Neubauten in Frankfurt am Main

Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen Viele Interessen, ein gemeinsames Ziel

Stand: 10.07.2014 15:30 Uhr

Hohe Mieten, geringes Angebot - vor allem in großen Städten fehlt es an Wohnungen. Deshalb hat Bauministerin Hendricks jetzt ein Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen ins Leben gerufen - gemeinsam mit Politik, Wirtschaft und Verbänden.

Von Torsten Huhn, NDR, ARD Berlin

Es ist ein breites Bündnis, das Bundesumwelt- und Bauministerin Barbara Hendricks da auf die Beine gestellt hat. Vertreter von 17 Verbänden und Organisationen trafen sich heute - Architekten, Vertreter von Mietern und Hauseigentümern, der Bauwirtschaft, der Immobilienbranche und von Wohnungsunternehmen.

Die Interessen dieser Organisationen sind im Einzelnen durchaus unterschiedlich. Aber es gibt ein gemeinsames Ziel, wie die Ministerin erklärte: "Wir sehen unsere gemeinsame Verantwortung dafür, dass die Bautätigkeit insbesondere in den Ballungsräumen gestärkt wird", sagte sie. Denn die Lage auf dem Wohnungsmarkt hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. Seit dem Tiefpunkt 2009 werden zwar wieder mehr Wohnungen gebaut - im letzten Jahr waren es immerhin 225.000 - aber das ist nicht ausreichend.

"Wohnungsnot in Unistädten nimmt zu"

Trotzdem sagt Hendricks, man sei damit auf gutem Wege. Notwendig ist aber der Neubau von mindestens 250.000 Wohnungen jährlich. Manche Experten sprechen sogar von 300.000. "Wir haben ja in der letzten Zeit zu beobachten, dass insbesondere in Ballungskernen, aber auch in Universitätsstädten die Wohnungsnot sehr zunimmt. Das heißt, dass nicht nur zu wenige Wohnungen da sind, sondern auch zu wenige Wohnungen, die bezahlbar sind."

Um Wege zu finden, wie man billiger bauen könnte, damit man dann auch bezahlbare Wohnungen hat, soll eine spezielle Arbeitsgruppe eingerichtet werden. Auf die Frage, wo denn wohl am ehesten beim Bauen gespart werden könnte angesichts zunehmender Auflagen hinsichtlich Energieeinsparung und Energieeffizienz, erklärte die Bauministerin: "Das ist genau die Herausforderung, um die es geht. Um ehrlich zu sein, wenn Sie jetzt von mir auch als Bundesbauministerin das Ergebnis dieser Baukostensenkungskommission erwarten, dann muss ich passen. Dafür setzen wir sie ja ein."

Hendricks will dazu beitragen, dass überflüssige Normsetzungen und Gesetzesvorschriften, die das Bauen verteuern, reduziert werden. Wichtig ist ihr auch, dass die Kommunen, die meist Grundstücksbesitzer sind, mehr Bauland zur Verfügung stellen, etwa über die "Zurverfügungstellung von Bauland und die Mobilisierung von Bauland und Erschließung von Brachflächen", so Hendricks. "Hier ist eine Aufgabe insbesondere der Kommunen auch zu sehen. Aber wir sind uns einig, dass wir diese Aufgabe gemeinsam angehen wollen."

Engpässe vor allem in den Ballungsräumen

In  Halle stehen viele Häuser leer.
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Wie hier in Halle stehen vor allem in Ostdeutschland viele Häuser leer.

Wohnungsengpässe bestehen vor allem in den Ballungsräumen. Das liegt daran, dass es in Deutschland eine starke Binnenwanderung gibt: Die Menschen strömen in die sieben wichtigsten Wirtschaftsregionen. Dort steigen die Einwohnerzahlen - und die Bautätigkeit kommt nicht nach. Zugleich explodieren in diesen Städten die Mieten. In den letzen fünf Jahren erlebte etwa Berlin einen Mietenanstieg von 35 Prozent, in Hamburg waren es 27 Prozent. Zugleich gibt es in anderen Gegenden, vor allem in den ostdeutschen Ländern, Leerstand.

Die Bauministerin will im Herbst nächsten Jahres eine Zwischenbilanz des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen ziehen. Eines räumte sie aber schon heute ein: "Bauen tun wir selber nicht, sondern wir können nur die Voraussetzungen dafür schaffen." Ob ein so weit gefächertes Bündnis unterschiedlicher Interessenvertreter tatsächlich helfen kann, dass in Deutschland mehr gebaut wird, bleibt abzuwarten.

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