Deniz Yücel | Bildquelle: dpa

Inhaftierter Journalist Deutsche Botschaft darf mit Yücel reden

Stand: 03.04.2017 11:51 Uhr

Erstmals seit der Festnahme des "Welt"-Korrespondenten Denis Yücel sollen Mitarbeiter der Deutschen Botschaft Zugang zu dem Inhaftierten bekommen. Das Auswärtige Amt teilte mit, ein Treffen sei für morgen geplant. Yücel wurde vor fast sieben Wochen festgenommen.

Mehrere Wochen nach der umstrittenen Festnahme des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel in Istanbul bekommt die deutsche Botschaft erstmals Zugang zu dem Inhaftierten. Außenminister Sigmar Gabriel sei offiziell bestätigt worden, "dass wir morgen endlich Zugang zu Deniz Yücel erhalten werden", teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes mit.

Nach Informationen der Agentur dpa wird der deutsche Generalkonsul in Istanbul, Georg Birgelen, Yücel besuchen. Unklar ist, ob es bei einem einmaligen Treffen bleibt. Das werde sich finden, sagte Außenamtssprecher Sebastian Fischer. Der Zugang sei auf jeden Fall "ein Schritt nach vorn". Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim hatte nach Angaben des Auswärtigen Amts bereits Anfang März der Bundesregierung zugesagt, dass deutsche Botschaftsmitarbeiter Zugang zu Yücel erhalten.

Demonstranten fordern die Freilassung von Deniz Yücel. | Bildquelle: dpa
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"Free Deniz" fordern Demonstranten seit Wochen - wie hier in Berlin.

Gabriel hatte am Wochenende erneut Kritik an der Untersuchungshaft geäußert. "Der Umgang ist rechtsstaatlich und politisch inakzeptabel", sagte er dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Man muss ja fast annehmen, dass Yücel der türkischen Führung als politischer Spielball in einem schmutzigen Wahlkampf dient". Das stehe sicher nicht im Einklang mit europäischen Werten.

U-Haft wegen "Terrorpropaganda" und "Volksverhetzung"

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Journalisten mehrfach als "Spion" der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und als "Terroristen" bezeichnet. Yücel hatte sich am 14. Februar der Polizei in Istanbul zur Befragung gestellt und war daraufhin in Gewahrsam genommen worden. Zwei Wochen später ordnete ein Haftrichter an, den deutsch-türkischen Journalisten wegen "Terrorpropaganda" und "Volksverhetzung" in U-Haft zu nehmen. Er wurde ins Gefängnis Silivri bei Istanbul verlegt. Gemäß geltendem Recht kann diese bis zu fünf Jahren dauern.

Die Entscheidung stieß in Deutschland auf scharfe Kritik, auch die Bundesregierung schaltete sich ein. Sie sieht für diese Vorwürfe keine Anhaltspunkte. Yücel, der die deutsche und die türkische Staatsbürgerschaft besitzt, arbeitete bis zu seiner Inhaftierung als Korrespondent für die Zeitung "Die Welt".

Endlich: konsularischer Beistand für Deniz Yücel
A. Müller, ARD Berlin
03.04.2017 13:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. April 2017 u.a. um 12:00 Uhr.

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