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21.11.2009

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Zivildienst vor dem Aus?
Sozialverbände schlagen Alarm

Steht der Zivildienst vor dem Aus?

Beim Grundwehrdienst heißt es nach dem Beschluss von Schwarz-Gelb ab 2011: gedient wird nur noch sechs Monate. Doch die Verkürzung gilt nicht nur für Bundeswehrrekruten, sondern auch für die Zivildienstleistenden. Doch macht so ein "Schnupperpraktikum" im Sozialbereich überhaupt noch Sinn?

Von Birgit Sagemann, RB, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

"Wer jetzt auf sechs Monate verkürzt, läutet im Grunde genommen den Anfang vom Ende des Zivildienstes ein", sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Unter dem Dach seines Verbandes arbeiten rund 500.000 Menschen, darunter 15.000 Zivildienstleistende. Bislang dauert ihr Dienst neun Monate, das soll sich 2011 ändern: Dann will die Bundesregierung den Wehrdienst auf sechs Monate verkürzen - und da der Zivildienst an diesen gekoppelt ist, heißt es auch für Zivis im Jahr 2011: Nach sechs Monate ist Schluss.

Rettungskräfte am Unfallort (Foto: dpa/dpaweb) [Bildunterschrift: Verkürzter Zivildienst - zu wenig Zeit für die Ausbildung zum Rettungssanitäter? ]
Besonders hart trifft das die Rettungsdienste - es lohne sich dann nicht mehr, Zivis zu Rettungssanitätern auszubilden, so Schneider: "Die Ausbildungszeit der jungen Männer beträgt heute drei Monate - dann kann man sie nur noch drei Monate fahren lassen, das bringt gar nicht mehr." Zivildienst als soziales Schnupperpraktikum, das gehe in vielen Bereichen nicht, so Schneider. In Pflegeheimen und Kindertagesstätten, überall dort wo es darum geht, Beziehungen zu Menschen aufzubauen und ihr Vertrauen zu gewinnen, mache ein sechsmonatiger Einsatz wenig Sinn: Kinder, Behinderte, Demenzkranke bräuchten feste Bezugspersonen über einen längeren Zeitraum.

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Sechs Monate - im sozialen Bereich zu wenig

Und auch andere Verbände schlagen Alarm. Das Deutsche Rote Kreuz sieht den Zivildienst ebenfalls vor dem Aus und warnt vor steigenden Kosten. Arbeit, die bislang von Zivis gemacht wird, zum Beispiel im Rettungsdienst, müsste dann von hauptamtlichen Mitarbeitern übernommen werden. Die Zentralstelle für Kriegsdienstverweigerer sieht solche Befürchtungen als Beleg dafür, dass Zivildienstleistende - anders als vom Gesetzgeber geplant - häufig eben doch reguläre Stellen besetzen: als billiger Ersatz.

Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, spricht auf einer Pressekonferenz in Berlin  (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Kommt mit der Wehrdienstverkürzung das Aus für den Zivildienst? Ulrich Schneider vom Paritätischen Wohlfahrtsverband befürchtet: ja. ]
"Die Zivildienstleistenden gehen ja nicht in Kerntätigkeiten rein", sagt Schneider dazu. "Sie machen ja zum Beispiel keine Pflegetätigkeit, sondern eine begleitende Tätigkeit, wie etwa Vorlesen. Wenn dieses wegfallen würde, dann würde der Sozialstaat nicht zusammenbrechen - aber die Qualität, die menschliche Zuwendung würde erheblich leiden."

Mehr Mittel für das FSJ?

Die Klagen sind nicht neu: Seit Jahren müssen Sozialverbände und Kliniken mit immer weniger Zivildienstleistenden zurechtkommen und kompensieren das zum Teil mit Menschen, die ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr machen: 35.000 sind es zur Zeit bundesweit. Die Zahl der Bewerber ist doppelt so hoch. Freiwilligendienst als Alternative zum Zivildienst, darauf setzt auch Schneider: "Wir werden jetzt auf die Bundesregierung zugehen und mit ihr verstärkt über den Ausbau des freiwilligen sozialen Jahres sprechen."

Allerdings stellt sich die Frage nach der Finanzierung. Mehr Freiwillige kosten auch mehr Geld. Die Wohlfahrtsverbände fordern von der Politik deshalb, das beim Zivildienst eingesparte Geld für das freiwillige soziale Jahr einzusetzen.

Analyse:

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Stand: 03.11.2009 15:54 Uhr

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