Ein Kind liegt mit einem Smartphone auf dem Sofa. | Bildquelle: dpa

WHO-Studie zu Jugendlichen Überall Bewegungsmuffel

Stand: 22.11.2019 00:01 Uhr

Weltweit bewegen sich Jugendliche laut einer WHO-Studie zu wenig - als einen Grund vermuten die Forscher Smartphones und Computer. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Von Mathias Zahn, ARD-Studio Zürich

Die WHO spricht von alarmierenden Ergebnissen: Vier von fünf Jugendlichen bewegen sich nicht einmal eine Stunde pro Tag - laufen, fahren Rad oder sind anders sportlich aktiv. Deutschland liegt mit knapp 84 Prozent Bewegungsmuffeln bei Jungen und Mädchen sogar über dem weltweiten Schnitt von 81 Prozent.

Studienleiterin Regina Guthold warnt: Mit der mangelnden Bewegung gefährdeten Heranwachsende ihre Gesundheit. Denn körperliche Aktivität bringe zahlreiche Vorteile: "Jugendliche, die sich bewegen, haben eine bessere Herzgesundheit", sagt sie. "Ihre Lunge funktioniert besser. Sie haben auch eine bessere Auffassungsgabe, lernen leichter. Und sie haben auch ein besseres Sozialverhalten."

Deutlicher Unterschied bei den Geschlechtern

Die Studie zeigt auch einen deutlichen Unterschied bei den Geschlechtern: In den allermeisten Ländern sind die Mädchen noch träger als die Jungen. Das gilt auch für Deutschland. Die Gründe haben die Forscher nicht erhoben. Sie mutmaßen aber zum Beispiel, dass Mädchen in bestimmten Kulturen eher zur Hausarbeit erzogen werden und deshalb seltener rausgehen und Sport machen.

Als einen generellen Grund für die Trägheit von Mädchen und Jungen vermuten die Forscher die digitale Revolution mit dem Trend zu Smartphone und Computer. "Diese Entwicklung scheint das Bewegungsverhalten der Jugendlichen verändert zu haben", sagt die Co-Autorin der Studie, Leanne Riley. "Es bringt sie dazu, mehr zu sitzen, weniger aktiv zu sein. Sie spielen eher zuhause ein Computerspiel, als draußen zu spielen und sich zu bewegen - was sie aber bräuchten, um das Ziel von einer Stunde Bewegung pro Tag zu erreichen."

Appell an Regierungen

Diese Stunde Aktivität am Tag empfiehlt die WHO. Die Bewegung kann auch über den Tag verteilt sein. Zum Beispiel morgens eine Viertelstunde Radfahren zur Schule und abends eine dreiviertel Stunde Fußball spielen. Die WHO fordert die Regierungen weltweit auf, mehr dafür zu tun, dass sich Jugendliche bewegen, mit mehr Sportunterricht zum Beispiel oder mehr Freizeitangeboten.

Dabei müsse es nicht immer die große Anstrengung sein, sagt Studienleiterin Guthold. In Finnland etwa gebe es interessante Ansätze in den Schulen: "Zum Beispiel im Geschichtsunterricht: Da wird dann ein Zeitstrahl mit historischen Daten nicht im Klassenraum aufgehängt, sondern auf einer Treppe ausgelegt, so dass die Jugendlichen auf und ab gehen müssen. Es ist relativ einfach, körperliche Aktivität in den Schulalltag zu integrieren, und das in spielerischer Form."

Zum ersten Mal hat die Weltgesundheitsorganisation in Genf den Bewegungsmangel bei Schulmädchen und Schuljungen zwischen elf und 17 Jahren erfasst. Für die Studie wurden 1,6 Millionen Heranwachsende an Schulen in 146 Staaten weltweit befragt. Die Forscher hoffen, damit einen Anstoß zu geben. Ihr Ziel: In zehn Jahren soll die Zahl der Bewegungsmuffel von gut 80 Prozent auf unter 70 Prozent sinken.

WHO-Studie zu Bewegungsmangel bei Jugendlichen
Mathias Zahn, ARD Zürich
22.11.2019 06:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. November 2019 um 06:45 Uhr.

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