Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl (v.l.): Die drei Pflichtverteidiger wollen entlassen werden. Abseits spricht der vierte Anwalt, Mathias Grasel mit Beate Zschäpe. | Bildquelle: REUTERS

NSU-Prozess Anwälte wollen schon wieder entlassen werden

Stand: 10.11.2015 12:07 Uhr

Beate Zschäpe will im NSU-Prozess aussagen - drei ihrer vier Verteidiger waren nicht eingeweiht und erfuhren von dem Plan aus den Medien. Nun beantragen sie zum zweiten Mal ihre Entlassung.

Die drei ursprünglichen Pflichtverteidiger von Beate Zschäpe im Münchner NSU-Prozess wollen entlassen werden. "Unsere Verteidigerstellungen sind nur noch Fassade", sagte Anwalt Wolfgang Heer vor dem Oberlandesgericht München. Das Gericht müsse ihn und seine Kollegen Wolfgang Stahl und Anja Sturm von ihren Mandaten entbinden.

Hintergrund sei die von Zschäpes viertem Anwalt Mathias Grasel im Alleingang mit Zschäpe und dem Gericht besprochene Änderung der Strategie. Grasel hatte angekündigt, dass Zschäpe zweieinhalb Jahre nach Beginn des NSU-Prozesses ihr Schweigen brechen und morgen eine Erklärung abgeben werde. Grasel kündigte heute sogar an, dass man auch auf Nachfragen eingehen werde.

Der vierte Anwalt, Mathias Grasel: Kann er morgen wie geplant Zschäpes Aussage verlesen? | Bildquelle: AP
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Der vierte Anwalt, Mathias Grasel: Kann er morgen wie geplant Zschäpes Aussage verlesen?

Anwälte erfuhren von Aussage aus den Medien

Heer und seine beiden Kollegen haben nur durch Medienberichte erfahren, dass Grasel dem Gericht eine Erklärung Zschäpes in Aussicht gestellt hat. Heer kritisierte in diesem Zusammenhang auch Richter Manfred Götzl: Dieser sei bereits am 31. August über eine mögliche Aussage informiert worden. Heer behauptet, dass Götzl ihm auch auf Nachfrage nichts davon gesagt habe und der Richter das Verhältnis zwischen Anwälten und Zschäpe selbst als "irreparabel zerrüttet" ansehe. Eine ordnungsgemäße Verteidigung sei damit nicht mehr möglich.

Antrag der drei Anwälte scheiterte schon im Juli

Grasel war im Sommer nach einem Zerwürfnis zwischen Zschäpe und ihren ersten Pflichtverteidigern vom Gericht hinzubestellt worden. Der Streit zwischen Zschäpe und den drei Anwälten tobt bereits seit Monaten. Sie hatten ihr zum Schweigen in dem Prozess geraten. Zschäpe versuchte bereits mehrfach vergeblich, die drei loszuwerden.

Anja Sturm, Wolfgang Heer and Wolfgang Stahl | Bildquelle: AP
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Die Zschäpe-Anwälte Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl möchten von der Verteidigung entbunden werden.

Aber auch Heer, Stahl und Sturm selbst scheiterten im Juli schon einmal mit einem Antrag, von ihren Pflichtmandaten entbunden zu werden. Das Gericht entschied damals jedoch, sie müssten ihre Aufgabe weiter wahrnehmen: Der Antrag entbehre jeder Substanz und es fehle eine ausreichende Begründung, weshalb das Verhältnis zwischen Anwälten und Zschäpe zerrüttet sei. Würde dem neuerlichen Antrag der Vertreidiger stattgegeben, müsste der ganze Prozess neu aufgerollt werden.

Zschäpe ist in München als Mittäterin an allen rechtsextrem motivierten Verbrechen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) angeklagt. Dem NSU werden unter anderem neun Morde an Migranten und der Mord an einer Polizistin vorgeworfen. Zschäpe, die einzige Überlebende des Trios, steht seit Mai 2013 in München vor Gericht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. November 2015 um 12:00 Uhr.

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