Feuerwehrleute in Schutzanzügen vor dem Justizgebäude in Coburg

Briefe an Behörden Weißes Pulver alarmiert Justiz

Stand: 12.01.2017 15:34 Uhr

Bei Justizstellen mehrerer Bundesländer gingen zuletzt ominöse Postsendungen mit weißem Pulver ein. Obwohl sich dieses in vielen Fällen als harmloser Puderzucker herausstellte, leiteten die Behörden Ermittlungen ein. Nach den Absendern wird nun bundesweit gesucht.

Eine Serie dubioser Pulverfunde in vielen Justizgebäuden in Deutschland stellt die Behörden vor ein Rätsel. Wer hat die verdächtigen Briefe verschickt? Die Funde ziehen weitere Ermittlungen nach sich.

Auch das Bundesverfassungsgericht war betroffen. Dort stellte sich die in einer Postsendung entdeckte Substanz zwar als Puderzucker und somit als harmlos heraus. Dennoch nimmt die Staatsanwaltschaft Karlsruhe die Sache nach eigener Aussage sehr ernst. "Wir ermitteln wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten", sagte ein Sprecher.

Ganze Maschinerie losgetreten

Auch in anderen Justizstellen in mehreren Bundesländern waren Briefe entdeckt worden, aus denen weißes Pulver rieselte - etwa bei der Staatsanwaltschaft in Neubrandenburg, beim Amtsgericht in Ludwigslust oder beim Landesamt für Verfassungsschutz in Erfurt.

Das führte nicht nur zu Aufregung in den Poststellen, sondern löste teure Polizei- und Feuerwehreinsätze aus. Mehrere Mitarbeiter wurden auf Gesundheitsschäden untersucht, einige Justizgebäude vorsorglich gesperrt. Es werde bei zweifelhaften Briefen aus Sicherheitsgründen die ganze Maschinerie losgetreten, außerdem bedeute das Öffnen eines solchen Briefs für den Betroffenen eine große Belastung, sagte der Sprecher der Karlsruher Ermittlungsbehörde.

Wahrscheinlich kein Zufall

Die Häufung der Fälle ist auffällig. "Ein Zusammenhang liegt nahe", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, nachdem auch in Coburg verdächtiges Pulver aufgetaucht war. Die Hintergründe seien aber noch völlig unklar.

Beim Bundesverfassungsgericht war am Mittwoch ein verdächtiger Umschlag eingegangen, der an eine nicht näher genannte Person adressiert war und der in der Poststelle geöffnet wurde. Untersuchungen ergaben, dass es sich bei dem weißen Pulver um Puderzucker handelte. Der war auch in einem Brief, der an das Amtsgericht Eisleben in Sachsen-Anhalt ging. Auch weitere Funde in Deutschland stellten sich als harmlos heraus.

Wie in Karlsruhe wird nun auch an anderen betroffenen Justizstandorten gegen Unbekannt ermittelt. Auf Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten drohen bis zu drei Jahre Haft.

Über dieses Thema berichtete der NDR am 12. Januar 2017 um 19:30 Uhr und MDR aktuell am 13. Januar 2017 um 06:00 Uhr.

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