Ein Einbrecher (Symbolbild) | Bildquelle: dpa

Kampf gegen Bandenkriminalität Grenzenlose Gangster

Stand: 30.10.2016 20:34 Uhr

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren. Besonders in den Grenzregionen sind professionelle Banden aktiv. Die Innenminister und der Bund wollen die grenzüberschreitende Fahndung ausweiten.

Von Birand Bingül, WDR Köln

Mehr als 167.000 Wohnungseinbrüche hat das Bundeskriminalamt (BKA) bundesweit im Jahr 2015 registriert. Das ist ein Plus von 9,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Schaden betrug 441 Millionen Euro. Zwei Drittel aller Einbruchsdiebstähle wurden in Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen verübt. Dabei schlugen die Täter laut BKA in der Anonymität von Großstädten dreimal häufiger zu als in ländlichen Regionen.

Grenzüberschreitende Fahndung bei Wohnungseinbrüchen
Morgenmagazin 06:00 Uhr, 31.10.2016, Jan Liebold/Thomas Berbner, NDR

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Banden sind "hervorragend organisiert"

"Wohnungseinbrüche sind einfach lukrativ. Das lockt skrupellose Leute an, die auch Streifenwagen rammen, wenn es sein muss, die richtig brutal sind", berichtet Erich Rettinghaus von der Deutschen Polizeigewerkschaft. Längst hat die Organisierte Kriminalität einen neuen Markt für sich entdeckt.

So sind Banden, gerade auch an den Grenzen zu Belgien und den Niederlanden, die Hauptursache für steigende Einbruchszahlen. Diese Banden seien "hervorragend organisiert", wie das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen in einem aktuellen Bericht betont. Und sie verfügten über "internationale Verbindungen".

Bargeld, Schmuck, Laptops ...

Meist stammen sie aus Südost- und Osteuropa. Im Visier haben sie Bargeld. Außerdem stehlen sie gezielt teuren Schmuck und Laptops, Tablets oder Fernseher. Schmuck wird direkt versetzt, Elektroartikel landen bei Hehlern im Ausland.

Was solche Gruppen im Besonderen auszeichnet, erklärt Karl-Heinz Wernerus, deutscher Koordinator im EPICC, dem Euregionalen Informations- und Cooperations-Centrum in Kerkrade: "Es ist inzwischen ganz normal, dass diese Banden zum Beispiel in Belgien leben, in Deutschland zuschlagen und die gestohlenen Wertsachen in den Niederlanden verkaufen."

Beschleunigte Polizeiarbeit

Im EPICC arbeiten knapp 30 Spezialisten für den polizeilichen Informationsaustausch aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden zusammen. Sie beantworten jährlich Tausende Anfragen von Kollegen in der Region. Tendenz: steigend. Wo die klassischen Rechtshilfeersuchen von einem Land an das andere im besten Fall mehrere Tage später Ergebnisse liefern, brauchen die Polizisten im EPICC meist nur Minuten oder Stunden.

Will die Polizei Aachen wissen, ob eine tatverdächtige Person wirklich in Maastricht wohnt, wie sie behauptet, hat EPICC die Antwort. Ein anderes Beispiel: Die Belgier haben das Foto eines Verdächtigen. Sie wollen wissen, ob der in Deutschland bereits aktenkundig ist. Zudem ziehen die Ermittler in Kerkrade Querverbindungen: Wird eine Person von unterschiedlichen Polizeien abgefragt, bringt EPICC zum Beispiel die Kollegen aus Lüttich und Köln zusammen.

Puzzleteile liegen im Ausland

"Polizeiarbeit ist oft ein Puzzlespiel", erklärt Wernerus. "Aber bei diesen Banden liegen einige Steine auch bei unseren Nachbarn. Wenn man die nicht kennt, löst man das Puzzle nie." Gemeinsame Zentren wie EPICC in der Grenzregion sind nur ein Instrument. Die Polizei ergriff zahlreiche Maßnahmen. Wie schwer sie sich aber mit den mobilen Banden tut, zeigt die Stoßrichtung vieler dieser Aktivitäten: Immer wieder geht es um Austausch und Koordination.

Karl-Heinz Wernerus
galerie

"Polizeiarbeit ist oft ein Puzzlespiel", sagt Karl-Heinz Wernerus vom EPICC.

So richteten Bundespolizei, BKA und die Landeskriminalämter eine Koordinierungsstelle "Reisende Täter Eigentum" ein. Auf Bundesebene arbeitet eine Gruppe "Reisende Wohnungseinbrecher". Darüber hinaus wurde ein entsprechendes Europol-Projekt ins Leben gerufen.

Geringe Aufklärungsquote

Bei allen Einzelerfolgen, die die Polizei immer wieder verbucht, kann sie nur eine geringe Aufklärungsquote vorweisen. Sie liegt bei 15 Prozent. "Wie schlimm müssen die Zahlen noch werden, bis etwas passiert? Kein Polizist ist mit den Aufklärungsquoten zufrieden", sagt Rettinghaus von der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Er nennt einige Forderungen, die auch im politischen Raum zur Debatte stehen: Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen sollen wie viele andere endlich die Schleierfahndung einführen, also verdachtsunabhängige Kontrollen erlauben. Die Polizei müsse die Kontrolldichte erhöhen, grenzübergreifend enger und schneller zusammenarbeiten und die Gerichte abschreckend hohe Strafen verhängen.

Einbrecher haben es schwerer

Je schwieriger es für die Polizei ist, den reisenden Banden das Handwerk zu legen, desto wichtiger wird die Prävention. Die Polizei fährt Kampagnen wie den "Tag des Einbruchschutzes" oder "K-EINBRUCH". Tatsächlich finden sich auf den zweiten Blick in der polizeilichen Kriminalstatistik aufschlussreiche Daten: Die Zahl der gescheiterten Einbrüche steigt seit 2010 deutlich. Und zwar vor allem dank sicherer Fenster und Türen oder abschreckender Überwachungskameras. Kein Zufall, dass die Sicherheitsbranche boomt.

Landes- und Benelux-Innenminister zur Einbruchskriminalität
B. Altenkamp, ARD Berlin
31.10.2016 18:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 31. Oktober 2016 um 06:08 Uhr.

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