Kommentar

Gauland-Wahl zum Parteichef Eklat zeigt Zerrissenheit der AfD

Stand: 03.12.2017 07:35 Uhr

Allen Beteuerungen zum Trotz hat sich die AfD bei den Vorstandswahlen einen offenen Machtkampf geliefert. Dies zeige die ganze Zerrissenheit der Partei, findet Marie-Kristin Boese. Der neue Parteichef Gauland muss nun versuchen, die Flügel zusammenzuhalten.

Ein Kommentar von Marie-Kristin Boese, ARD-Hauptstadtstudio

Die AfD hat sich auf offener Bühne einen Machtkampf geliefert. Im Hauen und Stechen um den zweiten Sprecherposten hat sie ihre ganze Zerrissenheit offenbart - und damit die eigenen Beteuerungen ad absurdum geführt, dass National-Konservative und Gemäßigte zusammen passen.

Den Eklat konnte nur Alexander Gauland entschärfen. Der mächtige Mann in der AfD wurde noch etwas mächtiger. Fraktionschef und nun auch noch Parteichef. Eigentlich wollte Gauland das Amt nicht wirklich. Er hatte sich eine Kandidatur offenbar für den Notfall vorbehalten. Dieser Notfall ist eingetreten. Gauland musste einschreiten, um ein Auseinanderbrechen der AfD zu verhindern. Vermutlich trieb ihn auch die Sorge um die noch junge AfD-Bundestagsfraktion.

Marie-Kristin Boese, SWR, kommentiert den AfD-Parteitag
Tagesthemen 23:30, 02.12.2017

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Der Eklat sagt viel über die Kräfteverhältnisse in der Partei. Gemäßigte wie Georg Pazderski können sich nicht mehr gegen den Willen des rechtsnationalen Flügels durchsetzen. Für seine Kritiker war er zu lange loyal zu Ex-Parteichefin Frauke Petry, wollte schneller koalitionsfähig werden als viele andere. Um Pazderski zu verhindern, brachten die Radikaleren lieber eine Überraschungskandidatin an den Start, die eine Öffnung nach Rechtsaußen nicht scheut.

Gauland muss nun versuchen, die Flügel zusammenzuhalten. Für die Rechtsnationalen ist seine Wahl ein Triumph. Denn Gauland hat seine schützende Hand immer über sie und ihre Gallionsfigur Björn Höcke gehalten. Die Rechtsaußen werden auch künftig einen festen Platz in der AfD haben - und haben ihre Position heute gestärkt.

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