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Als Superminister für Finanzen und Wirtschaft hätten ihn manche gerne gesehen. Doch Westerwelle hat sich entschieden: Er wird Außenminister und Vizekanzler im schwarz-gelben Kabinett - genau wie sein großes Vorbild Hans-Dietrich Genscher.
Von Kerstin Lohse, RBB, ARD-Hauptstadtstudio
[Bildunterschrift: Hat von Opposition auf Regierung umgeschaltet: Der ehemalige Spaßpolitiker Guido Westerwelle. ]
Es erinnerte an den Einzug eines Gladiators, als FDP-Chef Guido Westerwelle sich am Tag nach der Bundestagswahl seinen Weg bahnte durch die Menge der Fotografen und Kameraleute, die ihn vor ihr Objektiv zerren wollten - ihn, den künftigen Vizekanzler und Außenminister. Es war sein ganz persönlicher Triumphzug. Nach elf Jahren Opposition ist Guido Westerwelle der neue Mann an Merkels Seite. Ihm gelang es, die FDP wieder in die Regierung zu führen und die Union an der Macht zu halten. Die Anfeindungen von SPD, Grünen und sogar dem künftigen Koalitionspartner CSU hatte er im Wahlkampf mit stoischer Ruhe und Ironie abgewehrt.
Doch die Zeiten, in denen der 47-jährige Jurist als Spaßpolitiker auftritt, sind lange vorbei. Er ist ruhiger, besonnener und ernsthafter geworden. Seit der Bundestagswahl beobachten viele eine erneute Wandlung. Unnatürlich beherrscht trete Westerwelle auf, fast verkrampft darauf bedacht, auch ja die richtigen Worte zu finden. Bisher galt er stets als außergewöhnlich eloquent und rhetorisch sicher.
Doch nachdem ihm gleich am Tag eins nach der Wahl der Geduldsfaden gerissen war und er einem britischen Journalisten etwas barsch mitgeteilt hatte, in Deutschland spreche man Deutsch, achtet er nun noch mehr auf seine Worte: "Pressekonferenzen sind in der Opposition anders als in der mutmaßlichen Regierungsverantwortung. Ich muss jedes Wort noch genauer wägen. Und das werde ich auch tun", beteuert der designierte Außenminister.
[Bildunterschrift: Statt eines Superministeriums für Finanzen und Wirtschaft übernimmt Westerwelle den Chefposten im Auswärtigen Amt. ]
Ist dies die Wandlung zum Staatsmann? Auf die Frage, was ihn an der Regierungsarbeit locke, antwortete Westerwelle vor der Wahl in der Wir-Form: "Dass wir die Ideale für die wir werben, unsere Werte, unsere politischen Vorstellungen endlich mal in die Realität umsetzen könne, das lockt mich am meisten."
Klar zu machen, wofür genau die FDP in der Regierung steht und wie sie sich ein eigenständiges Profil bewahren kann in Zeiten des schwarz-gelben Krisenmanagements - das wird keine einfache Aufgabe. Westerwelle wirkt dennoch zuversichtlich. Schließlich hat er auf der Oppositionsbank viel erreicht, was ihm anfangs mancher nicht zugetraut hätte.
Die fulminante Siegesserie bei den vergangenen Landtags-, Europa- und Bundestagswahlen, aber auch der konsequente Umbau und vor allem die Verjüngung der FDP gelten als Westerwelles Werk. In den vergangenen acht Jahren als Parteivorsitzender hat er nicht nur Standhaftigkeit und einen straffen Führungsstil, sondern vor allem auch Ausdauer bewiesen. Wo der begeisterte Sportler am besten entspannen könne? "Morgens beim Laufen: In den Wald, Laufschuhe, halbe bis dreiviertel Stunde. Dann komme ich zurück und habe Energie für den ganzen Tag", sagt Westerwelle über sein Trainingsprogramm.
[Bildunterschrift: FDP-Chef Guido Westerwelle stößt mit seinem Lebensgefährten Michael Mronz auf den Sieg bei der Bundestagswahl an. ]
Als Außenpolitiker ist Westerwelle bisher kaum in Erscheinung getreten. Dass ihn dieses Amt jedoch seit langem reizt - und das nicht nur, weil er damit die Tradition bekannter liberaler Außenminister fortführen kann, ist im politischen Berlin kein Geheimnis. In den vergangenen Monaten nutzte Westerwelle jede Gelegenheit, um sich schon mal in Stellung zu bringen als Experte für außen- und sicherheitspolitischen Fragen: "Abrüstung muss wieder das Markenzeichen deutscher Außenpolitik werden – auch deshalb wollen wir regieren."
Im Auswärtigen Amt diskutieren Diplomaten mehr oder weniger offen über die Herausforderungen, die ein schwuler Außenminister für ihre tägliche Arbeit mit sich bringen wird - vor allem für die Beziehungen zur arabischen Welt. Doch wer zumindest äußerlich so gelassen auf Seehofers Anfeindungen und Verunglimpfungen als "Sensibelchen" reagieren kann wie Westerwelle, der wird auch diese Hürde nehmen.
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