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Vetternwirtschaft und Korruption kritisiert die Opposition - die Debatte über die umstrittene Zusammensetzung von Westerwelles Reisebegleitern spitzt sich zu: Die FDP sieht durch die "Kampagne" die Demokratie bedroht. Kanzlerin Merkel zeigt sich überzeugt, dass die Vorwürfe entkräftet werden können.
Von Michael Götschenberg, MDR, ARD-Hauptstadtstudio
[Bildunterschrift: Außenminister Guido Westerwelle informiert sich am letzten Tag seiner Brasilienreise über sportliche Großereignisse. ]
Guido Westerwelle dürfte erleichtert sein, wenn er sich heute Abend auf den Rückweg von seiner Lateinamerika-Reise macht. Den Tag in Brasilien will Westerwelle noch nutzen, um sich über die Planungen für die kommenden sportlichen Großereignisse in Brasilien zu informieren - die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016. Sein Lebenspartner Michael Mronz wird nicht dabei sein - er übergibt lieber einen Scheck für ein Kinderprojekt in Rio. Aus gutem Grund: Wäre er dabei, würde das zweifellos neues Öl ins Feuer gießen. Mronz managt Sportereignisse - und der Vorwurf steht im Raum, er nutze seine Reisen mit Westerwelle, um seine Geschäftsbeziehungen zu pflegen.
FDP-Generalsekretär Christian Lindner stellte sich heute Morgen schützend vor Westerwelle und sprach von einer persönlichen Diffamierungskampagne: "Wir brauchen einen respektvollen Umgang von Demokraten miteinander - und dazu gehören auch minimale Anstandsregeln", so Lindner. Und nicht nur das: Man müsse aufpassen, dass die Demokratie insgesamt nicht Schaden nehme, meinte der FDP-Generalsekretär.
An einigen Fakten kommt man allerdings nicht vorbei: Da ist zum einen die Person Ralf Marohn. Der Mann ist ein ausgewiesener Asien-Experte und hat Westerwelle im Januar auf seiner Reise nach China und Japan begleitet. Marohn ist aber auch Geschäftsführer einer Firma, an der Westerwelles Bruder Kai Westerwelle beteiligt ist. "Warum darf sich der Außenminister nicht der offensichtlich bestehenden Expertise eines Mannes bedienen, nur weil sein Bruder einen Mini-Anteil an dessen Unternehmen hält - das ist unverhältnismäßig", verteidigte FDP-Generalsekretär Lindner. Unterdessen ist ein zunehmend absurder Streit darüber entbrannt, ob Marohn in den vergangenen Jahren auch den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) schon auf einer Asien-Reise begleitet hat. Beck bestreitet das - die FDP will jetzt als Beweis Fotos vorlegen.
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Es geht aber nicht nur um die Person Marohn. Ebenfalls mit an Bord bei Westerwelles Asien-Reise war Cornelius Boersch, ein Schweizer Unternehmer. Pikant dabei: Die "Berliner Zeitung" will erfahren haben, dass Boersch seit Jahren Geschäftspartner der Brüder Westerwelle ist - und außerdem auch von Westerwelles Lebenspartner Mronz. Fakt ist in jedem Fall: Boersch gehört zu den Großspendern der FDP. In den vergangenen Jahren hat er den Liberalen insgesamt 160.000 Euro gespendet.
[Bildunterschrift: Gesine Lötzsch: "Ich nenne das Korruption." ]
Für die Opposition steht deshalb fest, "dass in den ersten 200 Tagen bei Reisen im wesentlich die dabei sind, mit denen er entweder verwandt ist oder die große Spenden für die FDP geleistet haben", sagt Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. Die Linkspartei legte noch eine Schippe oben drauf: "Ich nenne das Korruption - und ich finde, man muss in Deutschland einen korrupten Politiker auch noch einen korrupten Politiker nennen dürfen", sagte die designierte Parteichefin Gesine Lötzsch. Die FDP will das nicht auf sich sitzen lassen.
Generalsekretär Lindner drohte jetzt an, man werde sich die Großspender der SPD aus den vergangenen Jahren ansehen und die Namen mit den Reisebegleitern von Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier vergleichen.
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