Wracks der verunglückten Züge von Bad Aibling | Bildquelle: AP

Ermittlungsverfahren gegen Fahrdienstleiter Zugunglück durch menschliches Versagen

Stand: 16.02.2016 14:55 Uhr

Das Zugunglück von Bad Aibling mit elf Toten und mehr als 80 Verletzten geht nach Angaben der Ermittler auf menschliches Versagen zurück. Gegen den Fahrdienstleiter wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft spricht von "einem furchtbaren Einzelversagen".

Eine Woche nach dem schweren Zugunglück bei Bad Aibling mit elf Toten gehen die Ermittler davon aus, dass der Frontalzusammenstoß der Regionalzüge durch menschliches Versagen herbeigeführt wurde. Gegen den zuständigen Fahrdienstleiter sei ein Emittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese bei der Pressekonferenz. Gegen ihn werde wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, der Körperverletzung und des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt.

Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese bei einer Pressekonferenz in Bad Aibling | Bildquelle: dpa
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"Hätte er sich regelgerecht, also pflichtgemäß verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß der Züge gekommen", sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese über den Fahrdienstleiter.

Keine Hinweise auf technisches Versagen

Nach anfänglicher Aussageverweigerung habe sich der 39-jährige Fahrdienstleiter gestern ausführlich zu seinem Vorgehen am Unglückstag geäußert. Sein Verhalten habe nicht dem für seine Aufgabe als Fahrdienstleiter geltenden Regelwerk entsprochen, betonte der Oberstaatsanwalt. "Hätte er sich regelgerecht, also pflichtgemäß verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß der Züge gekommen", sagte Giese. Er fügte hinzu, dass es nach aktuellen Ermittlungsstand keinerlei Anhaltspunkte für ein technisches Versagen der beiden beteiligten Züge oder der Signal- und Bremsanlagen gebe. Es gehe in dem Ermittlungsverfahren um menschliches Versagen mit katastrophalen Folgen - aber nicht um ein vorsätzliches Herbeiführen eines Zusammenstoßes.

Die Ursachen des Zugunglücks von Bad Aibling
tagesthemen 22:15 Uhr, 16.02.2016, Lisa Schurr, BR

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Die beiden Nahverkehrszüge des zwischen Holzkirchen und Rosenheim verkehrenden privat betriebenen Meridians waren Dienstag vergangener Woche bei Bad Aibling frontal zusammengestoßen. Elf Menschen kamen ums Leben, 24 Insassen wurden schwer verletzt und 61 leicht verletzt. Der Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn, der über mehrere Jahre Berufserfahrung verfügt und am Unglückstag seit 5 Uhr morgens im Dienst war, hatte beide Züge zeitgleich auf die eingleisigen Strecke einfahren lassen.

Zwei Notrufe abgesetzt

Der Fahrdienstleiter habe, als er seinen Fehler bemerkt habe, noch zwei Notrufe abgesetzt, erklärten die Ermittler. "Aber die gingen ins Leere", sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz bei der Pressekonferenz." Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen wurde ein Sondersignal gegeben, das nicht hätte gegeben werden dürfen. Es handele sich um ein "furchtbares Einzelversagen".

Es muss nach Angaben der Ermittler noch geklärt werden, wer wann noch die Möglichkeit hatte, das Unglück zu verhindern. Zu diesem Zweck sollen die Abläufe am Unglückstag nachgestellt werden. Die meisten Zeugen, darunter der Großteil der Fahrgäste, seien bereits vernommen worden. Der Fahrdienstleiter sei in Absprache mit seinen Verteidigern an einen sicheren Ort gebracht worden, sagte Oberstaatsanwalt Branz. Er befindet sich den Angaben zufolge aber derzeit nicht in Untersuchungshaft.

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