Waffen und ein sichergestelltes Schild der Neonazi Gruppierung ''Combat 18'' | Bildquelle: picture-alliance / dpa/dpaweb

Stephan E. und der Fall Lübcke Zweifel an Kontakten zu "Combat 18"

Stand: 26.06.2019 13:02 Uhr

Im Mordfall Lübcke prüft der Generalbundesanwalt weiter mögliche Kontakte von Stephan E. zu der Neonazi-Gruppe "Combat 18". Fotos sollten diese belegen, doch mittlerweile gibt es starke Zweifel.

Von Patrick Gensing, ARD-faktenfinder

Die Nachricht hatte für Aufsehen gesorgt: Der mutmaßliche Täter im Fall Walter Lübcke soll noch 2019 an einem konspirativen Treffen von Mitgliedern neonazistischer Organisationen teilgenommen haben. Fotos, die das ARD-Magazin Monitor in Zusammenarbeit mit einem Gutachter ausgewertet hatte, sollten das belegen.

Den Erkenntnissen zufolge nahm Stephan E. am 23. März dieses Jahres an einer konspirativen Veranstaltung im sächsischen Mücka teil, wo er zusammen mit Mitgliedern der neonazistischen Organisation "Combat 18" (deutsch: "Kampftruppe Adolf Hitler" - die Zahlen 1 und 8 stehen für den ersten und achten Buchstaben des Alphabets, A und H) und der Vereinigung "Brigade 8" fotografiert wurde.

Treffen von Neonazis im sächsischen Mücka | Bildquelle: Pixelarchiv/WDR Monitor
galerie

Fotos sollten belegen, dass sich Stephan E. im März mit Neonazis im sächsischen Mücka getroffen hatte.

Monitor hatte vorliegende Fotos von Stephan E. und Aufnahmen aus Mücka von einem renommierten Gutachter analysieren lassen. Er fertigte ein biometrisches Identitätsgutachten an und sprach von "unwiderlegbaren Übereinstimmungen". Die Identität der auf den Fotos abgebildeten Person mit Stephan E. hält das Gutachten für "praktisch erwiesen". An dieser Beurteilung hält der Gutachter bis heute fest. Er sehe "keinen Grund, frühere Aussagen zu revidieren".

Zweites Gutachten widerspricht

"Spiegel TV" berichtete hingegen über Zweifel an der Einschätzung. So hätten zwei Neonazis angegeben, es handele sich bei der Person auf den Fotos aus Mücka nicht um Stephan E., sondern um einen Karsten H. Dieser H. habe sich auch bei der Polizei gemeldet und ausgesagt, er sei auf den Bildern zu sehen gewesen. Zudem bezieht sich "Spiegel TV" auf anonyme Quellen des sächsischen Verfassungsschutzes. Demzufolge gehen die Behörden nicht davon aus, dass es sich bei der Person auf den Bildern um E. handelt.

Monitor legte die Bilder daher einem anderen Sachverständigen vor, der die Fotos ebenfalls analysierte. Das zweite Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass die "Nichtidentität" der abgebildeten Person mit Stephan E. "höchstwahrscheinlich" ist - mit anderen Worten: Es handelt sich der Untersuchung zufolge nicht um Stephan E.

Monitor teilte mit, die Redaktion sehe keinen Anlass, an der Seriosität der beiden Gutachter zu zweifeln, die als Sachverständige für Gerichte und Sicherheitsbehörden tätig sind. Aufgrund der unterschiedlichen Bewertungen sehe sich die Redaktion aber außerstande, eine eindeutige Bewertung vorzunehmen. Die beiden Gutachten hat Monitor veröffentlicht.

Kontakte zu "Combat 18" werden weiter geprüft

Im Innenausschuss des Bundestags soll Generalbundesanwalt Peter Frank mitgeteilt haben, mögliche Kontakte des mutmaßlichen Attentäters zu "Combat 18" seien aber weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Juni 2019 um 07:15 Uhr.

Darstellung: