitag, Vorstandsmitglied André Poggenburg in einem Interview forderte, Höcke in den Bundesvorstand zu berufen, spricht für sich. Die Partei hat auch den Bruch mit den Kirchen vollzogen. Vorstandsmitglied Armin Paul Hampel forderte gleich mal die Kirchensteuer abzuschaffen und warf den Kirchen mangelnde Rechtstreue vor. Die Kirchen demonstrierten derweil draußen gegen die AfD. Alle Versuche, die rechten Kräfte der Partei zu beherrschen, zu benutzen und dann abzustreifen sind gescheitert. Sie sind Markenkern. Diese Lektion hat nun auch Frauke Petry erfahren.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. April 2017 um 20:00 Uhr.

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