Polizeibeamte auf dem Campingplatz in Eichwald | Bildquelle: dpa

Missbrauchsfall Lügde Polizei übersieht Schuppen

Stand: 16.04.2019 08:21 Uhr

Im Fall Lügde hat es offenbar eine weitere Ermittlungspanne gegeben. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" haben die Ermittler einen Schuppen des Hauptbeschuldigten übersehen.

Von Britta von der Heide und Barbara Jung, NDR und Jana Stegemann

Reporter von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hatten am Montagnachmittag bei der Polizei Bielefeld angefragt, ob der Schuppen in direkter Nähe zur Parzelle des Hauptverdächtigen durchsucht worden sei. Polizei und Staatsanwaltschaft beantworteten die Fragen nicht.

Am späten Montagabend teilten die Behörden dann mit, dass ihnen bisher keine Erkenntnisse darüber vorgelegen hätten, dass dieses Häuschen dem Hauptbeschuldigten zuzuordnen gewesen sei. Deshalb sei der Schuppen bisher auch nicht Gegenstand der polizeilichen Maßnahmen gewesen.

Diesen Schuppen hatten die Ermittler übersehen.
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Diesen Schuppen hatten die Ermittler übersehen.

In der gleichen Pressemitteilung räumt die Polizei aber auch ein, dass der Betreiber des Campingplatzes behauptet, die Polizei bereits vor längerer Zeit über die Existenz des Schuppens informiert zu haben. Die Behörden gaben außerdem bekannt, dass sie den Gerätschuppen nun durchsucht hätten. Dabei seien Werkzeuge und Metallschrott gefunden worden - allerdings keine Gegenstände, die als Beweismittel in Fragen kommen könnten.

Abrissunternehmer war bereits vor Ort

Unerwähnt ließen Polizei und Staatsanwaltschaft, dass der Abrissunternehmer den Schuppen längst ausgeräumt hatte, da der Tatort seit Ende März offiziell wieder freigegeben war. Danach hatte der Besitzer des Campingplatzes die Räumung der Parzelle in Auftrag gegeben.

Der dafür zuständige Abrissunternehmer Christopher Wienberg von CAW Abbruchunternehmen in Bad Pyrmont hatte damit in der vergangenen Woche begonnen und immer wieder Datenträger im Abrissschrott gefunden. Erst drei CDs und zwei Disketten, dann am gestrigen Montagnachmittag unter anderem elf Videokassetten.

Weitere Datenträger in Lügde gefunden
morgenmagazin, 16.04.2019, Stella Peters, NDR

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In einer Pressemitteilung am gestrigen Nachmittag hatte die Polizei betont, dass die Tatorte sehr aufwändig untersucht worden seien. Es habe daher keine Veranlassung gegeben, Beamte tagelang für eine Beobachtung der Abrissarbeiten abzustellen, hieß es.

Rücktritt gefordert

Kritiker bemängeln genau dieses Verhalten der Polizei, sogar der Vorsitzender der Polizeigewerkschaft von NRW (GdP), Michael Mertens, hatte gesagt, man könne sich schon fragen, warum weder Polizei noch Staatsanwaltschaft die Abrissarbeiten begleitet hätten. Der innenpolitische Sprecher der SPD im nordrhein-westfälischen Landtag, Hartmut Ganzke, sagt, er wolle nicht mehr von Ermittlungspannen sprechen, er beschrieb die Ermittlungen als "das reinste Chaos".

NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" sagte Ganzke: Damit die Bevölkerung wieder Vertrauen gewinne, müsse Nordrhein-Westfalens Innenminister, Herbert Reul (CDU), Verantwortung übernehmen und zurücktreten.

Massenhafter Missbrauch

Auf dem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde soll ein Dauercamper mit einem Komplizen über Jahre hinweg mindestens 40 Kinder sexuell missbraucht und dabei auch gefilmt haben.

Lügde - weitere schwere Ermittlungspanne
Philipp Eckstein, NDR
16.04.2019 09:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das ARD Morgenmagazin am 16. April 2019 um 05:43 Uhr.

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Britta von der Heide, NDR

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Barbara Jung | Bildquelle: Johannes Groߟ Logo NDR

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