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Christian Wulff wollte Klarheit schaffen, doch einen Tag nach dem Interview in ARD und ZDF widerspricht die "Bild-Zeitung seinen Darstellungen. Der stellvertretende "Bild"-Chefredakteur und Leiter des Hauptstadtbüros, Nikolaus Blome, sagte im Deutschlandfunk, "den Satz von Herrn Bundespräsident Wulff, 'ich wollte die Berichterstattung nicht verhindern', das haben wir damals deutlich anders wahrgenommen."
"Bild" kündigte inzwischen an, den Wortlaut der Mailbox-Nachricht veröffentlichen zu wollen, "um Missverständnisse auszuräumen". Chefredakteur Kai Diekmann schrieb deshalb einen Brief an Wulff und bat diesen um sein Einverständnis.
Wulff hatte im TV-Interview auf die Frage nach seinem Anruf bei Diekmann gesagt, er habe darum gebeten, den Artikel über seine Hausfinanzierung um einen Tag zu verschieben, bis er von seiner Reise durch die Golf-Staaten zurückgekehrt sei. Blome stellte aber klar: "Es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden."
Wulff räumte im Interview, das knapp 11,5 Millionen Zuschauer verfolgten, ein, der Drohanruf bei Diekmann sei ein schwerer Fehler gewesen. Dieser tue ihm leid und er habe sich für ihn entschuldigt. Diese Entschuldigung sei auch angenommen worden. Er habe sich ausdrücklich zur Presse- und Meinungsfreiheit bekannt, sich in dem Moment aber eher als Opfer gesehen. Er bat darum, sein Vorgehen menschlich zu verstehen - auch vor dem Hintergrund der Belastungen seiner Familie, für die er eine Schutzfunktion habe.
Inzwischen veröffentlichten Wulffs Anwälte - wie von ihm während des Interviews angekündigt - online eine "zusammenfassende Stellungnahme" zu den mehr als 400 Medienanfragen in der Kreditaffäre. Weder der umstrittene Privatkredit noch die diversen Urlaubsreisen stünden mit den Amtspflichten Wulffs als Ministerpräsident von Niedersachsen in Zusammenhang, heißt es darin. Auch für steuerrechtliche Verstöße gebe es keine Anhaltspunkte.
Wulff hatte im Interview den Vorwurf zurückgewiesen, er informiere die Öffentlichkeit nur per Salami-Taktik. Die vielen Anfragen von Journalisten seien von seinen Anwälten umfassend, nach bestem Wissen und Gewissen, beantwortet worden. Da sie scheibchenweise hereingekommen seien, könnten sie auch nur scheibchenweise beantwortet werden.
Zugleich betonte Wulff, er wolle nicht Präsident in einem Land sein, in dem man sich kein Geld von Freunden leihen könne. Mit Blick auf das Darlehen der BW-Bank sagte er, es handele sich um normale und übliche Konditionen. Das gesamte Risiko der Zinsentwicklung liege bei ihm. Er habe keine Vorteile genossen, es handele sich um ein Angebot wie für andere auch.
Der Bundespräsident sagte weiter, er könne bei seinen Urlauben bei befreundeten Unternehmern ausdrücklich keinen Verstoß gegen das niedersächsische Ministergesetz erkennen. Die Personen seien auch Schulfreunde. Wenn alle Politiker ab sofort nicht mehr bei Freunden übernachten dürften oder eine Rechnung für Nächte im Gästezimmer ausstellen müssten, dann würde sich die Republik nicht zum Guten verändern, sagte Wulff weiter.
Wulff betonte, er wisse, nichts Unrechtes getan zu haben. Er nehme seine Verantwortung als Bundespräsident gerne wahr und übe sein Amt mit Freude aus. Er habe aber einen Lernprozess durchmachen müssen. Der Wechsel vom Amt des Ministerpräsidenten in Niedersachsen zum Staatsoberhaupt sei sehr schnell gegangen.
Mit Blick auf seine frühere Kritik unter anderem an Ex-Bundespräsident Johannes Rau sagte Wulff, man werde lebensklüger und demütiger. Man müsse vor sich selbst immer wieder Rechenschaft ablegen. Das Amt des Bundespräsidenten sei schwieriger geworden. Er sei fest davon überzeugt, dass er das Amt durch eine Reihe von Aktivitäten wieder gestärkt habe, sagte Wulff.
Der Deutsche Journalisten-Verband kritisierte das exklusive Interview von ARD und ZDF. Von der Einflussnahme Wulffs auf die Berichterstattung sei nach jetzigem Kenntnisstand ausschließlich die Tagespresse betroffen gewesen, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken - der Präsident solle sich den Fragen aller Journalisten der Hauptstadtmedien stellen. Nur so könne er glaubhaft den Dissens zwischen seinen öffentlichen Bekenntnissen zur Pressefreiheit und seinen Interventionen gegen unliebsame Berichterstattung aufklären, sagte Konken weiter.
Auch die RTL-Mediengruppe, die ProSiebenSat.1-Gruppe und der Nachrichtensender N24 wandten sich in einer gemeinsamen Protestnote beim Bundespräsidialamt "gegen diese Ungleichbehandlung". Die Grundlagen des dualen Fernsehsystems verpflichteten auch private Rundfunkstationen zu einer umfassenden politischen Berichterstattung. "Diesem Informationsauftrag können wir durch Ihre heutige Entscheidung nicht gerecht werden", hieß es.
Der stellvertretende Chefredakteur Fernsehen im ARD-Hauptstadtstudio, Rainald Becker, sagte in der Tagesschau, es bestehe durchaus die Gefahr, dass sich Wulff den Missmut anderer Medien zuziehe. Dies sei aber eine Entscheidung des Bundespräsidenten und seiner Berater. "Und er will keine weitere Erklärung abgeben", sagte Becker weiter.

Bundespräsident Wulff hat im Interview mit ARD und ZDF einen Rücktritt abgelehnt und seine umstrittenen Kredite und Urlaubsreisen verteidigt. Gleichzeitig räumte er Fehler ein, vor allem seine Drohanrufe bei der "Bild". Was meinen Sie: War Wulff in dem Gespräch überzeugend?
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