Zwei ältere Menschen fahren auf Free Crossern. | Bildquelle: dpa

Zukunft der Rente So könnte das Leben im Alter aussehen

Stand: 06.06.2018 16:32 Uhr

Wird es die Rente auch nach 2025 noch geben und wenn ja, wie wird sie finanziert? Eine Rentenkommission soll ein Konzept dazu erarbeiten. Vor allem drei Szenarien zeichnen sich ab.

Von Maiken Nielsen, tagesschau.de

Szenario 1: Längere Lebensarbeitszeit 

Wir befinden uns im Jahr 2030. Die 69-jährige Andrea lässt sich von ihrem selbstfahrenden Elektroauto ins Büro bringen. Endlich ist er da, der lang ersehnte letzte Arbeitstag.

Länger arbeiten, womöglich auch bis 69 - das ist aus Sicht des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft der beste Weg, um die Renten zu finanzieren. Nach Berechnungen des Prognos-Instituts kommen auf den Bundeshaushalt im Jahr 2040 zusätzliche Belastungen bis zu 100 Milliarden Euro zu, wenn die Politik daran festhalte, gleichzeitig das Renteneintrittsalter und die Beitragssätze niedrig halten zu wollen.

Horst Opaschowski lehnt an einem Geländer. | Bildquelle: dpa
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Horst Opaschowski ist wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Zukunftsforschung.

"Die Rentenbezugsdauer hat sich seit den 1960-Jahren von zehn auf 20 Jahre verdoppelt", erklärt Zukunftsforscher Horst Opaschowski im Interview mit tagesschau.de die Notwendigkeit, später in Rente zu gehen. Denn die Lebenserwartung nehme weiter zu. "Jeder Zweite, der heute geboren wird, ist in 100 Jahren noch am Leben. Eine Revolution der Lebenszeit, die es in der gesamten Menschheitsgeschichte noch nicht gegeben hat." Daher laute seine pragmatische Rentenformel zur Verhinderung von Altersarmut: "Später in Rente gehen - doppelt so viele Arbeitsjahre wie Rentenjahre!"

"Bei dem demografischen Wandel führt daran kaum ein Weg vorbei", bestätigte Sozialwissenschaftler Martin Werding im tagesschau24-Interview diese Einschätzung. Menschen leben länger und seien überwiegend länger gesund.

Martin Werding, Sozialwissenschaftler Universität Bochum, zur Entwicklung der Renten
tagesschau24 11:30 Uhr, 05.06.2018

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Szenario 2: Flexibler Eintritt ins Rentenalter

Geld werde aber nicht die einzige Rolle bei den Überlegungen spielen, länger zu arbeiten, prophezeit Opaschowski. Viele werden auch länger arbeiten wollen, weil sie im Alter weiter gebraucht und gefordert werden, also gesellschaftlich wichtig bleiben wollen, so der Zukunftsforscher. Politiker und Ökonomen der neuen Rentenkommission müssten demnach eine soziale Zukunftslösung mit einem individuellen Zeitfenster zwischen 60 und 80 Jahren finden, sagt er.

Arbeiten, bis man 80 ist, wenn man die soziale Interaktion mit den Kollegen und den hohen Lebensstandard genießt und sich zudem guter Gesundheit erfreut - auch so könnte die Zukunft aussehen. Bedingt gehe das heute schon, erklärt Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung im Interview mit tagesschau.de. Das sogenannte Flexirentengesetz, 2016 vom Bundestag beschlossen, macht es möglich.

Voraussetzung für eine längere Arbeitszeit sei aber, dass der Arbeitgeber mitspiele und einen auch in dem hohen Alter noch beschäftige. Die Vorteile dabei: Ab dem Regelrentenalter gelten keine Hinzuverdienstgrenzen mehr. "Wer also die Regelaltersgrenze schon erreicht hat", so von der Heide, "der kann beliebig viel neben der Rente verdienen, ohne dass diese dadurch gemindert wird."

Offen bleibt jedoch die Frage, wie Menschen, die aus gesundheitlichen oder familiären Gründen in den Frühruhestand treten möchten, in Zukunft unterstützt werden können.

"Altersarmut wird in Zukunft auch Beziehungsarmut sein", sagt Opaschowski. Denn immer mehr Menschen leben im hohen Alter allein, können aber immer weniger allein leben. Einsamkeit wird seiner Einschätzung zufolge die soziale Frage des 21. Jahrhunderts sein.

Zwei ältere Menschen sitzen auf einer Bank | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Mittagspause mit der Lieblingskollegin: Auch mit 75 durchaus vorstellbar - vorausgesetzt, der Arbeitgeber ist einverstanden.

Szenario 3: Das Drei-Säulen-Modell Plus

Zurück im Jahr 2030: Die Mittel aus dem Bundeshaushalt reichen hinten und vorne nicht, um die Renten zu finanzieren. Das politisch brisante Thema "späterer Renteneintritt" hat sich kein Politiker anzufassen getraut. Wie gut, dass die meisten privat vorgesorgt haben, und dass es die betriebliche Altersvorsorge gibt.

Eine solche Drittel-Finanzierung schlägt der CDU-Bundestagsabgeordnete Marian Wendt im Interview mit NDR Info vor. "Dass die Menschen also privat vorsorgen, die gesetzliche Vorsorge über die Rentenversicherung haben, aber dass es auch eine betriebliche Altersvorsorge gibt", erklärt er seinen Plan eines Drei-Säulen-Modells.

"Ich halte es für nicht besonders sinnvoll, ausgerechnet in der Zeit der Niedrigzinsphase einen derartigen Systemwechsel in der Alterssicherung vorzuschlagen", hält Rentenversicherungssprecher von der Heide jedoch dagegen. Seiner Ansicht nach werde die gesetzliche Rentenversicherung auch in Zukunft für die meisten Menschen das wichtigste System der Alterssicherung bleiben und den größten Teil zu ihren Alterseinkommen beitragen.

Sozialwissenschaftler Werding zufolge müsste allerdings auch an weiteren Stellschrauben gedreht werden. Dazu gehöre auch die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Juni 2018 um 11:30 Uhr.

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