Guido Westerwelle | Bildquelle: picture alliance / dpa

Guido Westerwelle ist tot Ein leidenschaftlicher Kämpfer

Stand: 18.03.2016 18:16 Uhr

Lange kannte das Leben von Guido Westerwelle nur eine Richtung: nach oben. Es entstand das Bild eines schrillen, neoliberalen Parteipolitikers. Doch mit den politischen Niederlagen sowie seiner Krebserkrankung lernte man einen nachdenklichen Menschen kennen.

Ein Nachruf von Peter Mücke, NDR

In einem seiner letzten Interviews im November vergangenen Jahres sprach Guido Westerwelle von "Wellenbewegungen" in seinem Krankheitsverlauf: "Zwei Schritte vor - einer zurück". Rückblickend muss man wohl sagen, dass es wohl eher umgekehrt war. Zwei Wochen später musste Westerwelle erneut ins Krankenhaus - zu einer Medikamentenumstellung, die notwendig war, um die Abstoßungsreaktionen nach der Knochenmarkstransplantation unter Kontrolle zu bekommen. Bis zuletzt ahnten wohl nur wenige, wie ernst die Situation wirklich war.

Nachruf auf Guido Westerwelle
tagesschau 20:00 Uhr, 18.03.2016, Verena Bünten, WDR

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Im Herbst 2015 sah es so aus, als hätte Westerwelle seine Krebserkrankung besiegt. Er stellte ein Buch vor, in dem er von seinem Kampf gegen die Leukämie erzählte. Vorabdruck in der "Bild"-Zeitung, großes Interview im "Spiegel", Talkshow-Auftritt bei Günther Jauch - bei so viel medialer Präsenz fühlten sich viele schon wieder an den alten Guido Westerwelle erinnert: den schrillen, lauten, polarisierenden Parteipolitiker. Tatsächlich war das Buch aber die Geschichte einer Läuterung.

Die Öffentlichkeit erlebte damals einen nachdenklichen Guido Westerwelle. Einen abwägenden, selbstkritischen Menschen, der nicht die einfachen Wahrheiten verkündete, für die er als Politiker bekannt und gefürchtet war. "Zu pflichtbewusst" sei er gewesen und "zu dumm, um zu erkennen, dass man nicht lebt um zu arbeiten, sondern arbeitet, um zu leben". Und weiter sagte er: "Zu forsch, weil ich oft unsicher war."

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Zum Tod von Guido Westerwelle

Guido Westerwelle

Der FDP-Politiker Guido Westerwelle ist tot. Der ehemalige Parteivorsitzende und Bundesaußenminister starb an den Folgen einer Leukämie. | Bildquelle: REUTERS

Mit 33 Jahren Generalsekretär, mit 39 Parteichef, mit 40 Kanzlerkandidat einer FDP, die von 18 Prozent träumte. Lange kannte Westerwelles Leben nur eine Richtung: den Aufstieg. Ausgerechnet der Tag seines größten Triumphs läutete dann seinen Abstieg ein. Westerwelle hatte der FDP im September 2009 mit 14,6 Prozent zum größten Erfolg ihrer Geschichte verholfen. Vier Jahre später stand er nach einer verkorksten schwarz-gelben Koalition für die größte Niederlage der Partei: den Rausschmiss aus dem Bundestag.

Von der FDP war Westerwelle schon früher fallen gelassen worden. Nach einer Reihe von Niederlagen bei Landtagswahlen und schlechten Umfragewerten im Bund kam er 2011 mit dem Rücktritt vom Amt des Parteichefs seinem Sturz zuvor. Erst danach fand Westerwelle seine Rolle als Außenminister und bekam dafür am Ende seiner Amtszeit auch den Respekt, den er immer wollte, aber als Parteipolitiker nie bekommen hatte.

Rückblickend hatte der Politiker Guido Westerwelle wohl seine stärkste Zeit als Oppositionsführer im Bundestag. Als FDP-Fraktionschef führte er zwischen 2006 und 2009 die damalige Große Koalition vor. Ein über alle Parteigrenzen hinweg geschätzter Redner im Bundestag. Auf dem Höhepunkt der Macht, als Vizekanzler, agierte er dann unglücklich und zog so viel Hass und Häme auf sich und seine Partei, wie es in der jüngeren Geschichte einmalig ist.

Auch wenn es makaber klingt: Am Ende war es seine Krebserkrankung, die es Westerwelle ermöglichte, das Bild von sich - und vielleicht auch für sich - zu korrigieren. Das hat er immerhin noch geschafft. So bleibt nicht nur das Bild von Guido Westerwelle als schriller, neoliberaler Steuersenkungspolitiker. Sondern auch das eines nachdenklichen und verletzlichen Menschen, der zu früh gestorben ist.

Zwischen zwei Leben - Nachruf auf Guido Westerwelle
K. Strippel, ARD Berlin
18.03.2016 14:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. März 2016 um 15:00 Uhr.

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