Beate Zschäpe im NSU-Prozess | Bildquelle: AP

NSU-Prozess Zschäpe blockiert ihre Verteidiger

Stand: 09.02.2017 15:32 Uhr

Der Bruch zwischen Beate Zschäpe und einem Teil ihrer Anwälte ist schon lange überdeutlich. Nun verweigerte die mutmaßliche Rechtsterroristin einem Antrag der Pflichtverteidiger die Zustimmung - und schadete sich damit womöglich selbst.

Von Tim Aßmann, BR

Welche Verteidigungsstrategie hat Beate Zschäpe? Zumindest keine einheitliche. Das wurde nun einmal mehr klar, als die Hauptangeklagte ihre drei sogenannten Altverteidiger Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl im Regen stehen ließ, obwohl diese schon seit Tagen versuchen, im Interesse Zschäpes das psychiatrische Gutachten über die Hauptangeklagte infrage zu stellen.

Die Einschätzungen des psychiatrischen Sachverständigen Henning Saß waren für Zschäpe juristisch verheerend ausgefallen. Der Gutachter bezweifelt ihre Angaben, wonach sie von den NSU-Morden immer erst im Nachhinein erfuhr und die Taten eigentlich ablehnte.

Verteidiger versuchen Gutachten zu erschüttern

Zschäpes Verteidiger Heer, Stahl und Sturm wollen nun unbedingt, dass Saß im Prozess seine handschriftlichen Notizen vorlegt, auf deren Basis er zu seinen Schlussfolgerungen über Zschäpe kam. Saß weigert sich bisher und erhält dabei Rückendeckung vom Gericht.

Als die Zschäpe-Anwälte Heer, Stahl und Sturm nun einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht formulieren wollten und dafür um eine Pause baten, verweigerte Zschäpe dem Antrag ihre Zustimmung. Die ist nach geltender Rechtsauffassung aber nötig.

Juristisch schlecht beraten?

Zschäpe ließ ihre drei ungeliebten Verteidiger, Heer, Stahl und Sturm, also auflaufen, obwohl es eigentlich in ihrem Interesse sein müsste, das Gutachten infrage zu stellen. Die Hauptangeklagte berät sich aber nur noch mit ihren zwei weiteren Verteidigern, Hermann Borchert und Mathias Grasel, die den Befangenheitsantrag offenbar für nicht notwendig halten.

Auch ihnen ist es bisher aber nicht gelungen, die Einschätzungen des psychiatrischen Gutachters in Zweifel zu ziehen. Ihrer Mandantin droht, kurz vor Ende der Beweisaufnahme, eine Verurteilung wegen Mittäterschaft an den NSU-Taten.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 09. Februar 2017 um 15:36 Uhr.

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