Kommentar

Rede des Palästinenserführers Abbas verdient keine Unterstützung mehr

Stand: 02.05.2018 14:56 Uhr

Mit seinem unverhohlenen Antisemitismus habe Abbas eine Linie überschritten, meint Ulrich Pick. Die EU müsse sich überlegen, ob sie dem Palästinenserpräsidenten weiterhin zur Seite stehe.

Ein Kommentar von Ulrich Pick, SWR

Gleich vorweg: Dass Palästinenserführer Mahmoud Abbas den Juden die Schuld an der Shoa gibt, ist schlicht widerlich. Hier gibt es nichts zu diskutieren und zu deuteln. Alles, was der 82-Jährige sagt, fällt im Grunde auf ihn zurück. Zudem ist seine Behauptung, dass das jüdische Volk keine historischen Wurzeln im Heiligen Land habe, einfach Unsinn.

Es gibt aber in diesem Zusammenhang noch einen zweiten Aspekt: Dieser betrifft die Politik der Palästinenser und die Hoffnung auf eine  dauerhafte Zwei-Staaten-Lösung. Über lange Zeit hin galt Abbas als ein gewisser Hoffnungsträger im Nahostkonflikt.

Unterstützung von der EU

Er machte sich für eine Zwei-Staaten-Lösung stark, weshalb er und sein maroder Palästinenserstaat immer wieder Unterstützung erfuhren - gerade von Seiten der Europäischen Union. Denn auf die Hamas können die Europäer nicht setzen, weil diese zu weiten Teilen Israel das Existenzrecht abspricht. Und Israel selbst torpediert mit seiner teilweise rücksichtslosen Siedlungspolitik immer wieder einen Friedensprozess.

Rote Linie überschritten

Nach seinen jetzigen Bemerkungen aber sollte sich die Europäische Union überlegen, ob sie Abbas wirklich weiterhin zur Seite stehen will. Der Palästinenserpräsident hat durch seinen unverhohlenen Antisemitismus eine rote Linie überschritten und verdient vorerst keine Unterstützung mehr. Und die politische Rechte in Israel dürfte sich bei aller Ungehörigkeit der Abbas'schen Äußerungen ins Fäustchen lachen. Denn diese werden ihre radikale Siedlungspolitik nur beflügeln. Fragt sich, wie es jetzt im Nahostkonflikt weitergeht.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. Mai 2018 um 16:04 Uhr.

Darstellung: