Jahresrückblick 1964 Tarifeinigungen und Gastarbeiter

Stand: 06.12.2010 17:55 Uhr

Die Lage der Energiewirtschaft ist 1964 ernst. Im Ruhrgebiet herrscht Unruhe. Aufgrund von Demonstrationen wird die vorgesehene Stillegung von 36 Steinkohlezechen um ein Jahr verschoben. Durch die geplante Stillegung waren 60.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Der Bundeskanzler stützt den Steinkohle-Bergbau im Konkurrenzkampf mit dem Heizöl und verpflichtet die Mineralölgesellschaften zu einer ausgewogenen Energiepolitik beizutragen.

Anfang Dezember jedoch steht der Arbeitsfrieden im Ruhrgebiet wieder auf dem Spiel. Die IG-Bergbau und Energie beschließt unter ihrem neuen Vorsitzenden eine Urabstimmung. Aber die Tarifpartner lenken ein. Löhne, Gehälter und Wohnungsgeld werden ab 1. Januar im Ganzen um zehn Prozent erhöht. Erfolgreich verhandeln auch die Interessenvertreter des öffentlichen Dienstes, einschließlich der Bundesbahn und der Post. 1,6 Millionen Angestellte und Arbeiter des Bundes, der Länder und der Gemeinden erhalten 1965 höhere Bezüge.

Die Tarifpartner der Metallindustrie unterzeichnen im Mai nach zweijährigen Verhandlungen ein weitsichtiges Schlichtungsabkommen. In Zukunft soll bei gescheiterten Tarifverhandlungen automatisch ein Schlichtungsverfahren eingeleitet werden. Anfang Juni stellt der DAG-Vorsitzende dem Bundespräsidenten 50 Preisträger des europäischen Berufswettkampfes vor. Dieser Wettkampf ist ein Zeichen für die übernationale Orientierung der Gewerkschaften. Ein neuer Stil im Verhältnis von Regierung und Tarifpartnern kündigt sich Anfang Juli an. Die Spitzen der Arbeitgeberverbände und der Gewerkschaften werden gemeinsam zu einem Gespräch beim Bundeskanzler empfangen.

Aus Portugal kommt der millionste ausländische Arbeiter in die Bundesrepublik. Die deutsche Wirtschaft braucht ihn und seine Kollegen aus dem Süden. Zum Start ins Wirtschaftswunder erhielt er ein Moped als Gastgeschenk.

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