Zugunglück in Bad Aibling | Bildquelle: AP

Ermittlungen nach Zugunglück in Bad Aibling Rätselraten über die Unglücksursache

Stand: 09.02.2016 17:35 Uhr

Zehn Tote und viele Verletzte - das ist die traurige Bilanz des Zugunglücks von Bad Aibling. Inzwischen rückt die Frage in den Vordergrund, wie es trotz Sicherheitssystem zu der Kollision kommen konnte. Erste Hinweise könnten die Black Boxes geben.

Nach Abschluss der Rettungsarbeiten rückt die Suche nach der Ursache des folgenschweren Zugunglücks bei Bad Aibling in den Vordergrund. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt betonte auf einer Pressekonferenz, dass die eingleisige Strecke zwischen Rosenheim und Holzkirchen mit dem PZB90-System ausgestattet gewesen sei. Dieses soll durch Zwangsbremsungen verhindern, dass Züge eine Strecke befahren, die nicht für sie freigegeben wurde. Das System für den betroffenen Streckenabschnitt wurde nach Angaben der Deutschen Bahn erst vorige Woche ohne Beanstandungen überprüft.

Erste Anhaltspunkte zur Unglücksursache sollten die insgesamt drei Black Boxes der beiden Züge liefern, von denen zwei bereits geborgen worden seien, so Dobrindt.

Zusammenstoß offenbar mit hoher Geschwindigkeit

Das Unglück ereignete sich am Morgen um 6.48 Uhr auf der eingleisigen Strecke zwischen Rosenheim und Holzkirchen. Aus noch ungeklärter Ursache stießen zwei Meridian-Züge der privaten Bayerischen Oberlandbahn, die wiederum zum französischen Transdev-Konzern gehört, frontal zusammen. Die Unglücksstelle liegt in einem schwer zugänglichen Waldstück in einer Kurve, in der Nähe des Klärwerks von Bad Aibling. An der Unglücksstelle können die Züge laut offiziellen Angaben mit etwa 100 Kilometern pro Stunde fahren. Dobrindt erklärte auf einer Pressekonferenz, dass aufgrund des Lagebildes am Unglücksort davon ausgegangen werden müsse, dass beide Züge mit hoher Geschwindigkeit und nahezu ungebremst aufeinanderprallten.

Soweit bekannt, "gab es vorher auf dieser Strecke keine Störungen", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Fahrplanmäßig hätten sich beide Züge offenbar am Bahnhof Kolbermoor treffen sollen. Warum dies nicht geschah und es zur Abweichung von Fahrplan kam, sei noch völlig offen, sagte er auf einer Pressekonferenz in Bad Aibling.

Zehn Tote bei Zugkollision in Oberbayern
tagesschau 20:00 Uhr, 09.02.2016, Eckhart Querner, BR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Mindestens zehn Todesopfer

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd teilte mit, dass die Ermittlungen unter Leitung der Staatsanwaltschaft Traunstein noch am Anfang stünden. Der Leitende Staatsanwalt Wolfgang Giese warnte davor, aus einzelnen Ermittlungsergebnissen voreilig Schlüsse zu ziehen. Es werde sowohl mit Blick auf technische Probleme als auch zu möglichem menschlichen Versagen ermittelt. Mittlerweile sind auch Experten des Eisenbahnbundesamtes vor Ort.

Insgesamt befanden sich Schätzungen zufolge in beiden Zügen etwa 150 Menschen - wegen des Faschingsdienstags und der bayerischen Schulferien deutlich weniger als an anderen Werktagen. Nach derzeitigem Stand kamen mindestens zehn Menschen ums Leben, nach Angaben der Bayerischen Oberlandbahn auch die beiden Lokführer. Die Polizei erklärte dagegen, dass die Identifizierung der Opfer noch nicht abgeschlossen sei. Mehr als 50 Insassen wurden bei dem Unglück schwer und etwa 100 leicht verletzt. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen könnte. Die Polizei schließt nicht aus, dass sich noch weitere Opfer in den Trümmern des Zuges befinden. Eine Person wird demnach noch vermisst.

Die Bergungsarbeiten gestalteten sich überaus schwierig, da auf der einen Seite des Gleises ein Berghang ist, auf der anderen ein Kanal. Viele Verletzte wurden von Hubschraubern mit Seilwinden geborgen und in umliegende Krankenhäuser geflogen. Auch Rettungskräfte aus Österreich waren im Einsatz. Die Behörden riefen die Menschen in der Region auf, Blut zu spenden.

Telefon-Hotlines für Angehörige eingerichtet

Angehörige können sich entweder bei der Bayerischen Oberlandbahn unter der Notrufnummer 0395-43084390 informieren oder die von der Bundespolizei eingerichtete Telefon-Hotline 08031-2000 anrufen.

Darstellung: