Seitenueberschrift
Neuberechnung von Wohlstand und Wachstum in Deutschland
Neun Mess-Helfer für das Bruttoinlandsprodukt
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll künftig nicht mehr alleiniger Maßstab für Wohlstand, Wachstum und Lebensqualität in Deutschland sein. Das geht aus einem Bericht der vom Bundestag eingesetzten Enquête-Kommission hervor, der heute mit der Mehrheit von Union, FDP und SPD verabschiedet wurde.
Zehn Messwerte sollen künftig Aufschluss über Wohlstand, Teilhabe und Ökologie geben. Politiker und Experten schlagen vor, dass zur Einschätzung des materiellen Wohlstands neben dem BIP künftig auch die Verteilung der Einkommen und die Staatschulden aufgeführt werden sollen. Der Umweltaspekt soll durch Angaben zu den nationalen Treibhausgasen, zum Stickstoffkreislauf und zur Artenvielfalt berücksichtigt werden.
Auskunft über die Lebensqualität in Deutschland sollen die Leitindikatoren Beschäftigung, Bildung, Lebenserwartung und Freiheit geben. Zur Vermeidung neuer Krisen sollen einzelne Werte wie Unterbeschäftigung, Nettoinvestitionen oder die globalen Treibhausemissionen als "Frühwarnindikatoren" oder "Warnlampen" gelten.
Kritik von Linkspartei und den Grünen
Kritik kam von Linkspartei und Grünen, die sich der Mehrheitsentscheidung in der Kommission widersetzten. Das Modell sei einer breiten Öffentlichkeit nicht zu vermitteln, sagte Matthias Birkwald, der für die Linkspartei in der Kommission sitzt. Union, FDP und SPD hätten verhindert, die Wohlstandsmessung vor allem stärker sozial und ökologisch auszurichten. Auch aus Sicht des Obmanns der Grünen-Fraktion, Hermann Ott, blickt durch das "Indikatoren-Wirrwarr" niemand durch.
Die Enquête-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" mit insgesamt fünf Projektgruppen hatte im Januar 2011 ihre Arbeit aufgenommen und wird voraussichtlich im Mai ihren Abschlussbericht vorlegen. Ein erster Jahreswohlstandsbericht könnte 2014 erscheinen.
Stand: 28.01.2013 17:49 Uhr
