Christian Wulff

Bericht über empörten Anruf bei "Bild"-Chefredakteur Wulff schweigt, Diekmann spricht

Stand: 02.01.2012 19:25 Uhr

In der Affäre um seinen Hauskauf-Kredit gerät Bundespräsident Christian Wulff immer mehr unter Druck. Doch zu den neuen Vorwürfen gegen ihn, er habe mit einem Drohanruf bei "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann die Berichterstattung verhindern wollen, mag er nicht Stellung nehmen. "Über Vieraugengespräche und Telefonate gibt der Bundespräsident grundsätzlich keine Auskunft", teilte das Bundespräsidialamt mit.

Eine Sprecherin betonte zugleich, dass die Presse- und Rundfunkfreiheit für den Bundespräsidenten "ein hohes Gut" sei. Wulff habe deshalb zu den Krediten für sein Eigenheim und zu Urlaubsaufenthalten "Transparenz hergestellt, Erklärungen abgegeben und mehrere hundert Medienanfragen beantwortet".

Angeblich mit Strafantrag gedroht

Die "Bild"-Zeitung bestätigte unterdessen Zeitungsberichte, wonach Wulff am 12. Dezember bei Diekmann anrief. Zuvor habe das Blatt eine Stellungnahme zur anstehenden Veröffentlichung über den umstrittenen Privatkredit erbeten. Wulff reiste zu diesem Zeitpunkt durch die Golfstaaten, Diekmann war laut "SZ" in New York.

Als Wulff den Chefredakteur nicht erreicht habe, habe er ihm "eine längere Nachricht" auf der Handy-Mailbox hinterlassen. Darin habe er sich empört über die Recherchen zu dem Hauskredit gezeigt - und mit strafrechtlichen Konsequenzen für den verantwortlichen "Bild"-Redakteur gedroht.

Zwei Tage nach der ersten "Bild"-Veröffentlichung zu dem Privatkredit habe Wulff in einem zweiten Telefonat mit Diekmann persönlich um Entschuldigung für Ton und Inhalt seiner Nachricht gebeten, schreibt das Blatt weiter. Daraufhin habe die "Bild"-Zeitung darauf verzichtet, über die Anrufe zu berichten - nicht aber auf weitere Recherchen.

WDR2-Interview mit Ex-Spiegel Chef Stefan Aust zu Wulffs Anruf bei BILD
K. Hermes, WDR 2 Zwischen Rhein und Weser
02.01.2012 19:38 Uhr

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Auch bei Springer-Chef Döpfner angerufen

Auch den Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, habe Wulff kontaktiert, sagte ein Sprecher des Konzerns der Nachrichtenagentur dapd. Er bestätigte damit einen Bericht von "Spiegel Online".

Wulff bat Döpfner demnach, bei Diekmann Einfluss zu nehmen, damit der Artikel nicht erscheine. Der Konzernchef habe das allerdings abgelehnt.

Laut "Cicero Online" versuchte Wulff auch, über die Springer-Mehrheitaktionärin Friede Springer eine Berichterstattung zu verhindern. Wie die Telefonate mit Diekmann und Döpfnner habe aber auch dieser Anruf nichts gebracht. Die Witwe des Verlagsgründers habe betont, dass sie keinen Einfluss auf ihre Chefredakteure nehme.

Sprach Wulff über "Krieg führen"?

Zuvor hatte bereits die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet, Wulff habe im ersten Anruf im Falle einer Veröffentlichung einen "endgültigen Bruch" mit dem Springer-Verlag angedroht. Nach "SZ"-Informationen gab es die Formulierung "Krieg führen".

Wie die "SZ" weiter schreibt, wusste Wulff, dass Medien seit Monaten Hinweisen auf die Finanzierung des Einfamilienhauses in Großburgwedel bei Hannover nachgingen. Immerhin habe es einen Rechtsstreit durch alle Instanzen zur Einsicht für Journalisten ins entsprechende Blatt des Grundbuchamts gegeben.

Kritik vom Journalistenverband

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) kritisierte Wulffs Vorgehen. "Wenn sich die Vorwürfe als richtig erweisen, ist das nicht akzeptabel", sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner der Nachrichtenagentur dapd. Der Bundespräsident müsse sich "als Staatsoberhaupt wie kein anderer Politiker um die Freiheit der Presse bemühen". Die versuchte Einflussnahme habe deshalb eine "besondere Dimension".

SPD fordert weitere persönliche Erklärung Wulffs

Auch aus der SPD kamen kritische Stimmen. Fraktionsvize Hubertus Heil forderte eine neue persönliche Erklärung Wulffs. Grundsätzlich wäre es unwürdig, wenn ein Staatsoberhaupt versuchte, kritische Berichterstattung zu unterbinden. SPD-Vizechefin Aydan Özoguz urteilte im "Hamburger Abendblatt", dass Wulff nicht sofort reinen Tisch gemacht hat, schade der ganzen politischen Klasse. Sie wolle aber, dass Wulff "als glaubwürdiger Bundespräsident im Amt bleiben kann".

Die Vize-Vorsitzende der FDP, Birgit Homburger, sagte der "Rheinischen Post", sie sehe keinen Grund, die Debatte fortzusetzen.

Rätselraten über Verbindung zur BW-Bank

Wulff war unterdessen wegen der Finanzierung seines Eigenheims auch über die Feiertage nicht aus den Schlagzeilen herausgekommen. Neben den Unklarheiten über die Abläufe der Kreditvergabe tauchten zuletzt Spekulationen über die Verbindung Wulffs zur BW-Bank auf, die den Geerkens-Kredit ablöste.

Wulff und die Bank wiesen einen "Spiegel"-Bericht zurück, wonach es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen dem Privatkredit und dem Einstieg von VW (Wolfsburg) bei Porsche (Stuttgart) gegeben habe. Das Magazin schlussfolgerte, Wulff habe die guten Konditionen von der BW-Bank als "Dankeschön" dafür erhalten, dass er 2009 als niedersächsischer Ministerpräsident gemeinsam mit VW die Nobelmarke Porsche gerettet - und damit auch der Bank geholfen habe. Banksprecher Manfred Rube bezeichnete dies als "absoluten Blödsinn".

Was war mit der Umwandlung des Kredits?

Weiterhin im Blickfeld steht der Ablauf der Kreditumwandlung Wulffs mit der BW-Bank. Nach Angaben des Finanzinstituts wandelte Wulff seinen Kredit erst kurz vor Weihnachten vertraglich in ein langfristiges Darlehen um. Zu diesem Zeitpunkt sorgten seine angeblich besonders günstigen Kreditkonditionen bei der Bank bereits für Wirbel.

Die BW-Bank gehört zur Landesbank Baden-Württemberg, die in Staatsbesitz ist. Wie bekannt wurde, gewährte die Bank Wulff einen Kredit, bei dem die Zinsen zunächst lediglich bei 0,9 bis 2,1 Prozent lagen. Damit wären die Zinsen um die Hälfte niedriger als bei der Immobilienfinanzierung anderer Kunden. Gegen die Verantwortlichen des Instituts gingen inzwischen zwei Anzeigen ein wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit der Kreditvergabe an Wulff.

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