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29.05.2012

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Wulff soll "Bild"-Chef Diekmann gedroht haben
Kredit-Bericht: Wulff soll "Bild"-Chef gedroht haben
Hauskredit-Bericht

Wulff soll "Bild"-Chef Diekmann gedroht haben

In der Affäre um seinen Hauskauf-Kredit gerät Bundespräsident Christian Wulff immer mehr unter Druck. Doch zu den neuen Vorwürfen gegen ihn, er habe mit einem Drohanruf die Berichterstattung verhindern wollen, mag er nicht Stellung nehmen. "Über Vieraugengespräche und Telefonate gibt der Bundespräsident grundsätzlich keine Auskunft", teilte das Bundespräsidialamt mit.

Eine Sprecherin betonte zugleich, dass die Presse- und Rundfunkfreiheit für den Bundespräsidenten "ein hohes Gut" sei. Wulff habe deshalb zu den Krediten für sein Eigenheim und zu Urlaubsaufenthalten "Transparenz hergestellt, Erklärungen abgegeben und mehrere hundert Medienanfragen beantwortet".

Angeblich mit Strafantrag gedroht

Presseberichten zufolge soll Wulff versucht haben, die Berichterstattung über den umstrittenen Kredit zu verhindern. Wie die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") schreibt, drohte er Journalisten der "Bild"-Zeitung mit einem Strafantrag, falls diese "unglaubliche" Geschichte erscheine.

Zuvor hatte bereits die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet, der Bundespräsident habe "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann am 12. Dezember auf die Mailbox gesprochen: Im Falle einer Veröffentlichung gebe es den "endgültigen Bruch" mit dem Springer-Verlag.

Sprach Wulff über "Krieg führen"?

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Nach "SZ"-Informationen rief der Bundespräsident Diekmann während seiner Reise durch die Golf-Staaten aus Kuwait an, erreichte den Chefredakteur aber nicht, weil dieser - unter anderem mit Außenminister Guido Westerwelle - in New York war.

Wulff habe um ein Gespräch mit Diekmann gebeten. Dabei sei auch die Formulierung "Krieg führen" gefallen, hieß es weiter. Dies war einen Tag bevor "Bild" den ersten Bericht zur umstrittenen Hauskauf-Finanzierung durch das befreundete Unternehmer-Ehepaar Geerkens veröffentlichte. Offiziell äußerte sich der Springer-Verlag bislang nicht zu diesen Vorgängen.

Bericht über zweiten Anruf - und einen bei Springer-Chef Döpfner

Laut "SZ" soll Wulff in einem weiteren Anruf bei Diekmann seine früheren Äußerungen bedauert haben. "Spiegel Online" berichtet, Wulff habe auch den Chef des Springer-Verlages, Mathias Döpfner, angerufen, damit dieser auf Diekmann einwirke. Das habe Döpfner aber abgelehnt.

Wie die "SZ" weiter schreibt, wusste Wulff, dass Medien seit Monaten Hinweisen auf die Finanzierung des Einfamilienhauses in Großburgwedel bei Hannover nachgingen. Immerhin habe es einen Rechtsstreit durch alle Instanzen zur Einsicht für Journalisten ins entsprechende Blatt des Grundbuchamts gegeben.

Kritik vom Journalistenverband

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) kritisierte Wulffs Vorgehen. "Wenn sich die Vorwürfe als richtig erweisen, ist das nicht akzeptabel", sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner der Nachrichtenagentur dapd. Der Bundespräsident müsse sich "als Staatsoberhaupt wie kein anderer Politiker um die Freiheit der Presse bemühen". Die versuchte Einflussnahme habe deshalb eine "besondere Dimension".

Rätselraten über Verbindung zur BW-Bank

Wulff kam wegen der Finanzierung seines Eigenheims auch über die Feiertage nicht aus den Schlagzeilen heraus. Neben den Unklarheiten über die Abläufe der Kreditvergabe tauchten zuletzt Spekulationen über die Verbindung Wulffs zur BW-Bank auf, die den Geerkens-Kredit ablöste.

Wulff und die Bank wiesen einen "Spiegel"-Bericht zurück, wonach es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen dem Privatkredit und dem Einstieg von VW (Wolfsburg) bei Porsche (Stuttgart) gegeben habe. Das Magazin schlussfolgerte, Wulff habe die guten Konditionen von der BW-Bank als "Dankeschön" dafür erhalten, dass er 2009 als niedersächsischer Ministerpräsident gemeinsam mit VW die Nobelmarke Porsche gerettet - und damit auch der Bank geholfen habe. Banksprecher Manfred Rube bezeichnete dies als "absoluten Blödsinn".

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Wulff (Foto: picture alliance / dpa)
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Weiterhin im Blickfeld steht der Ablauf der Kreditumwandlung Wulffs mit der BW-Bank. Nach Angaben des Finanzinstituts wandelte Wulff seinen Kredit erst kurz vor Weihnachten vertraglich in ein langfristiges Darlehen um. Zu diesem Zeitpunkt sorgten seine angeblich besonders günstigen Kreditkonditionen bei der Bank bereits für Wirbel.

Die BW-Bank gehört zur Landesbank Baden-Württemberg, die wiederum in Staatsbesitz ist. Wie bekannt wurde, gewährte die Bank Wulff einen Kredit, bei dem die Zinsen zunächst lediglich bei 0,9 bis 2,1 Prozent lagen. Damit wären die Zinsen um die Hälfte niedriger als bei der Immobilienfinanzierung anderer Kunden. Gegen die Verantwortlichen des Instituts gingen inzwischen zwei Anzeigen ein wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit der Kreditvergabe an Wulff.

Stand: 02.01.2012 13:39 Uhr
 

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