Jahresrückblick 1964 Alleingang de Gaulles

Stand: 06.12.2010 17:55 Uhr

Frankreich zeigt 1964 ein wachsendes Selbstbewusstsein. Staatspräsident Charles de Gaulle reist zweimal nach Lateinamerika. Die politischen Erfolge bleiben jedoch hinter den Erwartungen zurück. Überraschend wird das kommunistische China Ende Januar von Paris diplomatisch anerkannt. Dies stellt einen Affront gegen Washington dar. Frankreich hatte keinen seiner Verbündeten konsultiert.

In Peking verhandeln französische Parlamentarier über die Verbesserung kultureller und wirtschaftlicher Beziehungen. Frankreich vereinbart Weizenlieferungen an Rotchina. Die EWG ist dadurch gezwungen, sie indirekt mit zu finanzieren. De Gaulle begründet die Anerkennung Rotchinas damit, dass die Neutralisierung Südostasiens ohne Mitwirkung Pekings nicht erreicht werden könne.

Im März besucht der sozialistische Gegenkandidat de Gaulles Präsident Johnson in Washington. Er ist Anhänger einer engen politischen Zusammenarbeit zwischen Europa und den Vereinigten Staaten und Gegner der Südostasien-Politik de Gaulles.

Im Februar besucht der deutsche Bundeskanzler Erhard den französischen Staatspräsidenten in Paris. Die Gespräche mit de Gaulle gelten den Meinungsverschiedenheiten über die europäische Wirtschafts- und Verteidigungspolitik. Bei dem Treffen werden erhebliche Differenzen in der Außenpolitik sichtbar.

Im Juli erfolgt der Gegenbesuch de Gaulles in Bonn. Die Atmosphäre ist kühl. Frankreich und Deutschland erkennen, dass sie über den Weg nach Europa verschiedene Vorstellungen besitzen. Die Bundesregierung kündigt neue Vorschläge für den politischen Zusammenschluss Europas an. Der frühere Bundeskanzler Adenauer unternimmt Anfang November einen Versuch, die Risse im deutsch-französischen Verhältnis zu kitten. Er macht hauptsächlich seine Parteifreunde für die Differenzen verantwortlich. In der Bundesrepublik entsteht eine gereizte öffentliche Debatte über den "Gaullismus".

Darstellung: