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Mann ohne Eigenschaften, kein Profil - an diesem Image ist Wulff nicht ganz unschuldig. Ihm fehle der "unbedingte Wille zur Macht", so beschreibt er sich selbst. In der Republik ist Wulff dennoch ganz oben angekommen - nach einer Hängepartie hat ihn die Bundesversammlung zum zehnten Bundespräsidenten gewählt.
Von Bettina Freitag, HR, ARD-Hauptstadtstudio
[Bildunterschrift: Christian Wulff nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten in der Bundesversammlung ]
Christian Wulff kennt das: Auch Ministerpräsident wurde er erst im dritten Anlauf. Zwei haushoch verlorene Wahlen haben ihn nicht entmutigt. Seit 2003 regierte er in Niedersachsen mit einer schwarz-gelben Koalition. Er hat also offenbar Steherqualitäten. Auch die Hängepartie in der Bundesversammlung lächelte er am Ende einfach weg: "Niederlagen hab ich eigentlich immer noch mehr gelernt als aus Siegen. Und wenn ich Ihnen sage, dass mein Antritt als Ministerpräsident im dritten Anlauf neun Jahre gedauert hat, dann war die Bundesversammlung heute relativ kurz", so Wulff.
Ein Mann ohne Eigenschaften - das ist Christian Wulff in den Medien. Keine Konturen, kein Profil. Allenfalls der Typ "netter Schwiegersohn". An diesem Bild hat er selbst mitgemalt. Kanzler, das traue er sich nicht zu, hat er mal gesagt. Stattdessen ist er nun Bundespräsident - erster Mann im Staate. "Die Ämter sind unterschiedlich, das Amt des Bundespräsidenten erfordert die Fähigkeit, Brücken zu bauen, zusammenzuführen, Denkanstöße zu geben, wichtige Themen auf die Tagesordnung zu bringen", betont Wulff. Aber es habe "keine operative Verantwortung, es verleitet zur Zurückhaltung - das kommt mir sehr viel näher, weil ich nicht diesen unbedingten Willen zur Macht habe, alles und alle Politikfelder bestimmen zu wollen", so Wulffs Einschätzung.
Und genau das ist dann eben so eine Kontur, Wulffs Profil: Ein Profi-Politiker, der früh wusste, wohin er wollte: nach oben. Mit 19 Jahren Bundesvorsitzender der Schüler-Union, mit 24 Junge-Union-Chef in Niedersachsen, mit 35 führte er dann den CDU-Landesverband. Als Ministerpräsident gelang ihm 2008 die Wiederwahl. Und er bekam viel Beifall, als er dann erstmals eine Muslimin zur Ministerin machte. Sein Stil: Strippen ziehen hinter den Kulissen. Nach außen tritt er freundlich und verbindlich auf. Sein Image: ein Moderator der Politik. "Ich finde es gut, wenn auch nicht nur Alpha-Tiere in der Politik und auf der politischen Bühne sind", sagt Wulff und weiter: "Die Zukunft gehört den Sanftmütigen, den Friedfertigen. Vielleicht kann man das ja auch mal für die Politik gebrauchen, dass es da ein paar gibt, die anders an die Sache herangehen."
Das schätzt denn auch die Kanzlerin. Öffentlich hat sich Wulff nie gegen Merkel gestellt - ein Rivale blieb er gleichwohl. Auch deshalb wurde er ihr Kandidat. Weggelobt ins Schloss Bellevue. Dort residiert künftig nicht nur der jüngste Bundespräsident aller Zeiten - Wulff ist 51 Jahr alt - sondern auch der zweifache Vater einer Patchwork-Familie: 2007 ließ er sich nach 19 Jahren Ehe scheiden, seine älteste Tochter ist im Teenager-Alter. Mit seiner zweiten Frau Bettina hat er einen zweijährigen Sohn. Für ihn will er im Amtszimmer eine Spielecke einrichten. Natürlich weiß er, dass Familienbilder aus dem Schloss in der Öffentlichkeit gut ankommen.
Welche inhaltlichen Akzente er als Bundespräsident setzen will, das weiß Christian Wulff noch nicht - oder er behält sie noch für sich. "Ich bitte um eine gewisse Nachsicht, dass ich mich noch mit anderen beraten möchte, das Thema der fünf Jahre zu benennen", so Wulff. Seine erste große Rede als Bundespräsident will Wulff am 3. Oktober halten: Zum Tag der Einheit; eine gute Gelegenheit, sich als Brückenbauer zu zeigen.
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