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[Bildunterschrift: Wirft Wulff eine "Brandstifter-Rede" vor: Stephan Kramer ]
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat seine Kritik am niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff verschärft. Der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, warf dem CDU-Politiker vor, er habe eine "Brandstifter-Rede" gehalten. Der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" sagte Kramer: "Die Erinnerung und auch die Vermittlung von Wissen über die Ereignisse von 1938 haben einen sehr hohen Stellenwert. Was hier an Arbeit in Deutschland geleistet wird, ist großartig. Nur: Diese mühsame Bildungsarbeit wird durch solche leichtfertigen Brandstifter-Reden wie jetzt von Herrn Wulff beschädigt."
[Bildunterschrift: Bedauert seine Wortwahl: Christian Wulff ]
Wulff hatte am Donnerstagabend in der N24-Talkshow "Studio Friedman" gesagt: "Ich finde, wenn jemand 40 Millionen Steuern zahlt als Person und Zehntausende Jobs sichert, dann muss sich gegen den hier nicht eine Pogromstimmung entwickeln." Nach heftiger Kritik erklärte Wulff am Freitag: "Die Verwendung des Wortes 'Pogromstimmung' bedauere ich." Sie sei eine "Fehlleistung" gewesen.
Kramer reicht das nicht. "Herr Wulff hat mich gestern angerufen, um mir die Beweggründe für seinen Vergleich zu schildern. Er hat mich in diesem Gespräch nicht überzeugt", sagte Kramer. Zwar habe er die Wortwahl als deplatziert bezeichnet, doch gleichzeitig versuche er immer noch, sich zu rechtfertigen. "Herr Wulff scheint sich gar nicht bewusst zu sein, was er anrichtet, wenn er mit solchen Begriffen spielt noch dazu drei Tage vor dem Jahrestag der Reichspogromnacht", sagte Kramer.
Zugleich wiederholte Kramer seine Rücktrittsforderung an Wulff. Dieser sei "nicht Manns genug" gewesen, sich selbst vor die Kameras zu stellen, sondern habe seine stellvertretende Pressesprecherin vorgeschickt. "Diese Art und Weise ist nicht angemessen. Das war nicht mehr als eine lauwarme Entschuldigung", sagte Kramer.
[Bildunterschrift: "Entgleisungen nicht hinnehmbar": Charlotte Knobloch ]
Auch die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, kritisierte Wulff scharf für seine Äußerung. "Leider gibt es immer neue unsägliche Vergleiche, wie jetzt auch die neuen Äußerungen des niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff. Diese Auswüchse und Entgleisungen sind nicht hinnehmbar", sagte Knobloch den Dortmunder "Ruhr Nachrichten".
Erst Ende Oktober hatte der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, mit einem umstrittenen Vergleich für Empörung gesorgt. Er hatte eine Parallele zwischen der Managerkritik in der aktuellen Bankenkrise und der Judenverfolgung gezogen. Kurz darauf entschuldigte sich Sinn dafür.
In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 waren Synagogen und andere jüdische Einrichtungen in ganz Deutschland von den Nationalsozialisten angegriffen und zerstört worden. Das Ereignis steht für den Übergang von der jahrelangen Diskriminierung der Juden seit Adolf Hitlers Machtergreifung hin zur systematischen Verfolgung bis zum Holocaust, dem Mord an mindestens sechs Millionen europäischen Juden.
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