Im ausgetrockneten FlussŸbett der Elbe bei Pirna (Sachsen) wächst eine Pflanze. (August 2015) | Bildquelle: dpa

Hitze und Starkregen "Das ist erlebter Klimawandel"

Stand: 08.03.2016 17:34 Uhr

Hitze, Dürre und Starkregen: Die Folgen des Klimawandels sind auch in Deutschland zu spüren. Das vergangene Jahr war das zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Und: es wird nicht besser, es wird wärmer und heftiger.

Von Frank Aischmann, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

"Wir leben im Zeitalter des beobachtbaren Klimawandels", so fasst Paul Becker vom Deutschen Wetterdienst die erzeitige Klimasituation zusammen. Oder auch: Es wird wärmer und es wird heftiger: "Also wenn wir uns die Klimaprojektion anschauen, dann gehen wir davon aus, dass die Starkregensniederschlaghäufigkeit zunimmt"

Am meisten Regen in Schleswig-Holstein

Aber zunächst der Blick zurück in das Deutschland-Klima 2015: Es gab heftige Stürme und eine Durchschnittstemperatur von exakt 9,9 Grad. Am wärmsten war es dabei in Berlin mit 10,8 Grad Celsius, in Bayern war es mit 9,4 Grad am kältesten.

Pro Quadratmeter fielen im Gesamtdurchschnitt 701 Liter Niederschlag. Rekordhalter war Schleswig-Holstein mit 894 Litern, am trockensten war es in Berlin mit 515 Litern. Die Sonne schien im Schnitt 1743 Stunden. Am meisten Sonne haben Baden-Württemberg und Berlin abbekommen, am kürzesten schien sie in Bremen.

2015 war zweitwärmstes Jahr

Weil der DWD auf Daten aus 135 Jahren meteorologischer Messungen zurückgreifen kann, geht 2015 als das 33.-trockenste Jahr seit 1881 in die Geschichte ein, und als das bisher zweitwärmste in Deutschland seit Beginn der Beobachtungen, wobei sich 2015 diesen Platz mit 2000 und 2007 teilt.

Es waren die extrem milden Monate November und Dezember, die die Jahres-Durchschnittstemperatur auf den zweithöchsten Wert aller bisher gemessenen Jahre hob. Und noch einen Rekord gab es, gemessen an der Messtation im Fränkischen Kitzingen, an dem sich Klimaexperte Thomas Deutschländer vom DWD begeistert:

"Gleich zweimal wurden dort im vergangenen Sommer 40,3 Grad Celsius registriert. Zunächst am 5. Juli und später noch einmal am 7. August. Der alte Rekord von 40,2 Grad Celsius, der erstmals in Germersdorf in der Oberpfalz am 27. Juli 1983 gemessen wurde, wurde damit um 0,1 Grad übertroffen."

Das vergangene Jahr war zudem deutlich zu trocken. Zehn Monate waren trockener als der Durchschnitt und nur zwei nasser als normal. Probleme gab es dadurch vor allem für die Landwirtschaft und die Schifffahrt.

Probleme auch für Wintersport

Aber auch der Ski-Tourismus musste unter den geringen Niederschlagsmengen leiden, so Experte Becker: "Auf dem höchsten Berg Deutschlands, also auf der Zugspitze, auf 2964 Metern, lagen zum Jahreswechsel nur etwa 90 cm Schnee, dort sind etwa zwei Meter der Normalfall im Mittel." Ein ähnlich frustrierendes Bild habe es für den Winter-Tourismus auch beim Thema "Schneedeckendauer" gegeben.

So liege in einem normalen November in den deutschen Alpen in Höhenlagen von 500 bis 1000 Metern an rund zehn Tagen eine geschlossene Schneedecke. Im November 2015 seien es sieben Tage gewesen. Aber im Dezember wurde die Situation noch einmal um einiges extremer, so Becker: "Nur an einigen wenigen Stationen überhaupt wurden zwei Schneedecken-Tage verzeichnet. Im Mittel sind es aber 25 Tage mit einer mittleren Schneehöhe von 20 Zentimetern. Davon konnten Skifahrer im vergangenen Dezember wohl nur träumen. "

Klimaprojektionen sind schwierig

Wie gesagt, es wird wärmer auf der Erde und ungemütlicher - allerdings gibt Paul Becker vom DWD zu: "Natürlich können wir gar nicht exakt vorhersagen, wie das Wetter Ende des Jahrhunderts wird."

"Sie wissen ja alle, Wettervorhersage das geht so etwa bis 14 Tage - die Klimaprojektionen gehen bis 2100 oder auch 2200. Aber warum kommen sie bis dahin? Sie kommen nur deshalb dahin, weil sie eine Annahme machen über den Ausstoß der Treibhausgase. Ich sage mal, es hängt davon ab, wieviele Autos nächstens die Inder und Chinesen fahren, wenn sie denn Benzin- oder Dieselgetrieben sind."

Deutscher Wetterdienst: 2015 war warm, die Zukunft wird wärmer
F. Aischmann, ARD Berlin
08.03.2016 15:57 Uhr

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