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Den einen gilt er als smart und nett, den anderen als beliebig und blass. Eines ist aber wohl unstrittig: Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff ist seit Jahren einer der beliebtesten Politiker - und war bis zu seiner Nominierung Angela Merkels letzter Rivale in der CDU.
Von Kerstin Lohse, RBB, ARD-Hauptstadtstudio
[Bildunterschrift: Offiziell macht Wulff keinen Wahlkampf - auf seiner Sommerreise gibt es trotzdem Geburtstagsständchen für "Mr. President". ]
"Sommerreise von Niedersachsens Ministerpräsidenten Christian Wulff", prangt in großen Lettern auf dem silbergrauen Reisebus. Oder vielleicht doch eher von Bundespräsidentschaftskandidat Wulff? Nein, Wahlkampf macht der 51-Jährige offiziell nicht. Auf seiner Abschiedstour durch Niedersachsen geht es auch zur Reederei NSB in Buxtehude.
Wulff soll in einem Simulator unter Beweis stellen, dass er Containerschiffe dirigieren kann. Etwas unsicher steht Wulff in schwarzer Jeans und blauem Hemd auf der Brücke. Vor ihm auf der Leinwand zeigt ein Film die Einfahrt in den Hamburger Hafen. Von rechts und links kreuzen Schiffe.
Wulff weiß sich zu inszenieren. Während Gauck noch an seiner Grundsatzrede feilte, beging Wulff beim Niedersachsenfest in Celle seinen 51. Geburtstag. Dort bekam er ein ganz besonderes Ständchen: "Happy Birthday, Mr. President", hauchte Schlagersängerin Kristina Bach für den Landesvater.
Wulff, Typ netter Schwiegersohn. Wulff, der Smarte. Der Niedersachse gehört zu den beliebtesten Politikern Deutschlands. Daran konnte auch die Scheidung von seiner ersten Frau Christiane und die Heirat mit der 15 Jahre jüngeren PR-Referentin Bettina nichts ändern. Spätestens seit es ihm als Aufsichtsratsmitglied von Volkswagen gelang, die Übernahme von Porsche durch VW in die Wege zu leiten, hat Wulff sich auch in Wirtschaftskreisen einen Namen gemacht.
Die Kanzlerin schätzt ihn, weil er sich nie öffentlich gegen sie gestellt hat. Nach dem Rückzug von Roland Koch und Jürgen Rüttgers galt Wulff, der seit 1998 zum engsten Führungskreis der Union gehört, als letzter verbliebener Rivale von Angela Merkel. Nun hat die Kanzlerin ihn weggelobt - von der Hannoveraner Staatskanzlei ins Schloss Bellevue. Das passe eigentlich auch viel besser zu ihm, findet Wulff: "Das Amt des Bundespräsidenten kommt mir sehr viel näher, weil ich nicht diesen unbedingten Willen zur Macht habe, alles und alle Politikfelder bestimmen zu wollen."
[Bildunterschrift: Nach dem Abgang von Hessens Ministerpräsident Koch galt Wulff als letzter großer Konkurrent Merkels. ]
Die Opposition hält Wulff für einen Mann ohne Eigenschaften, für unverbindlich, positionslos. "Beliebt durch Beliebigkeit", so der Vorwurf bei seiner Wiederwahl als niedersächsischer Ministerpräsident vor zwei Jahren. Als herausragender Redner oder Impulsgeber ist Wulff bisher nicht aufgefallen. Was von seiner Präsidentschaft zu erwarten sei? "Ich bitte um eine gewisse Nachsicht, dass ich mich noch mit anderen beraten möchte, das Thema der fünf Jahre zu benennen. Meine erste größere Rede wäre dann sicher am 3. Oktober zum Tag der Deutschen Einheit", so Wulff.
"Marathon-Mann" heißt die Wulff-Biografie von Armin Fuhrer. Eine Anspielung auf Wulffs Ausdauer beim Lauf um das Amt des Ministerpräsidenten. Zweimal hatte er gegen Gerhard Schröder verloren, bevor er sich dann 2003 beim dritten Anlauf gegen Sigmar Gabriel durchsetzte. Dieses Mal dürfte dank der Mehrheitsverhältnisse der erste Wahlgang reichen.
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