Eine Altbaufassade in Berlin | Bildquelle: dpa

Sanierungsstau Dubiose Immobilien-Geschäfte

Stand: 22.05.2019 20:17 Uhr

Denkmalgeschützte Häuser in Deutschland werden von einer Immobilienfirma zur Sanierung gekauft. Recherchen von BR, HR und der BBC zeigen aber, dass viele der Gebäude gar nicht saniert werden und verfallen.

Von Linus Freymark, Anna Klühspies, BR und Sascha Mache, HR

60 Objekte besitzt die Dolphin Trust GmbH nach eigenen Angaben in Deutschland. Bei vielen dieser Gebäude stocken die Sanierungsarbeiten oder haben gar nicht erst begonnen. Das verärgert Kommunen, Mieter und Anwohner. Gleichzeitig bangen im Ausland Anleger um ihre Altersvorsorge.

Verfall in Hanau

In mehreren Städten berichten Bürgermeister, dass selbst grundlegende Pflichten teilweise nur nach mehrmaliger Aufforderung oder auch gar nicht erfüllt würden. So kritisieren Mieter in einer Siedlung im hessischen Hanau, dass die Gesellschaft über mehrere Jahre nicht mit den Sanierungsarbeiten begonnen habe.

Dabei hatte diese der Stadt die Sanierung vertraglich zugesichert. Die 13 Häuser erwarb Dolphin 2014 für 6,1 Millionen Euro. Statt zu sanieren, versuchte die damalige Dolphin Capital und heutige German Property Group die Siedlung 2017 für 9,9 Millionen Euro weiterzuverkaufen - trotz des inzwischen fortgeschrittenen Verfalls. Die Stadt Hanau wollte das nicht hinnehmen und versuchte, die Siedlung zurückzukaufen - ohne Erfolg. Seitdem streiten die Stadt und die Gesellschaft vor Gericht.

Luftaufnahme von Hanau. | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Sanierungsstau trotz Wohnungsnot: Die Stadt Hanau befindet sich im Rechtsstreit mit der German Property Group.

Augsburg: Jahrelanges Warten auf Wohnungen

Ähnlich sieht es in Bayern aus: Mitten in der Innenstadt von Augsburg warten Käufer seit Jahren auf die Fertigstellung ihrer Eigentumswohnungen. In der Altstadt von Bamberg verfallen gleich zwei Immobilien. Seit Jahren findet keine sichtbare Sanierung statt. Die Stockaumühle in Reichertshofen ist seit 2013 in Besitz von Dolphin. Auch dieses Objekt wurde nicht wie von der Gesellschaft angekündigt in Wohnungen umgewandelt.

Dolphin selbst spricht von Verzögerungen, die der speziellen Situation auf dem deutschen Baumarkt und bürokratischen Hürden geschuldet seien und kündigt für die Projekte in Augsburg eine Fertigstellung für das Jahr 2020 an.

Ungeheure Rendite-Versprechen

Das Geschäftsmodell von Dolphin sieht vor, so die Eigenwerbung, bei ausländischen Anlegern Geld einzusammeln und davon sanierungsbedürftige, denkmalgeschützte Häuser in Deutschland zu kaufen. In diesen Häusern plane man dann Wohnungen und biete sie zum Kauf an. Sobald der Großteil der Wohnungen verkauft sei, beginne die Sanierung. Zu diesem Zeitpunkt, also schon vor der Fertigstellung, sollten laut Dolphin die ausländischen Anleger ihr Geld zurückbekommen. Und das bei einem ungeheuer hohen Renditeversprechen von bis zu 24 Prozent bei einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren.

In England haben Anleger teilweise ihre komplette Altersvorsorge über private Pensionskassen in Dolphin investiert. Weit über 300 Millionen Euro, so heißt es in einem Video einer britischen Pensionskasse, habe Dolphin bereits weltweit von Anlegern erhalten.

Feuchtigkeitsflecken von einem Wasserschaden sind an der Unterseite eines Balkons an einem Altbau in Berlin | Bildquelle: picture alliance / Wolfram Stein
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Wasserschaden an einem unsanierten Altbau-Balkon (Symbolbild).

Fachanwalt kritisiert undurchsichtiges Investment

Der Münchner Rechtsanwalt Peter Mattil, Experte für Kapitalmarktrecht, ist bei solchen Investitionsmodellen skeptisch. Anleger könnten kaum nachvollziehen, was mit dem Geld passiere. Denn die Investitionen aus dem Ausland flössen nicht direkt zu Dolphin, sondern in eine der vielen Tochterfirmen. Den Anlegern würde in der Regel lediglich die Tochterfirma mitgeteilt, aber nicht, in welchem Immobilienprojekt konkret ihr Geld angelegt würde. Dolphin selbst erklärt auf Anfrage, man kommuniziere investitionsrelevante Umstände gegenüber Investoren.

In Großbritannien warten laut der Recherchen aktuell mehrere Anleger seit Monaten auf die Rückzahlung ihres Investments.

Fast jeder fünfte Anleger betroffen

Eine Anlegerin, die mit dem Bayerischen Rundfunk gesprochen hat, wartet seit Oktober 2018 auf ihr Geld. 16.000 Pfund hat sie investiert, es war ihre einzige Altersvorsorge. Statt Geld hat sie in den letzten Monaten über ihre Rentenkasse lediglich Briefe von Dolphin erhalten, mit dem Versprechen, dass ihr Geld sicher sei und bis spätestens Mitte 2019 da sein sollte.

Dolphin teilt mit, weniger als 20 Prozent der Anleger seien von der Verzögerung betroffen und kündigt eine baldige Rückzahlung an. Die Firma betont, dass Anleger über das Risiko einer verzögerten Auszahlung informiert seien und dass sie für Verzögerungen entschädigt würden.

Fehlende Bilanzen

Doch auch in Asien, wo Dolphin über Jahre hinweg das Anlagemodell angeboten hat, warten Anleger auf die Auszahlung ihrer Investments, teilweise seit fast anderthalb Jahren. Auch dort verspricht Dolphin den Anlegern, dass das Geld bald überwiesen werde. Liquiditätsprobleme habe man ausdrücklich keine.

Interessant ist, dass die Firma seit 2016 keine Bilanzen mehr veröffentlicht. Von Dolphin heißt es, die Verzögerung bei den Renditeausschüttungen habe nichts mit der finanziellen Situation zu tun.

Die Firma bestreitet, ihre Objekte zu Spekulationszwecken erworben zu haben und verweist auf erfolgreich durchgeführte Sanierungen. Tatsächlich hat Dolphin einige Objekte fertiggestellt. Aber viele Objekte verfallen weiter und lassen zumindest nach außen hin keine sichtbare Renovierung erkennen. Es bleibt die Frage, wer von diesem Geschäftsmodell profitiert.

Mehr zu diesem Thema sehen Sie am 22.05.2019 um 21.15 Uhr im Politikmagazin "Kontrovers" im BR Fernsehen und im Hessischen Rundfunk am 27.05.2019 um 20:15 im Politikmagazin "defacto".

Über dieses Thema berichtete das BR Fernsehen am 22.05.2019 um 21:15 Uhr in "Kontrovers".

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