NSU-Prozess Zschäpe attackiert erneut Anwalts-Trio

Stand: 26.12.2015 15:24 Uhr

Die Angeklagte im NSU-Prozess, Zschäpe, wirft dreien ihrer Verteidiger bewusste Schädigung vor. Das und weitere Vorwürfe in einem neuen Schreiben der mutmaßlichen Rechtsterroristin könnten es dem Gericht schwerer machen, den NSU-Prozess unverändert fortzusetzen.

Mit einem dreiseitigen handgeschriebenen Brief hat sich die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe bei Gericht erneut über ihre drei Verteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm beschwert. Sie wirft dem Trio vor, ihr bewusst geschadet und ihren Wunsch nach einer Aussage im Münchner NSU-Prozess nicht respektiert zu haben. Heer, Stahl und Sturm wollten sich auf Anfrage nicht zu Zschäpes Schreiben äußern.

Zschäpe beschreibt in dem Brief die Reaktion ihrer drei Anwälte, als sie zum ersten Mal vorschlug, vor Gericht auszusagen und damit ihr jahrelanges Schweigen über die Serie der zehn NSU-Morde und ihr Untergrundleben mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zu brechen. Als Antwort darauf will sie gehört haben: "Sind Sie irre, Frau Zschäpe?" Die drei Verteidiger hätten ihr dann auch mitgeteilt, dass sie "für eine solche Verteidigung [...] nicht zur Verfügung stünden".

Beate Zschäpe | Bildquelle: AP
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Ein neues Schreiben der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe muss vom Landgericht München nun im NSU-Prozess herangezogen werden.

"Abfällige Gesten" der Anwälte bei Aussageverlesung

Als Zschäpe dann vor zwei Wochen tatsächlich ihr Schweigen brach, da hätten Heer, Stahl und Sturm fortwährend nonverbal in aller Öffentlichkeit gezeigt, was sie davon hielten. Zschäpe klagt über "abfällige Gesten", während ihr vierter Pflichtverteidiger Mathias Grasel ihre Aussage verlesen habe. "Dieses Verhalten werte ich als bewusst schädigend", schrieb Zschäpe.

Zschäpes Streit mit Heer, Stahl und Sturm über ihr Aussageverhalten dauert schon mindestens ein halbes Jahr. Über einen erneuten Antrag Zschäpes auf Abberufung der drei Verteidiger hat das Gericht noch nicht entschieden. Auch über ihren Wunsch, stattdessen Grasels Kanzleipartner Hermann Borchert zum weiteren Pflichtverteidiger zu bestellen, gibt es noch keine Entscheidung. In ihrem Schreiben bat Zschäpe die Richter, ihre jetzt nachgereichten Gründe zu berücksichtigen.

Im NSU-Prozess muss sie sich seit Mai 2013 vor Gericht dem Vorwurf stellen, sie sei als Mitglied der "terroristischen Vereinigung NSU" für die zehn Morde mitverantwortlich, die dem NSU zugeschrieben werden. Neun Opfer sollen aus rassistischen Gründen ermordet worden sein, das zehnte Opfer - eine Polizistin - aus Hass auf den Staat. Zschäpe ist die einzige Überlebende des NSU-Trios. In ihrer vor zwei Wochen verlesenen Aussage bestritt Zschäpe jede Beteiligung und schob die Schuld allein ihren toten Freunden Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zu.

Der NSU-Prozess geht planmäßig am 12. Januar weiter.

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