Mann stellt an einer Uhr. | Bildquelle: dpa

Gutachten zur Zeitumstellung Schlägt der Sommerzeit letzte Stunde?

Stand: 17.03.2016 16:24 Uhr

Am 27. März beginnt wieder die Sommerzeit, die Uhren werden eine Stunde vorgestellt. Obwohl viele Deutsche die Zeitumstellung ablehnen, gibt es sie noch immer. Doch ein neuer Bericht für den Bundestag macht den Gegnern Hoffnung.

Von Mathias Zahn, ARD-Hauptstadtstudio

200 Seiten dick ist der Bericht. Er fasst die aktuelle Forschung zusammen. Ralph Lenkert von der Linksfraktion hat sich durchgearbeitet: Sein Fazit: "Keiner braucht die Zeitumstellung, keiner will sie. Aber weil sie da ist, ist sie da."

Besonders interessant ist der Bericht im Teil zur Gesundheit. Die Wissenschaftler des Bundestags kommen zu dem Schluss: Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen sind nicht nur gefühlt. Es gibt mehr und mehr Anhaltspunkte dafür, dass Menschen tatsächlich Probleme mit ihrem Bio-Rhythmus bekommen. Vor allem wenn eine Stunde verloren geht, so wie jetzt wieder im Frühjahr:

"Bis zu einer Woche, manche Personen brauchen sogar bis zu vier Wochen, um wieder in ihren normalen Rhythmus zu finden. Unnormaler Rhythmus heißt Schlafstörungen. Schlafstörungen bedeuten: Schlechtere Arbeitsleistungen, schlechtere Lernleistungen und gleichzeitig natürlich auch ein erhöhtes Risiko von Unfällen."

Langschläfer trifft's besonders hart

Am häufigsten leiden Menschen, die morgens lange schlafen und abends bis in die Puppen aufbleiben. Manche kommen sogar auf Dauer durcheinander. Ob die Zeitumstellung auch schwere Krankheiten wie Herzinfarkte begünstigt, ist umstritten. Einige Studien sagen ja, andere nein. Lenkert findet das beunruhigend:

"Wir wissen viel zu wenig über die Auswirkungen von Zeitumstellung. Vielleicht kann man das Ganze auch in Verbindung bringen mit Jet-Lag, Reisekrankheiten, Dienstreisen und so weiter, wo es ja ähnliche Effekte gibt, und kann in diesem Zusammenhang auch die Forschung ausweiten, wie sich veränderte Tagesrhythmen auf die Gesundheit auswirken. Das sind alles Fragen, bei denen der Bericht zeigt, dass wir nichts wissen."

Zeitumstellung | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Am Sonntag, den 27. März, ist die Nacht wieder eine Stunde kürzer, denn die Uhren werden von 2.00 auf 3.00 Uhr vorgestellt.

Wie die Zeitumstellung abschaffen?

Auf vielen Seiten bestätigt der Bericht aber auch Altbekanntes: dass die Sommerzeit keine Energieeinsparung bringt und dass die Wirtschaft keine nennenswerten Kosten durch die Zeitumstellung hat.

Trotzdem sollte man die 200 Seiten nicht unterschätzen. Politik braucht es oft erst schwarz auf weiß, bis etwas in die Gänge kommt. Und nicht zuletzt nennt der Bericht auch Wege, wie man zu einer Abschaffung der Zeitumstellung kommen könnte, sagt Lenkert:

"Wenn der Bundestag die Bundesregierung beauftragt, Brüssel mitzuteilen, dass die Bundesrepublik Deutschland zukünftig keine Zeitumstellung mehr haben möchte, sondern eine feste Zeit über das ganze Jahr, dann kann die EU-Kommission tätig werden und die anderen 27 Mitgliedsstaaten fragen, wie sie dazu stehen."

Sommerzeit das ganze Jahr

Ralph Lenkert
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Hofft, dass die Sommerzeit für immer bleibt: Ralph Lenkert von der Linkspartei.

Lenkert hätte die Sommerzeit am liebsten das ganze Jahr. Andere Abgeordnete wollen lieber die Normalzeit behalten - wie wir sie im Winter haben. Die Chancen auf eine Bundestagsinitiative scheinen gut zu stehen. Die  meisten Abgeordneten sind genervt von der Zeitumstellung, meint Lenkert - er auch:

"Ich selbst hasse die Zeitumstellung, insbesondere im Frühjahr. Und meine Familie ebenfalls. Also es gibt da auch ein ganz persönliches, menschliches Interesse, da vielleicht doch mal eine Änderung hinzukriegen."

Bundestagsgutachten zu Zeitumstellung
M. Zahn, ARD Berlin
17.03.2016 10:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete SWR aktuell am 17. März 2016 um 12:45 Uhr

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