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Am 25.12. hält der Bundespräsident traditionell seine Weihnachtsansprache an das deutsche Volk. Das wird auch in diesem Jahr so sein, doch diesmal braucht Amtsinhaber Wulff besonders gute Redenschreiber. Fest steht bereits: Zu den jüngsten Vorwürfen wird sich Wulff nicht äußern. Dabei gäbe es viele andere Themen, die er lieber vermeiden sollte.
Von Kerstin Lohse, rbb-Hörfunkkorrespondentin ARD-Hauptstadtstudio
"Fröhliche Weihnachten, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger" - so begann Bundespräsident Christian Wulff im vergangenen Jahr seine Weihnachtsansprache. Und soweit dürfte das Redeskript wohl auch in diesem Jahr unstrittig sein. Der Privatkredit, die Urlaube bei befreundeten Unternehmerfamilien und die von Carsten Maschmeyer finanzierte Werbekampagne für Wulffs Buch "Besser die Wahrheit" werden es Wulffs Redenschreibern dagegen schwer gemacht haben, ein Thema zu finden.
Zu viele Tabus, zu viele Fettnäpfchen gilt es zu meiden. So dürfte es den Fernsehzuschauern bitter aufstoßen, sollte Wulff am ersten Weihnachtstag ausgerechnet die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in dieser Republik ansprechen, die Politikverdrossenheit der Bürger oder die Gier der Manager. Bei all diesen Themen hat Wulff in den vergangenen Tagen seinen Kredit als integerer Impulsgeber verspielt.
Könnte er also mal wieder laut über eines seiner Lieblingsthemen nachdenken: Die Integration von Muslimen in Deutschland? Seinen Traum von der bunten Republik hatte der Bundespräsident ja bereits in seiner ersten großen Rede im Oktober 2010 formuliert, wenig später in Ankara vor dem türkischen Parlament bekräftigt. Und auch im Juni sprach er beim Evangelischen Kirchentag in Dresden über die zweite deutsche Einheit, die unter seinem Schirm wachsen solle: "Die Zukunft, davon bin ich felsenfest überzeugt, gehört den Nationen, die offen sind für kulturelle Vielfalt."
[Bildunterschrift: "Der Islam gehört zu Deutschland" - mit diesem Thema machte Wulff schon einmal von sich reden. ]
Zu Weihnachten also noch einmal an den Integrationswillen der Bürger appellieren? Besser nicht. Zu viel hat Wulff in den vergangenen Monaten angekündigt, zu wenig davon umgesetzt. In dieser Frage muss der Präsident erst mal liefern, bevor er wieder das Wort ergreift.
Die Finanzkrise und die Machtlosigkeit der Politik ist ein Thema, das Wulff schon einmal Fan-Post garantierte. Doch passt das in eine Weihnachtsansprache? Und hat Wulff dazu im August vor der Finanzwelt nicht bereits das Nötige gesagt? "Politik muss ihre Handlungsfähigkeit zurück gewinnen. Sie muss sich endlich davon lösen, hektisch auf jeden Kursrutsch an der Börse zu reagieren. Sie muss sich nicht abhängig fühlen und darf sich nicht am Nasenring durch die Manege führen lassen", so der Bundespräsident.
Rechtsextremismus, das ist ein Thema, mit dem Wulff von sich reden machen könnte. Kürzlich hatte der Bundespräsident in kleiner Runde die Angehörigen der Opfer des Zwickauer Neonazi-Trios zu sich eingeladen. Eine Geste, die allseits Beachtung fand. Er war es, der dem Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat im November versprach: "Unser Land ist Ihr Land. Und es steht in dieser schweren Zeit an Ihrer Seite. Wir Deutschen müssen aus den Schrecken der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft Lehren gezogen haben, dass wir niemals mehr gleichgültig sein dürfen gegenüber Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Dem müssen und werden wir jetzt in diesen Tagen gerecht werden. Darauf können Sie sich verlassen."
Mancher hatte gehofft, Wulff werde ein Thema gleich zu Beginn abräumen: sein Schweigen in eigener Sache nämlich. Denn nur wenn er endlich zu den Vorwürfen Stellung nimmt, statt Anwälte für sich sprechen zu lassen, kann er dazu beitragen, dass die Debatte zur Ruhe kommt. Dass er diese Chance versäumt, könnte das einzige sein, was von dieser Rede in Erinnerung bleibt.
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