Die Gedenkstätte am Hartmannsweilerkopf in Frankreich, wo im Ersten Weltkrieg bis zu 30.000 Soldaten ums Leben kamen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Besuch bei Gedenkstätte Hartmannsweilerkopf Lehren ziehen aus der Geschichte

Stand: 04.08.2014 09:04 Uhr

Bundespräsident Joachim Gauck hat vor populistischen Strömungen gewarnt, die "wohlfeil mit antieuropäischen Parolen Stimmung machen". Das gemeinsame Europa sei "keine Laune der Geschichte", betonte Gauck bei einer Gedenkfeier zum Beginn des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren im Elsass. Europa sei vielmehr die "Institution gewordene Lehre aus der Geschichte" und zugleich die "Sicherung gegen Verirrung und Verführung", sagte Gauck in der Gedenkstätte am Hartmannsweilerkopf, wo er mit Frankreichs Präsident François Hollande zusammennkam.

Warnung vor "übersteigertem Nationalismus"

Der Ort in den Vogesen symbolisiere die "Sinnlosigkeit und Schrecken" des Krieges, er erinnere an eine der düstersten Zeiten in der deutsch-französischen Geschichte. Vor hundert Jahren sei Europa in der Barbarei versunken - verführt von einem "übersteigerten Nationalismus".

Hollande forderte, Europa müsse als Vorbild "eine Perspektive aufzeigen für Arbeit, Erziehung und Wissen". Die Verteidigung des Friedens müsse die Perspektive sein für jede Generation von heute.

Gauck und Hollande gedachten am Hartmannsweilerkopf der getöteten Soldaten. | Bildquelle: AFP
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Gauck und Hollande gedachten am Hartmannsweilerkopf der getöteten Soldaten.

Gemeinsam besichtigten die beiden Politiker anschließend die Nekropole, in der rund 12.000 deutsche und französische Soldaten bestattet sind. Anschließend legen sie den Grundstein für das erste deutsch-französische Museum zum Ersten Weltkrieg. An der Zeremonie nahmen unter anderen Soldaten der deutsch-französischen Brigade, Kriegsveteranen, Regionalpolitiker und rund hundert Jugendliche aus beiden Ländern teil.

Bis zu 30.000 tote Soldaten

Bei den Gefechten in den Schützengräben am 956 Meter hohen Hartmannsweilerkopf kamen 20.000 bis 30.000 deutsche und französische Soldaten ums Leben. Wegen seiner exponierten und angeblich strategisch günstigen Lage war der Ort erbittert umkämpft - er erhielt deshalb den Beinamen "Menschenfresserberg". Vor genau einhundert Jahren, am 3. August 1914, hatte das Deutsche Reich Frankreich den Krieg erklärt. Am Nachmittag will Gauck ins belgische Lüttich weiterfliegen, wo am Montag die zentrale Gedenkfeier des Königsreichs Belgiens geplant ist.

Der Hartmannsweilerkopf in den Vogesen

Am 956 Meter hohen Hartmannsweilerkopf (französisch: Vieil Armand, elsässisch: Hartmannswillerkopf) in den Vogesen befindet sich eine der bedeutendsten französischen Gedenkstätten zum Ersten Weltkrieg. Elsass-Lothringen hatte seit 1871 zu Deutschland gehört. Über die Gipfel der Vogesen verlief monatelang die Front eines blutigen Stellungskrieges. Der Hartmannsweilerkopf hatte militärisch nur geringe Bedeutung.
Am "Menschenfresser" (Mangeur d'hommes) genannten Berg starben rund 30.000 Deutsche und Franzosen. Bei Kälte, Schnee und Regen sowie unter katastrophalen sanitären Bedingungen mussten die Soldaten auf den Kuppen der Vogesen durch tiefen Schlamm und Schmutz waten. Wer nicht durch Kugeln und Granaten starb, fiel Krankheiten wie Ruhr, Cholera und Typhus zum Opfer.
Ein Soldatenfriedhof und eine Krypta mit den Gebeinen Tausender unbekannter Gefallener erinnern dort heute an die Gräuel des Krieges. Ab 2017 soll dort ein deutsch-französischer Erinnerungskomplex entstehen.

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