Mehr als 250 Nutzerprofile gesperrt Wikipedia verbannt Auftragsschreiber

Stand: 22.10.2013 21:17 Uhr

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia kämpft gegen bezahlte Manipulationen von Artikeln. Mehr als 250 Nutzerprofile seien gesperrt oder von der Seite verbannt worden, hieß es im Blog der Wikimedia-Stiftung, die hinter dem Nachschlagewerk steht.

Das Logo der Online-Enzyklopädie Wikipedia in verschiedenen Sprachen. | Bildquelle: dpa
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Immer wieder sollen Nutzer oder Firmen versucht haben, Beiträge zu manipulieren.

Mitstreiter der englischsprachigen Wikipedia-Version untersuchten Vorwürfe, dass Autoren unter falscher Flagge unterwegs gewesen seien. "Derzeit sieht es so aus, als wären einige Autoren - möglicherweise bis zu mehrere hundert - für Wikipedia-Artikel bezahlt worden, die für Organisationen oder Produkte werben", schrieb Stiftungsleiterin Sue Gardner.

Netzwerk von falschen Profilen vermutet

Immer wieder gibt es Berichte, dass einzelne Nutzer oder Unternehmen versucht hätten, Einträge zu manipulieren. Wikimedia-Leiterin Gardner verwies auf einen Artikel der Webseite "Daily Dot", die von einem riesigen Netzwerk an falschen Profilen berichtete. Sie sollen - teilweise gegen Bezahlung - Artikel über Unternehmen und Personen geschönt haben. "Im Gegensatz zu einer Universitätsprofessorin, die einen Wikipedia-Artikel über ihr Fachgebiet bearbeitet, ist bezahltes Schreiben für Werbezwecke extrem problematisch", schrieb Gardner. Es widerspreche den grundlegenden Werten der Wikipedia als neutrale Quelle.

Diskussionen über bezahlte Schreiber auch in Deutschland

Die deutschsprachige Wikipedia-Version sei von den Profil-Sperren nicht betroffen, sagte eine Sprecherin der deutschen Wikimedia-Stiftung der dpa. Auch dort gebe es aber Diskussionen um den Umgang mit bezahlten Einträgen oder Autoren. Ein Mitschreiber arbeite gemeinsam mit anderen Autoren an Regeln für Mitarbeiter von Unternehmen. Dabei geht es auch darum, interessengeleitete Einträge möglichst klar zu kennzeichnen. Es gibt bereits ein Verzeichnis von Profilen, die Unternehmen, Werbeagenturen oder Vereinen gehören. "Natürlich kann jeder mitmachen", sagte die Sprecherin, "aber nach den Regeln der Wikipedia."

Hintergrund

Bei Wikipedia kann jeder Internet-Nutzer einen Artikel verfassen, ergänzen oder korrigieren, wenn ihm ein Fehler oder eine Lücke auffällt. Alle Änderungen werden gespeichert und können jederzeit (durch einen Klick) auf "Versionen" eingesehen und gegebenenfalls rückgängig gemacht werden. Erfahrene Benutzer wachen über die Einhaltung der Wikipedia-Richtlinien: Zum Codex der Schreiber gehört, dass die Themen für ein Lexikon relevant sein müssen. Artikel sollen sachlich formuliert, Wertungen vermieden werden ("neutraler Standpunkt"). Alle Informationen sollen durch verlässliche Quellen außerhalb der Wikipedia (z. B. Sachbücher oder Zeitungsartikel) belegt werden. Autoren können sich bei Wikipedia als Nutzer registrieren, es ist aber keine Pflicht.

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