Facebook-Seite der OSS

Umfeld von Stephan E. Kontakte zu rechtsterroristischer Vereinigung

Stand: 19.06.2019 19:32 Uhr

Im Mordfall Lübcke gibt es Hinweise auf Kontakte aus dem Umfeld des Verdächtigen zur zerschlagenen rechtsterroristischen Vereinigung "Old School Society". Das ergaben MDR-Recherchen.

Im Umfeld des mutmaßlichen Mörders des hessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke, Stephan E., gibt es nach Recherchen des MDR-Magazins "exakt" eine Verbindung zur inzwischen zerschlagenen rechtsterroristischen Vereinigung "Old School Society" (OSS).

Stephan E. pflegte über Jahre enge Verbindungen zu mehreren führenden Mitgliedern der gewaltbereiten rechtsextremistischen Szene in Kassel, die über Facebook auch in direktem Kontakt mit einem Gründungsmitglied der "Old School Society" stehen. Dort sind sie mit dem ehemaligen Kasseler OSS-Mitglied, Lukas L., befreundet.

Der Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft, Matthias Quent, zieht eine Verbindungslinie zu den Taten des NSU: "Die Neonazi-Szene in Kassel, die Verbindungen sowohl zur 'Old School Society' als auch zu Stephan E., dem mutmaßlichen Mörder von Walter Lübcke, hat, ist schon seit Jahren für ihre Militanz bekannt. Eine Szene, die sich reproduziert, die ihre Erfahrungen, die ihre Ideologie und die strategischen Überlegungen weitergibt an jüngere Neonazis. Hier ist zu sehen, dass sich neue Generationen im Erbe des NSU radikalisieren."

"Neonazistische Netzwerke auch in Westdeutschland verankert"

Für Quent ist die Diskussion über Rechtsextremismus insgesamt zu sehr auf den Osten Deutschlands fokussiert: "Der Fall Lübcke wirft aber auch Fragen hinsichtlich unserer gesellschaftspolitischen Debatte auf. Denn wir diskutieren Rechtsradikalismus bis Rechtsterrorismus oft als ein ostdeutsches Problem. Und ich habe manchmal den Eindruck, dass sich Westdeutsche von dem Problem freisprechen, indem sie sagen, das ist ein Problem des angeblich braunen Ostens."

Es sei aber zu sehen, dass diese neonazistischen Netzwerke bis hin zum rechten Terror auch in westdeutschen Städten wie Kassel fest verankert seien. "Darüber gibt es aber keine Diskussion, die im Alltag an diesem Problem ansetzen würde", so Quent gegenüber "exakt".

Über dieses Thema berichtete der HR am 18. und 19. Juni 2019 um 19:30 Uhr in der "hessenschau".

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