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29.05.2012

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Inland
Die Sommerzeit beginnt
Umstellung auf Sommerzeit

Die geklaute Stunde

Sommerzeit [Bildunterschrift: Vergangene Nacht wurden die Uhren von zwei auf drei Uhr umgestellt. ]
Es ist ein viel kritisiertes Ritual: Um zwei Uhr in der Nacht zu Sonntag wurden die Uhren fast in der gesamten EU um eine Stunde vorgestellt. Den Bürgern wird eine Stunde "genommen" und erst am 31. Oktober wird sie "zurückgegeben". Seit 30 Jahren ist diese Regel in Deutschland Gesetz.

Bei der Deutschen Bahn werden nach Konzernangaben am Sonntag 120.000 Uhren in Zügen und an Bahnhöfen umgestellt. Das dauert etwa eine Stunde. Über 50 Nachtzug-Verbindungen sind betroffen, die Fahrgäste müssen dafür aber keinerlei Wartezeit in Kauf nehmen.

Kritik von Medizinern

Bahn Verspätung [Bildunterschrift: Die Bahnhofsuhren wurden durch ein Funksignal umgestellt. ]
Immer wieder pünktlich zur Zeitumstellung melden sich Experten zu Wort, die den Kritikern recht geben. Der Schlafmediziner Steffen Schädlich aus Halle sagt, es mache keinen Sinn, Millionen Menschen jetzt "eine Stunde gen Osten zu transportieren und im Herbst wieder zurück und sie damit dauerhaft aus dem Rhythmus zu bringen". Die Umstellung berge gesundheitliche Risiken, sagt der Frankfurter Mediziner Horst-Werner Korf. Der Regensburger Psychologe Jürgen Zulley fordert deshalb sogar die Abschaffung der Zeitumstellung.

Jeder Zweite hat Schlafprobleme

Die Zeitumstellung macht fast jedem zweiten Bundesbürger zu schaffen, ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage unter 1006 Bürgern im Auftrag der KKH-Allianz. Die meisten bräuchten einige Tage, um wieder in den normalen Schlafrhythmus zu finden und hätten morgens Probleme, aus dem Bett zu kommen. Besonders der Organismus von Babys und Kleinkindern tue sich schwer. Schlafstörungen und Appetitlosigkeit könnten die Folge sein, heißt es bei der Techniker Krankenkasse.

"Eulen" brauchen am längsten

"Die körperlichen Auswirkungen können bis hin zu vegetativen Störungen gehen, also Veränderungen von Puls und Blutdruck", erklärt der Mediziner Korf. Schläfrigkeit und ein eingeschränktes Konzentrationsvermögen treten vor allem beim Chronotyp der "Eulen" - also Langschläfern - auf. Es gebe Untersuchungen, die belegen, dass es am Montag nach der Zeitumstellung vermehrt zu Verkehrsunfällen komme.

Auch ohne Zeitumstellung leidet laut KKH-Allianz etwa jeder dritte Befragte gelegentlich unter Schlafstörungen. Dabei gaben 39 Prozent der Frauen an, abends schlecht einzuschlafen oder nachts häufiger aufzuwachen.

Auf den Mittagsschlaf zu verzichten hilft

Wie in jedem Jahr gibt es Ratschläge, wie man mit dem "Mini-Jetlag" umgehen sollte. Die Techniker Krankenkasse rät, auf Schlafmittel zu verzichten. Der Körper schaffe die Umstellung alleine. Wer ihn unbedingt unterstützen wolle, solle zu Baldrian, Hopfen und Melisse greifen. Nach zwei bis sieben Tagen seien die Anpassungsschwierigkeiten vorbei. "Wer kann, schläft die ersten Tage nach der Zeitumstellung eine Stunde länger als sonst. Und wer sonst immer einen Mittagsschlaf hält, verzichtet am besten eine Woche lang gänzlich auf das Nickerchen." So könne sich der Bio-Rhythmus leichter neu einstellen.

Doch: "Richtig gewöhnen werden wir uns daran nie", sagt der Münchner Chronobiologe Till Roenneberg. Die Sommerzeit sei ein "von oben diktierter Eingriff in unser biologisches Zeitsystem", sagte er der "Zeit".

Energiespareffekt minimal bis negativ

Wozu soll man sich den Stress der Zeitumstellung antun, fragen sich viele. Eingeführt wurde die Sommerzeit in Deutschland 1980 mit dem Ziel, das Tageslicht besser zu nutzen und damit Strom und Heizkosten zu sparen. In den meisten anderen EU-Staaten war die Sommerzeit bereits in den 1970er Jahren eingeführt worden, vor allem infolge der Ölkrise.

Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bringt die Umstellung aber keine spürbare Energieeinsparung. Demnach wird zwar an den hellen Sommerabenden weniger Strom für Licht verbraucht, dafür aber mehr Strom bei abendlichen Freizeitaktivitäten benötigt. Dadurch könne sogar insgesamt mehr Energie verbraucht werden, da der Anteil des Lichts am Stromverbrauch der rund 40 Millionen deutschen Haushalte durchschnittlich nur rund acht Prozent ausmache. Durch den verstärkten Einsatz von Energiesparlampen im Haushalt sinke der ohnehin geringe Lichtspareffekt weiter.

Noch nie Pannen bei der Zeitumstellung

Was den technischen Aspekt betrifft, so ist die Zeitumstellung reine Routine. Taktgeber für die Zeitumstellung ist die Atomuhr der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB): Über einen Sender werden die Signale übertragen, durch die sich die Funkuhren automatisch an die Zeitumstellung anpassen. "In all den Jahren ist noch nie etwas schiefgegangen", sagt Jens Simon von der PTB. Die Bundesanstalt mit Sitz in Braunschweig ist unter anderem für die gesetzliche Zeit in Deutschland zuständig. Wer jedoch keine Funkuhr hat, muss selber daran denken, die Zeit umzustellen.

Eine Stunde vor oder zurück?

Auch wenn die Zeitumstellung technisch gesehen Routine ist, bleibt das menschliche Problem der Schlafstörungen und die ewige Frage: "Werden die Uhren nun eine Stunde vor oder zurück gestellt?" Manchen hilft die Eselsbrücke: Im Sommer treibt man die Kühe vor den Stall, im Herbst zurück.

Stand: 25.03.2012 04:23 Uhr
 

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