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20.03.2010

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ARD: "Prüfen, ob YouTube zur Markenstrategie passt"
ARD-Generalsekretärin Wiedemann im Interview

"Prüfen, ob YouTube zur Markenstrategie passt"

Erfolgreiche Angebote im Internet haben ein Problem: Die enormen Verbreitungskosten. Das öffentlich-rechtliche norwegische Fernsehen (NRK) geht deshalb einen neuen Weg. Seine Inhalte sind teilweise bei "Peer-to-Peer"-Netzwerken wie BitTorrent zu haben - das spart die Gebührenzahler in Norwegen bares Geld. Was kann die ARD vom norwegischen Beispiel lernen? Und was spricht gegen einen ARD-Kanal bei YouTube? tagesschau.de hat dazu ARD-Generalsekretärin Verena Wiedemann befragt.

tagesschau.de: Frau Wiedemann, das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Norwegen gibt freiwillig Sendungen in Internet-Tauschbörsen, damit die Inhalte auch dort verbreitet werden. Ist dieses Modell interessant für die ARD?

Dr. Verena Wiedemann (Foto: WDR/Bettina FŸrst-FastrŽ) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Wiedemann: Verbreitungskosten im Web sind hoch. ]
Verena Wiedemann: Interessant ist, dass hier eine "Peer-to-Peer"-Technologie eingesetzt wird und öffentlich-rechtliche Inhalte so von Nutzer zu Nutzer weitergegeben werden. Das senkt die Verbreitungskosten für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Norwegen erheblich. Für NRK entstehen so für die Verbreitung der auf BItTorrent verbreiteten Inhalte keine weiteren Kosten. Verbreitungskosten im Internet sind nicht unerheblich und natürlich auch für die ARD ein Faktor, mit dem wir kalkulieren müssen. Tatsache ist: Je erfolgreicher unsere Angebote im Web werden, desto höher werden bislang die Verbreitungskosten. Also ist es interessant zu sehen, welche anderen Lösungen es gibt, die dieses Problem in den Griff bekommen.

tagesschau.de: Allerdings schafft das Prinzip der Tauschbörsen auch neue Probleme ...

Lars Monsen mit Kamera Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Erlebnisse des NRK-Reportes Lars Monsens sind nicht nur im Fernsehen, sondern auch über BitTorrent zu sehen. ]
Wiedemann: ... das sind vorrangig Probleme im Bereich der Urheberrechte. Der Schutz dieser Rechte steht für uns immer im Vordergrund. Dazu muss man verstehen, dass schon die Nutzung von On-Demand-Diensten im Internet einem eigenständigen Recht unterliegt. Dieses unterscheidet sich beispielsweise von unserem Senderecht. Das bedeutet: In dem Moment, in dem wir über Lösungen nachdenken, die die individuelle Online-Nutzung unserer Inhalte erlaubt, müssen wir von zusätzlichen Rechtekosten und auch Rechteklärungen ausgehen. Und für bestimmte Inhalte ist damit von vorne herein ausgeschlossen, dass wir sie über Internet verbreiten.

tagesschau.de: Welche Inhalte sind gemeint?

Wiedemann: Schwierig wird es bei Sportveranstaltungen, die wir übertragen, aber auch bei Produktionen, die Musik verwenden, deren Rechte bei der internationalen Tonträgerindustrie liegen.

tagesschau.de: Und die anderen Inhalte?

Wiedemann: Es ist zu früh, darüber zu sprechen. Die ARD klärt derzeit, in welcher Form sie auf Plattformen Dritter oder bei peer-to-peer-Netzwerken mit einigen ihrer Angebote vertreten sein möchte und sollte. Wir sind zum Beispiel mit Zatoo im Gespräch darüber, wie die Urheberrechtsproblematik in Bezug auf die Verbreitung unserer linearen Programme über dieses peer-to-peer-Angebot gelöst werden kann. Derzeit bieten wir eine Reihe von Inhalten per Streaming auf unseren eigenen Onlineseiten an, nur einige Angebote davon auch zum Download, wie Podcasts. Auf diese Weise behalten wir die Kontrolle über die meisten unserer audio-visuellen Inhalte. Ob das für die ARD der richtige Weg ist, dass Dritte unsere Inhalte unkontrollierbar kopieren und verbreiten, ist eben eine entscheidende Frage – und eine solche Verbreitung dann nicht mehr rückholbar.

Screenshot von "The Royal Channel"  Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "The Royal Channel" - auch das britische Königshaus ist bei YouTube vertreten. ]
tagesschau.de: Kontrolle scheint so viel wichtiger als Verbreitung. Man sagt doch auch: Die ARD geht dahin, wo die Leute sind. Und die Leute sind nicht nur auf den ARD-Seiten unterwegs. Im Grunde könnten doch auch die ARD-Inhalte regulär auf "offenen Systemen" wie YouTube angeboten werden - und dort neue Zuschauer finden.

Wiedemann: Neue Zuschauer zu erreichen und neuen Nutzungsformen im Netz nachzukommen, entspricht unserem Auftrag, aber wie immer muss man Vor- und Nachteile abwägen. Natürlich kann es interessant sein, auf Seiten Dritter vertreten zu sein - wie etwa bei YouTube. Wir sehen auch mit Interesse, dass die BBC einen eigenen Kanal dort eingerichtet hat, ebenso das ZDF und die Deutsche Welle. Wir selbst prüfen derzeit ergebnisoffen, ob wir einen solchen Weg mit YouTube gehen wollen. Denn eine Verbreitung über Plattformen Dritter muss auch der Markenstrategie der ARD entsprechen: Wir haben starke und glaubwürdige Programmmarken, die nicht beschädigt werden dürfen.

tagesschau.de: Welche Rolle spielt das Umfeld, in dem die Videos angeboten werden?

YouTube (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: ARD-Inhalte neben Saddam-Hinrichtung? ]
Wiedemann: Es kann nicht in unserem Interesse sein, dass unsere Videos irgendwo zwischen der Saddam-Hinrichtung und Paris Hiltons Schlafzimmerfilm aufgefunden werden. Dadurch würde im Zweifel auch unsere publizistische Aussage verfremdet, vielleicht in ihr Gegenteil verkehrt. So etwas beschädigt die Qualität von Marken.

Das Gespräch führte Christian Radler, tagesschau.de

Stand: 08.02.2008 14:22 Uhr
 

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