Donald Trump gibt Kandidatur am 16. Juni 2015 bekannt | Bildquelle: picture alliance / dpa

USA 2016 Die gespaltenen Staaten von Amerika

Stand: 26.12.2016 15:14 Uhr

Vor einem Jahr glaubte kaum jemand an einen künftigen Präsidenten Trump. Er versprach, die USA wieder groß zu machen - und gewann die Wahl. Ein Blick auf eine Gesellschaft, die nicht nur in Schwarz und Weiß gespalten ist.

Vom Ina Ruck, ARD-Studio Washington

Es gibt diese Sätze, die man nicht mehr vergisst als Korrespondentin. Manchmal fallen sie in Interviews, manchmal erst dann, wenn die Kamera ausgeschaltet ist. Im Januar 2016 filmten wir eine junge Professorin an der Georgetown University, eine Parteienforscherin. Es sollte eigentlich um Hillary Clintons Schwierigkeiten gegen Bernie Sanders gehen. Doch schnell waren wir beim Thema Trump - bei dem in diesem Jahr unweigerlich jedes politische Gespräch endete. Und dann sagte die junge schwarze Professorin, sie fürchte weniger Trump selbst als manche seiner Wähler: "All jene, die in seinem Versprechen, Amerika wieder groß zu machen, etwas ganz anderes hören - nämlich dass er Amerika wieder weiß macht."

Hillary Clinton (li.)  und Bernie Sanders diskutieren während der TV-Debatte
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Im Januar stand noch das Duell von Clinton gegen Sanders im Fokus - doch es gab schon Experten, die da schon über einen Sieg Trumps und die Folgen nachdachten.

Heute würde sich niemand mehr über so einen Satz wundern. Aber noch im Januar wirkte er völlig übertrieben. Kaum jemand hätte damals geglaubt, dass Trumps Wahlkampf so viel, ja, Rassismus zutage fördern würde. Dass der Ku Klux Klan wieder Thema sein würde, dass uns nur zehn Monate später in der Wahlnacht eine schwarze Studentin weinend einen weiteren Satz in die Kamera sagen würde, den wir so schnell nicht vergessen werden: "Nie in meinem Leben hat mich jemand 'Nigger' geschimpft, nie. Aber heute, am Tag, an dem Donald Trump gewählt wird, ist es passiert."

Trump verstärkt die Spaltung

Wie angespannt das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß ist, war auch vor diesem Wahljahr längst deutlich. Und auch 2016 starben überdurchschnittlich viele Schwarze durch Polizeigewalt. Wie Philandro Castile, erschossen bei einer Verkehrskontrolle, während die vierjährige Stieftochter auf dem Rücksitz saß. Seine Verlobte postete die Ereignisse live auf Facebook. Nur so, scheint es, ist noch Aufmerksamkeit zu erregen angesichts so vieler ähnlicher Fälle. Aber auch brutale Anschläge Schwarzer auf die vor allem weiße Polizei bleiben im Gedächtnis - wie in Dallas, wo ein Heckenschütze gleich fünf Polizisten hinterrücks erschoss.

In diesem Jahr wurde aber auch deutlich, dass die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft nicht nur entlang der Hautfarbe verläuft. Es gibt andere, vielleicht tiefere Trennlinien. Zwischen Gewinnern und Verlierern der Globalisierung, zwischen Arm und Reich, zwischen "dem Establishment in Washington" und all jenen im weiten Land, die sich nicht mehr vertreten fühlen. Trumps Siegeszug verstärkte diese Spaltung. Sie trug ihn ins Weiße Haus.

In der Nacht zu Donnerstag versammelten sich die Demonstranten zu Anti-Trump Protesten vor dem Trump Tower in New York | Bildquelle: AFP
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Proteste nach Trumps Wahl zum Präsidenten ...

Obama und Trump im Oval Office | Bildquelle: REUTERS
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... ändern nichts: Trump zieht ins Weiße Haus.

Trump-Wahl - ein Akt der Notwehr?

