Hintergrund

Rechtsextremistischer Verein verboten Wer ist die "Weisse Wölfe Terrorcrew"?

Stand: 16.03.2016 12:16 Uhr

Die "Weisse Wölfe Terrorcrew" (WWT) hat ihren Schwerpunkt in Norddeutschland und ist seit Jahren als wichtige "Kameradschaft" bekannt. Auch die Behörden nahmen die Neonazis schon mehrmals ins Visier. Was steckt hinter der Gruppe?

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Der weiße Wolf - dieses Symbol steht in der rechtsextremen Szene zum einen für das angeblich Reine des Nationalsozialismus - und zum anderen für den Wolf, der als gefährliches, unbeugsames Raubtier gilt und auch im historischen Nationalsozialismus immer wieder benutzt wurde.

Aber auch an das Konzept der Werwolf-Kommandos kann mit dem Symbol des Wolfes Bezug genommen werden: Geheime Kampfgruppen, die aus dem Untergrund losschlagen sollen. Das Symbol ist populär in der braunen Szene und taucht daher öfter auf. So spielte das Fanzine "Der Weisse Wolf" eine Rolle im NSU-Komplex, hatte es doch einen Gruß an die Terrorzelle veröffentlicht - und zwar lange bevor diese sich 2011 enttarnte.

Auch eine Rechtsrockband aus Nordrhein-Westfalen gab sich den Namen "Weisse Wölfe". Diese machte mit härtester Hetze in ihren Texten von sich Reden, mutmaßliche Urheber von Textzeilen wie "Wenn wir uns finden beim Marsch durch das Land, dann brennt in jeder Stadt ein Asylantenheim ab" oder "Für unser Fest ist nichts zu teuer - 10.000 Juden für ein Freudenfeuer" standen wegen Volksverhetzung vor Gericht, wurden aber nicht verurteilt.

Eine von der "Weisse Wölfe Terrorcrew" mitorganisierte Demonstration in Hamburg im Juni 2012. | Bildquelle: Patrick Gensing
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Eine von der "Weisse Wölfe Terrorcrew" mitorganisierte Demonstration in Hamburg Anfang Juni 2012.

Fans gründen die "Terrorcrew"

In der Neonazi-Szene macht man sich mit solchen Texten hingegen Freunde. Fans der Band gründeten im Jahr 2008 die "Weisse Wölfe Terrorcrew". Der Gruppe gehörten laut Verfassungsschutz Rechtsextremisten aus Brandenburg, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin an. Deren Mitglieder traten in den Folgejahren vor allem in Hamburg und Umgebung durch rechtsextremistische Straf- und Gewalttaten in Erscheinung, sie prügelten sich mit der Polizei und provozierten mit Nazi-Parolen und bezeichneten sich selbst als "unbelehrbar".

Bereits im Jahr 2009 ging die Polizei daher bei einer bundesweiten Razzia gegen Mitglieder der "Weissen Wölfe Terrorcrew" vor. Unter anderem wegen der Verwendung verbotener Symbole auf ihren Klub-Shirts wurden den Neonazis Verstöße gegen das Uniformverbot vorgeworfen.

Die Gruppe politisiert sich

Nachdem die "Terrorcrew" zunächst vor allem subkulturell geprägt war - Beobachter sprachen von einer gewalttätigen "Sauftruppe" - politisierte sich die Gruppe in den Folgejahren deutlich. Im Jahr 2012 rief die "Weisse Wölfe Terrorcrew" gemeinsam mit NPD und Kameradschaften zu einer Demonstration in Hamburg auf, zu der mehrere Hundert Neonazis aus ganz Deutschland kamen. Bereits in den Monaten zuvor gab es unangemeldete Aufmärsche. Im Netz inszenierte sich die Gruppe in Videos als jung und modern.

Nachdem die "Weisse Wölfe Terrorcrew" zunächst überwiegend im Hamburger Raum und weiteren Umland, insbesondere Nordniedersachsen, aktiv war, begann eine überregionale Expansion. So bildeten Neonazis in mehreren Bundesländern weitere "WWT-Sektionen". Sie setzen dabei insbesondere auf Rechtsrock-Konzerte, um in der Szene an Einfluss zu gewinnen und um neue Anhänger zu mobilisieren. Aber auch die gemeinsame Teilnahme an Demonstrationen blieb ein wichtiges Mittel, um sich in der Szene zu vernetzen.

Ermittlungen wegen Terror-Verdachts

Im Oktober 2012 hatte der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof (GBA) ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung eingeleitet, das auch personelle Bezüge zur "WWT Sektion Hamburg" aufwies. Den Beschuldigten wurde vorgeworfen, ein rechtsextremistisches "Werwolf-Kommando" gegründet zu haben. Die Ermittlungen und auch folgende Razzien konnten den Verdacht aber nicht erhärten. Das Verfahren wurde im Oktober 2014 eingestellt.

Zuletzt ist es eher ruhiger geworden um die "Weisse Wölfe Terrorcrew" - bis sie nun von Bundesinnenminister de Maizière verboten wurde.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. März 2016 um 12:00 Uhr.

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