Kommentar

Frauke Petry | Bildquelle: AFP

Niederlage für Parteichefin "Die Königin ist tot - lang lebe die Königin"

Stand: 24.04.2017 00:40 Uhr

Der Bundesparteitag der AfD - eine Petry-Dämmerung: Ihre gescheiterten Anträge waren der finale Akt einer Entfremdung. Bis zur Bundestagswahl wird sie zwar noch gebraucht, doch mit Alice Weidel tritt bereits das neue Gesicht der AfD an.

Ein Kommentar von Jens Wiening, ARD-Hauptstadtstudio

Der AfD-Parteitag war eine Petry-Dämmerung. Ihre Karriere in der Partei dürfte dem Ende entgegengehen. Der neue Stern am Himmel wird wohl Alice Weidel werden. Gemeinsam mit Alexander Gauland wird die 38-Jährige aus Baden-Württemberg das Spitzenduo für den Wahlkampf geben. Ein Duo, das sich versteht und funktionieren wird.

Gaulands vergiftete Worte

Frauke Petry hatte sich selbst seit Monaten Stück für Stück ins Aus manövriert. Ihre gescheiterten Anträge auf dem Parteitag waren nur der brachiale und finale Akt einer Entfremdung. Die Delegierten haben ihre Anträge zur Zukunft der Partei und zur Abgrenzung von Nationalismus und Rassismus erst gar nicht zur Abstimmung zugelassen.

Nur einmal standen alle Delegierte für sie auf und riefen sie beim Vornamen: Als der just zum Spitzenkandidaten gekürte, innerparteiliche Widersacher Gauland die vergifteten Worte sprach: "Wir brauchen Sie, Frauke Petry - für den Wahlkampf."

Und genau so ist es. Bis September braucht die Partei das Gesicht von Frauke Petry. Später sagten dann beide auf die Frage, welche Rolle Petry in einer Bundestagfraktion spielen solle, vieldeutig: Das müsse dann die Fraktion entscheiden. Nach der Bundestagswahl werden zudem der Vorstand und der Parteivorsitz neu gewählt.

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Weidels Talent für scharfen Rechtspopulismus

Noch ist Petry das Gesicht der Partei. Aber mit Alice Weidel tritt bereits das neue Gesicht der AfD in die Öffentlichkeit. Sie ist 38 Jahre, lebt in einer Beziehung mit einer anderen Frau. Beide ziehen zwei Kinder groß. Sie gilt als wirtschaftsliberal, aber sie kann auch anders. Kurz vor dem Parteitag hatte sie gefordert, den Deutsch-Türken die deutsche Staatsbürgerschaft abzuerkennen, die für das türkische Referendum gestimmt hatten. Und auf der Rednerbühne bewies sie ihr Talent für scharfen Rechtspopulismus.

Mit dem neuen Duo Gauland und Weidel will die AfD das lang ersehnte Signal der Geschlossenheit nach außen transportieren. Und sich vorbereiten auf die Zeit nach Frauke Petry.

Kommentar: Die Königin ist tot, lange lebe die Königin
Jens Wiening, ARD Berlin
24.04.2017 11:03 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 24. April 2017 tagesschau24 um 11:00 Uhr und Inforadio um 11:07 Uhr.

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