Wir Reporter - amerikanische wie ausländische - mussten uns den Vorwurf gefallen lassen, nicht die wahre Meinung des Volkes abzubilden. Dabei reisten wir durchs Land, interviewten Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen, verfolgten den Wahlkampf, versuchten zu ergründen, warum Clinton bei jungen Demokraten und Sanders-Fans so verhasst war. Warum die demokratische Partei offenbar eine ganze Entwicklung verschlafen hat. Warum gerade Menschen aus unteren Schichten einem Milliardär zujubelten, ihm verziehen, dass er seine Steuern nicht offenlegt, dass er Auftragnehmer um ihre Löhne geprellt hat. Und: Warum viele Trumps Lügen lieber glaubten, als den Zeitungen, die diese Lügen entlarvten.

Ende September filmten wir bei den Stahlarbeitern in Youngstown, Ohio - ein Ort, der bis dahin traditionell Demokraten gewählt hatte. Und der schon so lange in der wirtschaftlichen Krise ist, dass Bruce Springsteen ihm in den 1990er-Jahren einen Song gewidmet hat. Viele seiner Kollegen und Freunde fänden jetzt Trump gut, erklärte uns einer unser Gesprächspartner. Dass die Leute  sich nicht selbst als Trump-Fans outen wollten, lieber andere zitierten, begegnete uns vor der Wahl übrigens immer wieder. Seine Kollegen wählten Trump, sagte der Mann aus Youngstown, weil sich seit Jahren nichts ändere, weil die Demokraten keines ihrer Versprechen eingehalten hätten: "Trump mag albern sein und unausstehlich, vielleicht sogar unqualifiziert - aber die Leute haben die Schnauze so voll, sie würden jeden wählen, nur um aufzurütteln." Trump wählen als Akt der Notwehr - auch dieser Satz steht symptomatisch für dieses Jahr, für diese Wahl.

Ohio im Mittleren Westen der USA und die Stahlarbeiter
tagesthemen 22:15 Uhr, 04.10.2016, Ina Ruck, ARD Washington

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Obamas Erfolge und Niederlagen

Vieles, über das wir in diesem Jahr berichtet haben erscheint schon jetzt wie aus einer anderen Zeit. Barack Obamas Reise nach Kuba, Zeichen der Öffnung nach so langer Eiszeit. Die Reise nach Hiroshima, als erster US-Präsident - auch so viele Jahre nach Kriegsende eine diplomatische Mission, die Fingerspitzengefühl brauchte. Noch kann sich kaum jemand ähnliches Fingerspitzengefühl beim zukünftigen Präsidenten vorstellen.

Obama hinterlässt seinem Nachfolger außenpolitisch ein sehr schwieriges Erbe. Im Mittleren Osten ist er auf ganzer Linie gescheitert. Die Frage, ob es falsch war, in Syrien nicht stärker einzugreifen, scheint Obama tatsächlich zu quälen. Bei der Pressekonferenz zum Jahresende redete er offen über seine Zweifel. Auch das völlig verfahrene Verhältnis zu Russland oder die Tatsache, dass die USA weniger Gewicht in der Welt haben als zu Beginn seiner Amtszeit sind schwierige Hinterlassenschaften.

Trump bereitet sich auf die Präsidentschaft so unkonventionell vor, wie er auch seinen Wahlkampf geführt hat. Familienmitglieder im engsten Beraterkreis, Twitter als wichtigstes Medium. Die täglichen Briefings seiner Geheimdienste schlägt er aus. Deren Warnung, Russland habe sich in die Wahl eingemischt und könne weiter Einfluss nehmen, hält er für lächerlich.

Vor ein paar Tagen haben die Wahlleute Trumps Wahl bestätigt - am 20. Januar wird er offiziell ins Amt eingeführt. Das nächste Jahr wird geprägt sein vom nächsten Präsidenten der USA. Die ganze Welt wird auf ihn schauen.

ARD Jahresrückblick 2016
19.12.2016

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Über dieses Thema berichtete der ARD-Jahresrückblick am 19. Dezember 2016 um 23:25 Uhr.

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